Ein paar Gedanken zur Musik

Meine meiner Lieblingsbands war in Berlin. Ein unplugged Gig in einer kleinen heimeligen Location. Karten waren nach grob 4 Stunden komplett weg, also war auch ich nicht da. Schade, schließlich war es erst ihr dritter Auftritt überhaupt in Deutschland. Sie touren jedes Jahr, aber zumeist sind Russland, Polen, Ukraine etc. dran, Länder, die sich allesamt leichter von ihrer Heimat in Finnland aus erreichen lassen als Deutschland.

Nun funktioniert das bei anderen Bands ja auch, sie kommen aus der hintersten Ecke von Weitweitwegland und machen eine Welttournee, sind in jedem Land drei bis fünf mal, und weiter geht’s. Mächtiger Kraftakt für alle Beteiligten, aber anscheinend ist es so lohnenswert (nicht nur, aber auch finanziell), dass das immer noch vielfach gemacht wird, warum können die Jungs also nicht mal aufbrechen und zumindest ganz Europa durchtouren? Ganz einfach, sie haben kein finanzstarkes Label im Rücken.

Zum Release ihres neuen Albums haben Poets of the Fall auf Facebook eine Nachricht veröffentlicht, die im Groben darauf hinausläuft, dass sie darum bitten, dass man ihre Musik doch nicht klauen solle. Man würde damit nicht der bösen Musikindustrie an sich schaden, sondern nur ihnen ganz persönlich, da es sonst niemanden gibt, der an dieser CD mit beteiligt wäre. Auch wenn ich finde, dass so ein Aufruf ein wenig bedürftig klingt (noch schlimmer bei der unsäglichen Liqui Moli Werbekampanie), mir zeigt es mal wieder, dass schwarz/weiß Malerei immer verkehrt ist. Natürlich sind die großen kommerziellen Label das Böse in Reinform, aber ohne sie sehe ich meine geschätzten Bands nicht. Natürlich saugen sie die Kreativität aus jedem künstlerischen Akt heraus und bügeln alles auf Mainstream, aber ohne sie bekomme ich viel zu wenig über neue Musikprojekte mit.

Die Bands, die bei mir am Häufigsten gespielt werden sind Poets of the Fall (Finnland), Nightwish (Finnland), Zeraphine (Deutschland) und Stratovarius (Finnland, Schweden, ein bisschen Norwegen und zwischenzeitlich auch mal Deutschland), ich käme nie auf die Idee eine CD von denen zu klauen. Ich käme noch nicht einmal auf die Idee eine CD von denen als digitale Version zu kaufen. Nahezu mein kompletter Musikkonsum wird auch heute noch per CD in meine Wohnung geschafft, wobei die Ausnahmen mal wieder die Regel bestätigen. Egal wie, auf jeden Fall zahle ich Geld für die Musik von Bands, die ich mag. Und ich kann nicht glauben, dass ich da so ein großer Einzelfall bin.

In Stücken war das mal anders. Alben wurden schon immer gekauft, manchmal wurde ich überrascht, dass nur ein oder zwei Lieder meinem Urteil stand hielten, manchmal habe ich aber auch unglaubliche Gesamtkunstwerke erstanden, die im Zusammenwirken aller Einzelteile besser wurden als jeder einzelne Track für sich es war. Die einzelnen Lieder, die Ohrwürmer aus dem Radio, die waren bei mir die Wackelkandidaten. Zuerst kamen die in Form von Bravo Hits und anderen Samplern ins Haus, was da nicht drauf war musste entweder doch als ungeliebte Maxi Single ins Haus kommen, oder wurde nach und nach vergessen. Daraquf folgte die ISDN Zeit mitsamt Tauschbörsen. Einzelne Songs waren meist schon nach 10(!) Minuten fertig geladen, da gab es keinen Grund mehr Gesamtpakete käuflich zu erwerben. Mittlerweile kann ich die einzelnen mp3s direkt käuflich erwerben, für einen wirklich geringen Obolus, mache es aber nicht, weil ich kaum noch Radio höre und mir somit die Ohrwürmer fehlen. Im Gegenzug habe ich sogar schon für CDs gezahlt, die der Künstler eigentlich kostenlos verteilt hat, einfach weil die Musik so verdammt gut war, wollte ich Geld geben (an dieser Stelle ein kurzes “Hallo!” an Stereoshape. Leute, hört mal in die EP rein, kostenlos und absolut lohnenswert!).

Wohin führt mich das ganze Geschreibsel hier? Nirgendwo hin. Genau das ist mein Problem. Mein Musikinteresse ist festgefahren. Die Musiklabels haben mich als dankbaren Empfänger, der alles schluckt was sie einem vorsetzen, verloren. Ich kann nun viel stärker wählen was ich haben will und brauche keine zusammengeklöppelten Best-of Alben oder Samplers mehr. Ganz ohne die Labels scheint es aber auch nicht zu gehen. Das haben wohl selbst die Poets eingesehen, die kooperieren nun in Deutschland mit Remote Music. Das Ergebnis ist ein Song in den deutschen Radios und der zeitnahe Release ihres neuen Albums. Hoffentlich verfallen nun noch mehr Menschen der grandiosen Stimme Marko Saarestos.

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