Jahresendabrechnung

Wieso kommt man zu Ende des Jahres immer automatisch in so eine melancholische Stimmung und möchte resümieren. Der Jahreswechsel ist schließlich keine Naturkonstante und sehr willkürlich gewählt. Selbst die Wintersonnenwende liegt daneben, wenn auch nur knapp.

Sei es wie es will, dem inneren Zwang sollte man nachgeben, vor allem wenn man wie ich (Resümee 1) quasi gar nicht gebloggt hat. Das ganze Jahr ohne neuen Eintrag, und auch das letzte Jahr war mehr als mau. Ich war ja nie der fleißigste Schreiber, aber die Steigerung (besser Senkung) ist mir schon imposant gelungen.

Gründe gibt es so einige. So weiß ich zum Beispiel nicht mehr (Resümee 2) was ich früher mit meiner freien Zeit angestellt habe. Heute verlangt das Kind nach durchgehender Aufmerksamkeit und akzeptiert kein Nein. Ich habe mein mittlerweile drittes Studium begonnen, dieses Mal neben dem Job. Die Kosten so eines Hobbys sind ein toller Motivator am Ball zu bleiben. Freizeitaktivitäten und meine eh vorher schon seltenen Treffen mit Freunden werden dadurch noch stärker reduziert. Sich dann abends eine halbe Stunde hinzusetzen um noch etwas zu schreiben, was nichts mit Job, Studium oder Familienorganisation zu tun hat, klingt dann nicht so sexy.

Und sonst so? (Resümee 3) Meine Spielezeit ist auf das nackte Minimum zusammengeschrumpft. Ich beneide Menschen, die in drei Monaten 150 Stunden in Witcher 3 o.ä. versenken können. Ich schaffe in der Zeit noch nicht einmal die 20 Stunden um die Hauptquest in Far Cry 4 zu beenden (aber bald habe ich es geschafft, da bin ich mir sicher). Ja, ich sitze jetzt an Far Cry 4. Ich bin der aktuellen Entwicklung in der Branche total hinterher. Immerhin habe ich es mittlerweile wirklich hinbekommen bei Sales nicht mehr sinnlos Titel zu kaufen und sie dann im Pile of Shame versauern zu lassen. Ich hole jetzt alte irgendwann mal billig geschossenen Titel nach. Gutes Gefühl. Vor allem bei kurzen Titeln. Am Tablet spiele ich zur Zeit Cibele. Eine Gesamtspielzeit von ca. 90 Minuten bekomme sogar ich in zwei Sitzungen hin. Danach dann Her Story. Geschätzte Dauer: 2,5 Stunden. Yeah!

Was bleibt neben Freizeit und der Weiterbildung noch? Der Job. Der Punkt lässt sich schnell abhandeln. Ich möchte diesen Job gerne noch einige Jahre machen, aber (Resümee 4) so spannend wie dieses Jahr brauche ich es auch nicht noch einmal. Mal keine Aufträge in Sicht, mal Land unter. Ein paar Aufs und Abs weniger wären für die nächsten Jahre sehr wünschenswert. Würde mich auch besser schlafen lassen.

Klingt alles nicht so prall, wenn ich das hier so schreibe und lese. Dazu noch die politischen Themen, die jeden beeinflussen: Flüchtlingskrise, Terror und Trump. Also alles Mist? Nö, (Resümee 5) es ist die beste Zeit seit langem, weil sich endlich alles lohnt. Die Zeit ins Studium stecke ich mit einem Ziel, weil ich das Wissen daraus schon jeden (Werk-)Tag nutzen kann. Die Familienzeit landet hauptsächlich in einem Kind, das sich prima entwickelt und einem so viel zurückgibt – den Satz muss man sich als Elternteil von Zeit zu Zeit einfach mal vorsagen, das hilft. Der Rest der Familienzeit gehört meiner Frau, der ich immer noch nicht überdrüssig bin. Und ich ihr auch nicht. Das allein ist schon Wunder genug. Und die Spielzeit? Besser hieße sie einfach „Ichzeit“ und ich muss mir nächstes Jahr wirklich mehr Zeit für mich nehmen, auch wenn da noch mehr anderes auf der Strecke bleibt. Familie mal für ein Wochenende wegschicken und die ganze Zeit Zocken und Stinken. Das sind wohl die ganz normalen Themen, die sich Erwachsenen halt so stellen. Habe mich lange genug drum rum drücken können.

