Living Things – Linkin Park

Ich mag es nicht Musikempfehlungen nach einer eigentlich zu kurzen Reinhörzeit abgeben zu müssen, aber diesmal möchte ich dies mit aller gebotenen Vorsicht tun. Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe einen Tag früher als alle anderen eine CD hören zu dürfen, dann soll auch was bei rausspringen. Heute also erscheint Living Things offiziell, das bislang fünfte Linkin Park Studioalbum.

Ich möchte nicht auf die bisherige Bandgeschichte eingehen. Sagen wir einfach, nicht alle Fans der ersten Stunde sind mit den letzten beiden Alben zufrieden. Gerade das letzte, A thousend Suns, wurde eher kontrovers aufgenommen. Für mich ist es eine fantastisches Werk. Ich musste mich etliche Monate reinhören, aber mittlerweile ist es eine klare 10/10. Dementsprechend vorsichtig sollte ich nun sein, denn Monate Zeit hatte ich noch nicht mit Living Things.

Zuerst einmal beginnt das Album wie es sich wohl die alte Fanriege gewünscht hat. Rockig. Nicht ganz so deftig wie zu Hybrid Theory Tagen, aber schon ganz ordentlich. Und dann, ja dann wird es immer elektronischer. Den Musikstil möchte ich mal vorsichtig mit Industrial beschreiben. Phoenix und Brad treten zurück, Joe Hahn kommt in den Vordergrund. Wer dachte die erste Auskopplung, Burn it down, hätte schon recht zahlreiche elektronische Akzente, der wird sich später im Album wundern. In einem Song wird es für mich sogar schwierig eine Melodie, abseits von Mikes rapping sogar einen Takt zu finden.

Wieder einmal ist das Album also anders als alles zuvor, jedoch nicht mehr so radikal wie zuletzt. Etliche klassische LP Elemente sind wieder zu finden: Die kurze Gesamtspieldauer von 37 Minuten und der vorletzte Track ist wieder instrumental. Scherz bei Seite, es sind viele klassische Elemente wieder vorhanden, jedoch durchweg neu gemixt. Grob die Hälfte der Tracks sind rockige Linkin Park Songs, die die Handschrift der Band klar erkennen lassen und nicht mehr unbedingt so radiokompatibel sind wie die letzten Auskopplungen ihrer CDs.

Mir fällt eine endgültige Beurteilung des Albums noch sehr schwer, seit dem dritten durchhören macht es Spaß und der Fuß wippt rhythmisch mit, ab und an reißt sich auch mal eine Faust in die Luft. Obwohl die Band wieder anders klingt als zuvor könnten diesmal mehr alte Fans zufrieden sein. Kaufen oder nicht? Wer die Reise der Band bisher durchgehend mochte, der wird auch hier zufrieden sein. Ohne Zweifel, einfach kaufen. Wer seinen Geschmack nach Meteora nicht mehr getroffen sah, der könnte jetzt wieder glücklich werden, muss jedoch unbedingt reinhören.

Alles wird ersteindrücklich

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Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.

Da bloggen ja auch immer so ein wenig Selbsttherapie ist, muss ich mir gerade etwas Frust von der Seele schreiben.

Microsoft hatte ne tolle Woche. Sie scheinen mit Windows 8 wieder cool zu werden. Im Tablet und Convertible Segment war das ja auch keine so große Frage. Mit den beiden Surface Tablets haben sie am Montag sogar richtig nette Geräte aus Eigenherstellung präsentiert. Die Mindestpreise von 600$ für das RT Tablet und 800$ für das Ivy-Bridge Tablet sind auch gar nicht so aus der Luft gegriffen. Schöne Geräte aus interessanten Materialien (Magnesium für’s Gehäuse) und ein paar netten Details (Tastatur in der Schutzklappe, “Standfuß” an der Rückseite für den beidhändigen Onanierer) mit einem relativ realistischen Preis und einer guten Software, auch wenn Windows RT laut aktueller c’t wohl noch nicht ganz so rund laufen soll.

