Medienkonsument

Ich bin ein Medienfreier. Ich zahle monatlich ein stolzes Sümmchen um mich am Medienkonsum zu ergötzen. Jetzt mal abgesehen von der Sache mit dem Zahlen unterscheidet mich das wohl von kaum jemandem in unserem Land. Nicht umsonst haben wir so viele Media-PlanetmitRing-Medi-Expert-Sonstwas-Märkte überall verteilt. Jetzt könnte man in eine Diskussion über die wirklich interessanten Themen eintauchen: Warum geben wir so viel Geld für lebensunwichtige Statussymbole des Kalibers eines 2 Meter LED TVs aus, nehmen aber nur das billigste Fleisch aus dem Supermarkt mit? Warum haben wir keine Probleme die ganzen durch Kinderhände in menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen gefertigten Maschinen (genauso: Kleidung, etc.) zu kaufen, wenn wir nur einmal im Jahr, zumeist vor Weihnachten, 20€ an UNICEF spenden? Tja, spannende Fragen, aber nicht das, worauf ich hinaus will.

Meine Gedankengänge waren nicht unbedingt seichter, aber viel ichbezogener. Ich habe mich gefragt, warum ich scharf darauf bin mir Dinge zu Gemüte zu führen, die sich jemand anderes ausgedacht hat, und die mich als Menschen in keiner Weise vorwärts bringen. In der Zeit, in der ich in Skyrim Drachen töte, hätte ich ich locker die wichtigsten Vokabeln der japanischen Sprache im Hirn. Oder ich könnte endlich ein paar gute Fischgerichte zubereiten. Oder ich hätte mein Wissen über Quantenmechanik zumindest in der theoretischen Vorstellung (die Mathematik dahinter interessiert mich gar nicht so) wieder etwas aufgefrischt. Oder ich könnte in Java endlich mal wieder mehr als ein Hello World programmieren. Alles Dinge, an denen ich durchaus ein Interesse hätte, aber nein, ich hocke in meinem Wohnzimmer und konsumiere was ich finden kann. Ich kam zu vier Erkenntnissen:

1) Es war früher schlimmer als heute. Zu Schulzeiten begann meine Zeit vorm PC früher und endete später. Mit leichtem Unverständnis denke ich da an 15 Stunden in denen ich ganz Captain-mäßig auf meiner Brücke stand und einen Frachter auf der Suche nach guten An- und Verkaufsmöglichkeiten für meine Waren quer durch’s X Universum schipperte. Damals entschied sich, dass Kaffee nicht so mein Ding ist. Und dass sich Eltern nicht freuen, wenn man nachts um 3 Uhr frisch die Bohnen mahlt.

2) Mit Ausnahmen, die die Regel bestätigen, geht es mir bei meinem Medienkonsum um Geschichten. Faszinierende, spannende, gut erzählte Geschichten. Ein wenig was für’s Auge ist bei den “optischen Medien” sicher nicht schlecht, aber die inneren Werte sind doch zumeist wichtiger.

3) Die Form ist relativ egal. Bücher, Filme, Serien, Blogs, Spiele, Comics, Zeitschriften, Hörbücher, Podcasts, Musik. Ich bin nicht wählerisch. Jedes Medium an sich hat eine so weite Bandbreite, dass sich problemlos interessante Dinge finden lassen. Comics sind nicht alle nur Kinderkram, Musik hat nicht durchgehend nur inhaltslose Texte, Podcasts sind nicht alle nur peinlich produziert, Bücher sind nicht alle nur ein Relikt der Vergangenheit, Zeitschriften sind nicht alle dem Untergang geweiht, Filme sind nicht alle nur seelenloses Popcornkino.

4) Es ändert sich bereits was. Ich habe angefangen Japanisch zu lernen. Bislang zwar ohne Kenji, somit nicht ganz alltagstauglich, aber immerhin. Ein neues Kochbuch samt passender Utensilien landete zu meinem Geburtstag bei mir. Drei Bücher des bewundernswerten Stephen Hawking stehen auf prominenten Plätzen im Bücherregal UND werden auch schon häppchenweise gelesen. Meine Programmierfähigkeiten? Man sollte sich auch noch ein paar Ziele für die Zukunft aufheben.