Unterm Strich (Resümee 6) bin ich mit 2016 ganz versöhnt. Auf 2017 freue ich mich durchaus, schließlich zeichnen sich schon wieder tolle Geschichten am Horizont ab. Das erste Mal mit Kind nach Süd Tirol in die Berge. Die Geschichten über den Urlaub werden sicher fantastisch. Entweder sofort, oder in 20 Jahren, wenn die Nerven sich wieder erholt haben. So oder so, es gibt was zu erzählen.

Ich hoffe Ihr verdaut momentan alle recht kräftig und kommt dann gut ins nächste Jahr. Bis dahin lesen wir uns hier sicher nicht mehr (ich arbeite dieses Jahr durch). Und nächstes Jahr? Mal sehen wie oft ich mich aufraffen kann hier einen Text hinzusetzen. Versprechen werde ich nichts, denn das (Resümee 7) bringt eh nix.

Alles wird 2017

Kinderquatsch mit Nils

Nun bin ich also seit wenigen Wochen Vater eines kleinen Mädchens. Das erste Einleben von Kind und Eltern ist vollzogen, schon bald kann man es vermutlich Alltag nennen.

Ich habe nicht das Gefühl, dass sich mein Leben besonders geändert hätte, auch wenn das wohl der Fall ist. Das ist mir in den letzten Jahren jedoch bereits so oft passiert, vielleicht nehme ich es nur nicht mehr wahr.

Viele Gedanken mache ich mir zur Zeit über die verschiedensten Dinge. Was muss ich noch ändern um mit der Entwicklung meiner Tochter Schritt zu halten? Wo will ich sie begleiten, wo führen? Und lohnen sich die Gedanken überhaupt, oder wird sie mir schon zeigen wie und wohin die Reise geht?

Welche Werte und Ideen möchte ich in dieses kleine Bündel stopfen? Ein paar sind klar, zum Beispiel „Alle guten Menschen hören Metal und erkennen sich daran“. Aber sonst? Erkläre ich ihr, dass alle Menschen gleich sind, egal was sie glauben, wen sie lieben, wie sie aussehen? Oder mache ich ihr besser klar, dass Dummheit nicht nur eine Parabel ist, dass es wirklich Menschen gibt, die höllische Angst vor Chemtrails haben. Apropos Hölle, Religionen zu erklären verspricht auch spannend zu werden.

Ich denke ich habe noch Zeit bis die Themen wichtig werden, aber vielleicht auch nicht. Das Kind ist sechs Wochen alt und hat noch nie mit seinem Vater zusammen Spaceballs gesehen. Ist da überhaupt noch was zu retten? Jetzt schon versagt? Bekomme ich eine zweite Chance? Das Kind hat einen Bauchnabelbruch und muss operiert werden. Nach sechs Wochen ist das noch ein Garantiefall, oder? Sind Bauchnabel Gebrauchsmaterialien?

Ich weiß nur eins. Dass ich im Gegensatz zur Mutter Alkohol trinken darf ist für alle beteiligten ein großer Segen. In dem Sinne, Prost.

 

Alles wird Single Malt

Socken Quest

Ich habe vor vielen Jahren in einem Outlet Verkauf bei der Firma Falke in Schmallenberg ein paar Socken erstanden. Naja, eigentlich mehr als ein Paar, aber ein Paar war besonders. Die Farbgebung war eine Beleidigung für die Augen eines jeden lebenden Geschöpfes. Ich meine mich zu erinnern, dass bereits in dem Outlet-Store in der Nähe der Grabbelkiste mit besagten Socken signifikant mehr Fliegen gegen Glasscheiben flogen, als im Rest des Ladens. Vermutlich sind ihnen die Fassettenaugen durchgebrannt.

Für mich waren diese Socken vor allem praktisch. Das Öffnen der Sockenschublade führte zu einem sofortigen „Hallo wach“ Gefühl. Einmal angezogen war ich in diesen Socken so effektiv und strebsam wie sonst nie in meinem Leben, einfach weil mein Körper versuchte vor meinen Füßen zu fliehen und dabei insgesamt immer schneller arbeitete.