Nun war gestern das Windows Phone Summit. Von langer Hand angekündigt war wohl jedem klar, was kommen wird: Die Ankündigung von Windows Phone 8. Ja, so war das dann auch, und das System ist gut geworden. Die wohl wichtigste Änderung: Es basiert nun auf dem NT Kernel von Windows 8. Man könnte somit gut von einer kompletten Neuentwicklung des Smartphone Betriebssystems sprechen. Und da beginnen die Probleme.

Bei diesem Neustart scheint man sich einen Dreck um die Bestandskunden zu kümmern. Wiedermal. Microsoft hat mit dem Sprung von Windows Mobile 6.5 auf Windows Phone 7, bei dem es keine Updates von Geräten wie dem HD2 (was technisch durchaus möglich war, wie die XDA Developers bewiesen) gab, viele Kunden vergrault. Windows Mobile 6 hatte zum Schluss trotz all seiner zahlreichen Schwächen einen erheblich größeren Marktanteil als es WP7 heute hat. Die Kunden mussten sowieso einen Hard- und Softwarewechsel machen, warum dann nicht auch zur Konkurrenz? Und genau diesen Fehler macht Microsoft exakt zwei Jahre später wieder.

Ich halte Windows Phone 7 immer noch für ein gutes System. Ich nutze es sehr gerne und mein Lumia 800 ist wohl das angenehmste Smartphone, das ich je hatte. Es wird auch noch mindestens ein Update der 7er Schiene geben, das einige der oberflächlichen Neuerungen von Windows Phone 8 mitbringt. Den neuen Startscreen zum Beispiel. Allein die Präsentation dieses Zugeständnisses lässt aber nicht unbedingt Gutes für weitere Features hoffen. Doppelt ärgerlich, da das WP7 Flaggschiff Lumia 900 vor gerade mal einer Woche in Deutschland auf den Markt kam und es seit gestern Abend quasi zum alten Eisen gehört.

Aber worüber ärgere ich mich hier eigentlich? Ich habe ein Betriebssystem, mit dem ich gerne umgehe, mit dem ich zufrieden bin. Ich habe mich bisher über nichts beklagt und bekomme nun sogar noch eine überarbeitete UI, von der ich noch gar nicht wusste, dass ich sie wollte. Zudem brauche ich viele Windows Phone 8 Features ala SD Karten Support (ja, das gibt es jetzt, die Programmierer müssen 24/7 durchgearbeitet haben), Multicore Support, NFC, Business Hub und Skypeintegration nicht. Alles Zeug, was mir bislang nicht fehlt und in den nächsten 2 Jahren wohl auch nicht fehlen wird. Der einzige Punkt, der mich richtig enttäuscht ist die Inkompatibilität der WP8 Apps zu WP7 Geräten.

Die bisher für WP7 programmierten Apps werden auch auf den neuen Geräten laufen, umgekehrt hat man aber keine Chance. Warum sollte dann ein Programmierer seine Zielgruppe beschneiden und nur für WP8 programmieren? Weil es einfacher ist. Microsoft hat viel für Entwickler getan, vor allem können die aber den größten Teil ihres Codes einfach von einer Windows 8/RT App zu einer Windows Phone 8 App mitnehmen. Warum sollte dann für WP7 nochmal komplett neu programmiert  werden? Genau, es gibt keinen vernünftigen Grund.

Microsoft hat  zu Beginn seiner WP7 Zeit über Google hergezogen, dass die die Fragmentierung in der Androidwelt nicht verhindern würden. Nun machen sie es nicht besser, eher sogar schlimmer, durch die ganz klare technische Trennung in zwei unterschiedliche Bereiche. Ich begrüße den Schritt weg vom uralten Windows CE Kern hin zum aktuellen und ausgereiften Windows NT Kernel, das Zurücklassen der bisherigen Kunden ist aber eine furchtbare Entscheidung. Apple gab seinem Iphone 4 auch keine Siri, und das Ipad 1 bekommt kein IOS6, aber sie haben nicht dafür gesorgt, dass die alten Geräte austrocknen wie ein Gamecube im Dezember 2006.

