Biographien

Ich habe am Wochenende einen beeindruckenden Mann kennen gelernt. Wobei das so richtig auch nicht stimmt. Oberflächlich gekannt habe ich ihn schon länger. Zugetraut habe ich ihm viel, aber die Realität sah wie so oft noch viel beeindruckender aus, als ich es mir vorgestellt habe. Und genau darum geht es mir. Ein vom Schicksal gebeutelter Türke, dem in unserem Lande nichts geschenkt wurde, muss mich mal wieder daran erinnern, was ich bereits habe, und was ich als gottgegeben ansehe… und wie gut es mir geht.

Warum müssen auch heute noch Menschen in Schubladen gesteckt werden? Es erspart das selbständige denken, als solches war es sicher auch mal was wert, aber in unserer heutigen, ach so gebildeten Gesellschaft ist dafür meiner Meinung nach kaum noch Platz. Einen Menschen kann ich nach dem beurteilen, was er getan und was er gesagt hat, nicht nach seinem Erscheinen, nicht nach “meinem ersten Blick”.

Ich wollte schreiben, dass es mich ankotzt, wie ihm auf seiner verzweifelten Wohnungssuche die Türen vor der Nase zugeschlagen wurden, aber dies hat er mir verboten. Ihn könne es ankotzen, ich hätte jedoch keine Ahnung, ich war ja nicht dabei. Recht hat er. Ich weiß nicht wie es ist ins Gesicht gesagt zu bekommen “Am Telefon klangen sie ja noch so deutsch *baaammm*” – “Oh, Sie sind das? Sie sind aber kein Deutscher?! *baaammm*”. Da arbeitet man jahrelang, hat sein Abitur in der Tasche, hat im Leben schon einiges erreicht, landet aber doch immer wieder an dem einen Punkt. Das Gesicht sieht nicht deutsch genug aus. Nun versucht er es mit einem Studium. Vielleicht überzeugt der Schein die richtigen Leute. Nötig sein, sollte es nicht.

Über “die Deutschen” und ihre verbohrte und engstirnige Sicht der Welt zu meckern ist aber falsch, denn Grundlage dieser Argumentation ist nur wieder der gleiche fehlerhafte Gedankengang. Die Deutschen gibt es schließlich auch nicht, nur Menschen wie wir, die unsere Außenwirkung beeinflussen können.

Verbittert hat ihn sein Leben bisher nicht, obwohl es noch viel mehr persönliche Tiefschläge bereit hielt. Nicht beirren lassen, weitermachen. Den eigenen Weg weiter gehen. Schnell gesagt, aber imposant wenn man ein Beispiel dieser Lebenseinstellung vor sich sieht.

Alles wird ernüchternd

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Menschen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s