Nun ist jedoch so langsam die strukturelle Integrität dieser Fußbekleidung gefährdet. Damit möchte ich nicht eventuelle Qualitätsprobleme der Firma Falke anprangern, sondern eher das Gegenteil. Selten haben so oft genutzte Socken bei mir so lange gehalten. Das Problem ist ein anderes: Ich brauche neue.

Aber woher nehmen? Mein erster Versuch war der Hersteller selber. Eine Anfrage per eMail wurde mir binnen drei Tagen mit einem Standardtext beantwortet. Ganz ehrlich, liebes Falke Support Team, da geht mehr. Helft mir, ich bin verzweifelt. Momentan versuche ich mich in die komplexen Verflechtungen der deutschen Sockengroßhändler einzulesen, aber die schotten sich kartellartig gegenüber Außenstehenden ab. Selbst der Sockendealer am Bahnhof nimmt mittlerweile vor mir reiß aus, wie vor so nem Flip-Flop Träger.

Ich befinde mich auf einer Quest, die mich vermutlich in nicht google-mapsografierte Textilläden führen wird um dort den heiligen Gral allen Zehenschmucks zu finden. Diese Suche nimmt sogar ein religiöses Ausmaß an. Meine Familie samt Frau behauptet nämlich, dass das Verschwinden dieses Socken-Designs ein Zeichen für die Existenz eines Gottes ist. Und er wäre ein gerechter.

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Von Wölfen und Deppen

Zur Zeit kommen ja alle Deppen aus ihren Löchern um irgendeinen Mist über Muslime, Satire und eine bessere Welt zu faseln, da möchte ich natürlich nicht fehlen.

Gestern wurde ein Dutzend Menschen in Paris umgebracht, weil sie mehr oder weniger lustige Satire veröffentlicht haben. Bislang habe ich noch keine Stimme vernommen, die das gut heißt. Da endet es aber fast schon mit den positiven Meldungen.

Wie ich die Sache sehe, haben ein paar Arschlöcher Menschen gewaltsam getötet. Punkt. Welche Religion wer davon hat, welche Figuren von wem beleidigt wurden, das ist mir konsequent egal. Auch dass gerade die Boko Haram in Nigeria eine Stadt mit 2000 Einwohnern niedergebrannt hat, finde ich furchtbar. Arschlöcher töten Menschen, mehr muss ich nicht wissen.

Aber nun wird mal wieder alles instrumentalisiert. Ich höre wieder geistigen Müll der Pegida-Organisatoren und erfahre nun, dass es da eine Schnittmenge mit dem geistigen Müll der AfD gibt. Ich lese wieder von Umfragen wie „Ist der Islam eine Gefahr für Deutschland“. Leider hat sich sogar die von mir respektierte Giordano-Bruno-Stiftung dazu hinreißen lassen ihre alte (und berechtigte) Forderung zur Abschaffung des §166 StGB (Gotteslästerungsparagraph) wieder hervor zu kramen.

Muss das sein? Müssen wir jetzt wieder über den Sinn und Unsinn von Religion im Allgemeinen und die Gefahren des Islam im Speziellen diskutieren? Ich verstehe nicht, was die Religionen in den letzten 200 Jahren noch an positivem Einfluss hatten. Aber ich sehe mich in der Frage auch nicht als letzte Instanz der Weisheit. Ich weiß nur, dass Pauschalisierungen immer doof sind. Angeblich sind auch nicht alle Katholiken pädophil, habe ich gehört.

Was bleibt nun also? Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Das wird sich wohl erst ändern, wenn wir einen neuen Feind gefunden haben. Und selbst dann wird die Dummheit die letzte Konstante der Menschen sein. Vielleicht äußert sie sich dann nur anders.

Alles wird… ach, ich habe keine Lust mehr…

Besuch auf der MS Wissenschaft

Ende letzter Woche lag in Würzburg die MS Wissenschaft vor Anker und bot jedem interessierten Besucher die Möglichkeit, die aktuelle Forschung im Bereich der digitalen Welten zu bestaunen. Zumindest am Sonntag wurde diese Chance auch rege genutzt. Mit anderen Worten, es war voll.