Also, zweimal habe ich mir kurz vor einem radikalen Systemwechsel ein Smartphone mit Windows gekauft, zweimal bekam ich nach wenigen Monaten von Microsoft die Nachricht, ‘danke für Dein Geld, wir brauchen Dich nicht mehr’. Mein Verständnis ist mittlerweile relativ begrenzt. In der Googlewelt sieht es zwar nicht so viel besser aus, aber die haben damit auch keine Werbung gemacht. Ich sage nicht “nie”, aber im Moment sehe ich mich in naher Zukunft nicht mit einem WP8 Gerät rumrennen, in dem Segment hat Microsoft sehr viel Vertrauensvorschuss wieder rein zu holen. Zum Glück geht es letztlich nur um ein dämliches und unwichtiges Handy.

Alles wird wütender

Lizenzgedöhns

“Habt Ihr Euch mal Gedanken über Lizenzrecht gemacht?” ist auch so eine Frage, die auf der Sexynessskala kurz hinter “Wo bekomme ich jetzt an einem Sonntag innerhalb von 20 Sekunden neues Klopapier her?” rangiert. Im Zuge der Diskussionen über das neue Leistungsschutzrecht habe ich mich aber gefragt, ob ich als Texteschaffender (wenn auch im kleinsten wohl möglichen Rahmen) mir nicht auch mal Gedanken über die Lizenz machen sollte, mit der hier die Texte veröffentlicht werden.

Die meisten Blogger haben mittlerweile, und aus gutem Grunde, eine Impressumsseite; aber eine Lizenz-Seite? In den meisten Fällen heißt es wohl “Lass die Leute doch mit meinem Geschreibsel machen, was sie wollen, sollte einer so doof sein überhaupt etwas zu wollen”, und da Lizenzen ja grundsätzlich nur Rechte einschränken wird einfach nix gemacht. Aber Lizenzen können nicht nur einschränken, sondern auch erlauben. Zudem geben sie auch allen Beteiligten Sicherheit, um nicht hinterher das böse Erwachen zu haben.

Ich finde, sollte das Thema irgendwann einmal für mich wirklich interessant werden, dann ist es vermutlich wieder zu spät, um sich darum zu kümmern. Deshalb verkünde ich heute: Eine gesonderte Seite mache ich noch fertig, aber ab sofort stehen alle bisher von mir verfassten und hier veröffentlichten Texte bis zum eindeutigen Widerruf auf der gesonderten Lizenzseite unter der WTFPL Version 2.

Alles wird lizensiert.

Und nun zur Werbung: Opera 12

Der Browserkrieg tobt immer noch, und Googles Einstieg vor einigen Jahren hat ordentlich frischen Wind reingebracht. Chrome überholt mit seinem Marktanteil alle alteingesessenen, Microsoft schafft es nicht seinen Abwärtstrend zu stoppen und Mozilla scheint alles daran zu setzen seine persönliche Note zu verlieren.

Nun gehört es zu den Grundproblemen eines Krieges, dass man irgendwann Partei ergreifen muss. Das perfekte Produkt gibt es eh nicht, und so wird die Wahl von persönlichen Vorlieben und ganz subjektiven Geschmäckern bestimmt. Hier nun mein Bekenntnis zu meinem Favoriten: Opera

Unter der Überschrift Instant Makeover veröffentlichte die norwegische Browserschmiede Opera gerade Version 12 ihres gleichnamigen Webbrowsers. Auch wenn sich der Überblick über die Neuigkeiten von Opera 12 nicht wirklich spektakulär ließt, so hat sich doch am look and feel einiges getan. Schneller, flüssiger, runder, schicker ist er geworden, bessere Unterstützung von HTML5, CSS3 und Do-Not-Track hat es gegeben, eine nette Themes Auswahl gibt es nun als augenscheinlichste Veränderung, und endlich auch eine Hardwarebeschleunigung.

Letztere muss zwar noch nach der Installation manuell aktiviert werden, macht davon abgesehen aber einen guten Eindruck. Die Hardwarebeschleunigung ist auch deswegen ein besonderes Thema, weil Opera der letzte der fünf großen Browserhersteller ist, der diese Funktion in sein Produkt implementierte. Erwähnenswert ist dies, da gerade Opera viele Innovationen, die heute das Surfen komfortabel machen, erfand (5 features Opera Browser did first Artikel bei Slashgeek).