Mache ich mir mal wieder selber Vorwürfe, obwohl es dafür keinen Grund gibt? Unterscheidet auch beim scheinbar sinnlosen Rumhängen die Dosis das Gift vom Medikament? Nicht so hart mit mir ins Gericht gehen fällt mir schwer, latenter Perfektionismus schätze ich mal, aber alles kann ich auch nicht darauf schieben. Ich denke hier in unserer ach so toll entwickelten ersten Welt sind wir davon abgekommen uns selber vernünftig zu entwickeln, und leider bilde ich da keine Ausnahme. Nun kommen wir alle aus dem Nichts und wir gehen wieder ins Nichts, aber die Zeit dazwischen ließe sich doch ein wenig besser nutzen.

 

Alles wird erfolgreicher

Nie liest Du mir zu!

Ich habe keinen Anrufbeantworter. Diese Beichte wird nun die einen mehr, die anderen weniger schockieren, aber sie ist wahr!

Und ziemlich belanglos.

Wisst Ihr noch wie das mit der Kommunikation früher war? Derjenige, der etwas sagen wollte, hat sich darum bemüht den anderen zu erreichen. Gelang dies nicht, versuchte er es später erneut. Dann kamen die Anrufbeantworter. Der Sprechwillige rief an, erreichte keinen, laberte seinen Namen und ein paar unverständliche Satzfetzen auf das Band, und ab da war es die Aufgabe des Angerufenen für die Herstellung des Quasselbündnisses zu sorgen. Es trat also eine Verantwortungsumkehr statt. Im Geschäftsleben durchaus praktisch, im Privatleben eher lästig.

Später folgte Phase zwei. Es wurde gar nicht mehr angerufen, man schrieb einfach eine SMS: “Meld’ Dich mal, ich muss Dir ganz dringend was erzählen.” Nun versuchte man also gar nicht mehr den anderen zu erreichen, man gab ihm nur so viel Information um ganz nebenbei den Schwarzen Peter mit zu übertragen. Quasi eine SMS mit Anhang.

In den letzten Wochen bemerkte ich nun Phase drei des kleinen Spielchens. Ich bin seit Anfang des Monats ohne stabilen und schnellen Internetzugang. Das Leiden hat bald ein Ende, es wird momentan auch durch einen gedrosselten UMTS Stick gelindert, soziale Netzwerke zu verfolgen und ganze Tage nachzulesen macht aber keine gesteigerte Freude. Nun wurde ich kürzlich beim persönlichen Kontakt mit einem echten, wie auch virtuellen Freund auf Dinge angesprochen, von denen ich keine Ahnung hatte. Darauf hingewiesen, dass er doch etwas weiter ausholen müsse kam nur ein kurzes “Has’ Du nich’ gelesen? Han isch doch auf Facebook gepostet!” Ich glaube, dass könnte der finale Schritt der Verantwortungsumkehr sein. Nun muss ich abfragen, ob mir jemand anderes etwas mitteilen will.

Es verlief schleichend, und ich vermag nicht es aufzuhalten. Alles, was mir einfällt, ist: Ich kaufe niemals einen Anrufbeantworter.

Alles wird trotzig

Geburtsstunde

Neben all den wichtigen Texten, die ich für verschiedene Anlässe noch zu schreiben habe (und einige davon sind vielleicht zukunftsweisend *machmysteriumdrauß*), denke ich, dass heute ein guter Tag für diesen hier ist. Trotz aller Internetproblemchen und trotz meinem noch unbefriedigten Perfektionismus lasse ich diesen Augenblick nun als Geburtsstunde meines Blogs in die Geschichte eingehen. Ein bisschen Inhalt habe ich die letzten Monate schon reingeschoben, ein bisschen hinter den Kulissen gewerkelt, halt das, was man als werdender Blogdaddy so tut. Damit soll es noch nicht vorbei sein (eigentlich soll es sogar intensiviert werden), aber mit diesem Posting setze ich mein kleines Baby nun der harten Welt, und somit Eurer Kommentare aus. Mal sehen wo uns der Weg hinführt.

 

Alles wird offiziell