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Die MS Wissenschaft ist ein umgebautes Frachtschiff, dass den kompletten Sommer durch Deutschland schippert. Dieses Jahr wird es noch bis Ende September unterwegs sein. Bezahlt wird die schwimmende Ausstellung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Eintritt ist kostenlos. Der Ausstellungsinhalt wird von diversen Forschungsgesellschaften gestellt, Max-Plank-Gesellschaft, Fraunhofer Institut, Helmholz und Leibniz Gemeinschaft um ein paar zu nennen.

Wie gesagt, das Angebot fand regen Zuspruch. Das Thema lautete „Digital unterwegs“. Um jedem Beißreflex der digital natives vorzubeugen, sei direkt gesagt, dass keine Schreckgespenster vorgeschoben wurden, sondern neben den allseits bekannten Risiken für unseren Datenschutz vor allem die Chancen der Vernetzung aufgezeigt wurden. Beginnend mit einem kurzen zeitlichen Überblick über die Entwicklung der digitalen Welt und einem nett präsentierten Glossar der wichtigsten Begriffe schlängelte ich mich gemeinsam mit Interessenten aller Altersklassen durch die nett präsentierte Ausstellungsfläche.

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Das Wort „Ausstellung“ trifft die Sache jedoch nicht zu 100%. Die passiven Ausstellungsstücke waren nämlich in der Minderheit, viel häufiger sollte selber probiert werden. Was für Vorteile hat zum Beispiel eine ärztliche Betreuung per SMS für unerfahrene Diabetes-Erkrankte? Und kann der Besucher anhand solcher Kurznachrichten den waren Zustand des Patienten herausfiltern? Wie könnte das Schwarze Brett einer Schule in ein paar Jahren aussehen? Aushänge zum Durchscrollen per Touchscreen? Abruf des Stundenplans jeder Klasse per Klick?

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Ein „intelligenter“ Tisch, Beispiele von beruflichen Einsatzbereichen für Datenbrillen, eine manipulierbare Computersimulation von der Evakuierung größerer Areale, der dargebotene Wissenschaftsbereich war riesig. Schade, dass manche spannenden Mitmachexponate von Jugendlichen dauerbesetzt waren, die an Wissensgewinn nur bedingt Interessiert waren, aber auch so gab es mehr als genug zu tun. Jedes Ausstellungsstück war mit einer kurzen Beschreibung versehen, die die wichtigsten Stichpunkte aufführte (die Mitmachstationen entsprechend mit kurzen Erläuterungen). Ersetzt kein Studium, hilft aber bei der Einordnung des gesehenen.

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Ich empfand meinen kurzen Rundgang als gut genutzte Zeit, ich habe einige Denkanstösse bekommen, und vor allem hat sich der bei mir eh schon gute Ruf von Wissenschaftlern nochmal gebessert. Menschen, die einfach mal aufprobieren dürfen, was geht. Gibt es was cooleres? Aber dazu in einem anderen Blogpost die Tage mal mehr.

Alles wird erforscht.

Vergleich das!

„Ich gucke jetzt bestimmt nicht meine erste Folge Lindenstraße. Oder würdest Du heute noch einen neuen Char in Everquest erstellen?“

Menschen haben Probleme meine Vergleiche zu verstehen. Also nicht alle Menschen, nur die komische, „normale“ Sorte von Menschen. Zur Erklärung: Everquest ist ein Onlinerollenspiel, das bereits seit 15 Jahren läuft. Mittlerweile gibt es die 21. Erweiterung. Das Spielgebiet ist riesig, die Spieler seit Ewigkeiten dabei und den existenten Inhalt nachzuholen wäre ein Zeitgrab gigantischen Ausmaßes. Es gibt auch nicht wirklich einen Grund es unbedingt nachholen zu wollen. Ein bisschen wie Fritz Langs Metropolis: Ein episches Werk, dessen Bestandteile später nochmal allesamt recycelt und modernisiert auftauchten. Ein Grund es sich anzusehen ist fast ausschließlich in einem historischen Interesse zu finden.

