… und Spaß dabei

Ich soll mich darauf konzentrieren Spaß zu haben. Bei allem was ich tue, weil ich sonst nämlich einfach wieder gar nichts tue. Ein Motivationstraining zum Erlernen eines normalen Lebens.

Ich gehe recht offen damit um, dass ich ab und an mal Stimmen höre. Zumeist sind sie eh etwas klischeebeladen und kommentieren einfach was ich sehe mit möglichst vielen mehr oder weniger passenden Simpsons-Zitaten. Außenstehenden beschreibe ich sie gerne als Engelchen und Teufelchen auf der Schulter, nur halt ohne klare Gesinnung. Sie gehören zu mir, stellen einfach einen Weg dar, auf dem mein Unterbewusstsein mit mir sprechen will. Und ganz ehrlich, im Vergleich zu den Träumen mach anderer gefällt mir die Technik erheblich besser.

Nun begab es sich vor ein paar Jahren im Sommer gegen 22.30 Uhr, dass mir eine meiner Stimmen sagte: “Wenn Du nun Deine Fenster putzt wirst Du umgehend glücklich und zufrieden sein.” Ich begann in der kompletten Wohnung die Fenster zu putzen. Im Anschluss konnte ich zwar endlich wieder durch meine Fenster blicken, Glück und Zufriedenheit waren aber nicht auf wundersame Weise eingekehrt. Die Stimme hatte mich belogen und ich war sauer.

Dabei hätte ich mich einfach freuen sollen. Ich hatte soeben meinen Schatten übersprungen und aufgrund eines schwer vermittelbaren Motivationsschubes eine Arbeit mit viel Spaß dabei erledigt, um die sich hier wohl niemand reißt. Sich hinsetzen, durch die Scheibe blicken und sich am mittlerweile aufgezogenen Mond (und seinen klaren Umrissen, die nicht mehr wie durch Milchglas erschienen) erfreuen, das wäre ein praktikabler Weg zu Glück und Zufriedenheit gewesen.

Ich bemühe mich nun auf Geheiß eines Arztes alles nur noch mit Freude und Spaß anzugehen. Das heißt natürlich nicht, dass die unangenehmen Dinge im Leben nun einfach vergessen, sondern dass sie versüßt werden müssen. Sei es durch die reine Freude am Abhaken auf einer Liste (wieder was geschafft), sei es durch eine selbst versprochene Belohnung (das mach ich noch eben, dann geht es aber mit dem Controller auf die Couch), sei es durch die Vorfreude am zu erwartenden Ergebnis (ich schrubbe den Balkon noch mal richtig, damit ich hinterher die Freundin raus sperren kann und mehr Freude mit dem Controller auf der Couch habe), oder sei es durch das Verschönern des Weges (Spülen ist öde, aber mit Musik in den Ohren und lautem Mitgröhlen wird es erträglich).

Meine bisherige Technik, an mein Pflichtgefühl zu appellieren und mir selbst immer wieder neue Deadlines zu setzen (weil ‘Arbeit’ x ‘verbleibende Zeit’ = ‘Konstant’ und ohne die letzte Minute vor der Deadline bekommt man ja überhaupt nie was gebacken) war nicht sehr erfolgreich. Wie ein großer Teil der Menschheit stehe auch ich nicht besonders darauf von oben herab herumkommandiert zu werden. Wenn ich geschubst werden mach ich einen Buckel, nehme Abwehrhaltung ein und bewege mich nach Möglichkeit in keine Richtung mehr. Lernen musste ich, dass dies nicht nur passiert, wenn mich andere Leute zu etwas überreden wollen, sondern auch wenn ich mich selber schubse, Stichwort: Innerer Schweinehund.

Nun versuche ich also auf diese Weise ein normales Verhältnis zu meinen Verpflichtungen, meinem Leben und den Menschen da drin und da dran zu bekommen. Auf einmal ist gar nicht jede Verpflichtung eine Bestrafung, auf einmal ist gar nicht mehr das ganze Leben ein Kampf gegen sich selbst. Vielleicht bin ich im Moment der berühmte Esel, der der Möhre am Stock hinterher jagt, aber wenigstens habe ich die Möhre selber dort hin gehängt. Vielleicht klappt es ja irgendwann auch ganz ohne, dann bin ich nur noch ein Esel.

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