Helden gesucht

Wie steht es bei Euch um die Dinge, die ja auch morgen noch Zeit haben? Um die “das ist schon sinnvoll, vielleicht kümmer ich mich da demnächst auch mal drum”-Sachen?

Ich spreche von einem Organspendeausweis. Ich spreche von einer Typisierung für die deutsche Knochenmarkspenderdatei.

Einen Organspendeausweis trage ich nun schon seit vielen Jahren mit mir herum, vor weniger vielen Jahren ist er im Gesundheitsamt profihaft zusammengeschnibbelt und einlaminiert worden, für die Ewigkeit eben. Diesen Ausweis auszufüllen war mir seit Jugendjahren immer wichtig, getan hatte ich es nie. Irgendwann stand ich mal in einer Apotheke um auf meine Mutter und die Zubereitung ihrer Cremes zu warten, da fiel mir eine Infobroschüre in die Hände. Zuhause kurz studiert, die beiliegenden Klappkarte ausgefüllt, ab ins Portemonnaie damit, glücklich gefühlt.

Ich weiß, an die eigene Sterblichkeit zu denken ist nicht gerade das Schönste, aber es dauert echt nicht lange, und danach kann man das Ding hinterm Personalausweis verstecken und muss sich nicht mehr damit beschäftigen. Fast noch wichtiger ist aber, im Fall der Fälle müssen sich die Angehörigen auch nicht mehr um das Thema kümmern. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es mir geht, wenn ich 10 Minuten nachdem mir vom klinischen Tod eines nahestehenden Menschen berichtet wurde, entscheiden soll, was mit seinem Körper geschehen soll. Diese Frage habe ich dem armen Tropf, der von meinem Ableben unterrichtet wird, schon mal abgenommen.

Die Typisierung für die deutsche Knochenmarkspenderdatei ist nicht ganz so prominent in den Gedanken der meisten Leute verankert. Hier lässt sich aber eventuell helfen und Leben retten, ganz ohne das eigene zu opfern. Wenn jemand eine Knochenmarkspende benötigt, dann kann das nicht von irgendjemandem kommen, es muss genetisch so gut zum eigenen Körper passen, dass eigentlich nur die eigene Blutsverwandtschaft in Betracht kommt. Manchmal reicht aber auch die nicht, oder es sind nicht mehr genug auffindbar, dann begibt man sich auf die Suche nach der einen Nadel im Heuhaufen. Nach dem einen genetischen Zwilling, der durch mehr Zufälle als logisch erklärbar doch gerade passt. Nur dumm, wenn gerade dieser Mensch ohne Eintrag im Register ist.

Nach einer Typisierung für die Datei ist es sehr sehr sehr wahrscheinlich, dass nie mehr jemand auf einen zu kommt, dass der eigene genetische Zwilling sein Leben fröhlich und unbeschwert lebt und nie etwas von seinem möglichen Lebensretter erfahren muss, aber der eine unwahrscheinliche Fall, dass man doch einem Leben unter die Arme greifen KANN (niemand wird zu irgendetwas gezwungen, auch nach der abgeschlossenen Registrierung nicht), ist die paar Minuten Arbeit wert.

Für mich ist an dieser Stelle nun erst einmal Schluss. Eine Patientenverfügung wird von mir geschrieben, wenn ich auch jemanden habe, dem ich sie aufdrücken kann, spätestens also irgendwann nach einer Hochzeit. Selbst dann ist das eigentlich auch wieder ein kurzes Unterfangen. Für alle Eventualitäten kann man sich eh nicht wappnen, also wird ein grober Leitfaden aufgeschrieben was ich möchte und was nicht, und der Rest muss eh zwangsweise den Angehörigen aufgehalst werden. Wie beim Organspendeausweis sollten die Vertrauten einfach nicht alleine gelassen werden. Mit Geburt des ersten Kindes steht dann ein Testament an. Die Verteilung meiner (umfangreichen) Comicsammlung dürfte dabei (allen außer mir) relativ egal sein, aber zu wem soll das Kind und was bekommt derjenige neben der Wickelkommode noch von mir.

Jetzt bin ich gespannt, was habt Ihr schon für eine Zukunft ohne Euch geregelt? Noch nicht viel? Solange Ihr dies noch lesen könnt, ist es nicht zu spät. Es werden Helden gesucht, auch wenn man vielleicht nicht in die Zeitung kommt, man kann Leben verändern.

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