Wenn nach dem eingangs erwähnten Vergleich nur irritiert Blicke folgen, dann stehe ich wieder als der seltsame Spinner da. Ein kurzer Smalltalk über das aktuelle Wetter wurde von meinem Gegenüber vor kurzem mit einem „Winter is coming“ kommentiert. Nach meinem irritierten Blick stand ich wieder als der seltsame Spinner da. Nie Game of Thrones gesehen (auch nicht gelesen, das hat aber auch kaum jemand von dieser Kulturelite, die mich vor allem online mit Zitaten aus dem Werk nerven), wie kann ich nur. Interessiert mich nicht. Herr der Ringe Anspielungen verstehe ich auch nur, weil ich in die ersten beiden Filme gezwungen wurde, und mir dann freiwillig auch noch den dritten angesehen habe. Seit dem Kinobesuch von Teil drei habe ich nie wieder einen gesehen, trotz DVDs im Regal. Die Herr der Ringe Special Extended Editions in meinem DVD Regal sind quasi das Äquivalent zu Eine kurze Geschichte der Zeit in Euren Bücherregalen.

Gehört zur Grundausstattung, das kennt jeder, interessiert mich nicht. Das sind drei Phrasen, die bei mir zusammen gehören, zumindest im Bereich der Filme und Bücher. Spiele sind anders. Ein Kulturbereich, in dem ich gerne noch die Meilensteine nachhole, sofern ich sie nicht eh einstmals live erlebte. Ich gebe zu, dass ikonische und interessante Charaktere in Spielen leider selten vorkommen. Charaktere, deren namentliche Erwähnung bereits für wohlige Erinnerungen sorgen. Zitierbare Taglines, die zum schmunzeln anregen, sind zwar häufiger, aber immer noch nicht mit der Menge anderer Kulturbereiche vergleichbar. Aber es gibt sie.

Als ich gestern geschäftlich ein Word Dokument erhielt, dessen Autor laut Dateiinformation ein Banditenführer aus Risen war, musste ich lachen. Geht doch. Zufrieden bin ich aber erst, wenn ich nach einer Runde Jogging vom Laufband mit einem Lo- lo- lo- look at you, hacker angemacht werde.

Alles wird bla bla bla, Mister Freeman

Wenn die Moral in den Brunnen fällt

Ich wurde letzte Woche mal wieder darauf aufmerksam gemacht, wie furchtbar doch das Internet mit den Naiven umgeht. Wie schnell Gerüchte in die Welt gesetzt sind. Wie schwer es doch ist die wieder zu entkräften. Wie gut es ist nun eine Handhabe gerade gegen Google zu haben. Was Revenge Porn (der Link führt zur Wikipedia und zu nix anderem, ihr Ferkel) doch für ein großes Problem für Studentinnen und Schülerinnen darstellt. Wir brauchen keine Möglichkeit Google Inhalte verstecken zu lassen, wir könnten mal eine neue Moral gebrauchen.

Nicht mehr die Kontrolle über das zu haben, was über die eigene Person verbreitet wird ist schlimm. Man ist Objekt, Spielball in einem System, dessen Spielregeln unbekannt sind. Wie schön wäre es da, wenn die Gerüchte niemanden jucken würden.

Mir doch egal, was mein Nachbar für Fehler in seinem Leben gemacht hat. Ich habe es selbst auf ne gescheite Menge gebracht. Mir doch egal, ob es Videos darüber gibt, dass die mittlerweile verheiratete Grundschullehrerin zu ihrer Studienzeit sexuell experimentierfreudig war. Ein mies ausgeleuchteter und verwackelter Film darüber, wie ein erwachsener Mensch Freude an etwas Alltäglichem hat. Wie so ne Kochshow. Spannend.

Anscheinend geht es uns doch auch ganz gut durch, wenn der Vorsitzende einer besonders christlichen Partei uneheliche Kinder hat. Oder ein äußerst herzensguter Vereinspräsident Steuern hinterzieht. Schon in Ordnung, das sind Details, die mir am Popo vorbei gehen können. Darum dürfen sich betrogene Ehefrauen und Gerichte kümmern, die geht es was an. Genauso ist es aber auch mit dem Getratsche über Otto-Normal-Bürger.

Angebot und Nachfrage. Was sind Nachrichten wert, für die sich kein Publikum findet? Nüschts. Oft genug ist das ärgerlich, hier wäre es ausnahmsweise mal praktisch. Dann befürchtet vielleicht irgendwann niemand mehr, dass ich schlecht von ihm denke, weil er mal vor 10 Jahren an einem Sonntag Nachmittag…