Leider hat Opera trotz aller Bemühungen einen desolaten Marktanteil von knapp über zwei Prozent, was dazu führt, dass etliche große Internetfirmen nicht für Opera optimieren, oder ganz extrem, den Browser sogar aktiv behindern, wie es Google vor nicht langer Zeit tat. Die Bemühungen offene Webstandards so gut wie möglich zu unterstützen, gehören für mich aber gewürdigt und gefördert. Die größte Gefahr für dieses Vorhaben stammt aus einem Gerücht: Angeblich soll Facebook an einer Übernahme Operas interessiert sein. Ich hoffe das Beste.

Opera 12–Make it yours

Ich begann meine Browserkarriere mit dem Internet Explorer 3 und zeitweiligen kurzen Tests des Netscape Navigators. Damals war mir relativ egal, was mir da gerade die große weite Welt anzeigte. Dies änderte sich erst, als ich vom Internet Explorer 5 zur Mozilla Suite wechselte. Ein schneller, funktionaler Browser mit einer integrierten Mailanwendung. Bei der Mozilla Suite blieb ich bis ich zum Firebird wechselte, der meine damalige “ein Problem, ein Programm” Philosophie besser unterstützte. Mit kurzen Tests des Mozilla Nachfolgers Seamonkey blieb ich dem mittlerweile in Firefox umbenannten Browser bis zu seiner Version 3.x treu, als er mir zu ungelenk und langsam wurde. Opera wurde daraufhin getestet und für gut befunden. Heute habe ich Opera 12 als Standardbrowser, den Internet Explorer 9 als Zweitbrowser und Firefox 13 als nette Erinnerung auf der Festplatte. Dazu kommt noch eine portable Version von Googles Chrome auf dem USB Stick, was auch immer das mittlerweile für eine Version ist. Ich tippe mal auf 19.

Edit: In der ersten Version dieses Artikels hatte ich die Firma Opera Software versehentlich nach Finnland verortet, obwohl sie Mitte der 90er Jahre in Norwegen gegründet wurde und bis heute den Firmensitz in Oslo hat. Entschuldigung, wurde geändert.

Windows 8 Release Preview

Seit etwas über einer Woche ist nun die letzte Vorabversion von Microsofts kommenden Betriebssystem Windows 8 verfügbar. Die sogenannte Release Preview hat nun einen fast fertigen Stand, steht kostenlos auf Microsofts Servern zur Verfügung, kann von jedem heruntergeladen und ausprobiert werden, ist aber immer noch nicht fertig und kann auch schwerwiegende Fehler enthalten. Soviel zu den langweiligen Dingen, die gesagt werden mussten.

Nun zu den erstaunlichen Dingen: Microsoft traut sich was. Während die alten Rebellen von Apple seit einiger Zeit nur noch Updates zur Pflege des Systems herausbringen und die Änderung der Standardscrollrichtung des Mausrades das (an der Anzahl der Userkommentare gemessene) größte Feature in vielen Jahren war, traut sich Microsoft Dinge über den Haufen zu werfen, die man über mittlerweile 17 Jahre eingeimpft bekam.

Start

Das Startmenü, dass sich seit Windows 95 unten links hinter einem Startknopf, einem Ball oder sonst was mit einem Windowslogo verbarg ist nun weg. Neu ist dafür der oben zu sehende Startbildschirm mit den von Windows Phone 7 bekannten Livetiles. Hinter jeder dieser Kacheln befindet sich ein Programm, das durch anklicken gestartet wird. Der Vorteil gegenüber einem simplen Desktopicon liegt darin, dass die Programme Infos direkt auf der Kachel darstellen können. Da zeigt die Mail Kachel schon den Absender und den Betreff der zuletzt empfangenen eMail, der Kalender zeigt den nächsten Termin, die Nachrichtenkachel präsentiert die neueste Headline und und und. Dafür müssen die Kacheln aber leider eine gewisse Mindestgröße aufweisen, und die führt uns zum Nachteil dieser (Metro getauften) Oberfläche: Sie nimmt Platz weg. Mit einer Maus lässt sich ein nur wenige Pixel großer Bereich schnell und zuverlässig treffen, das hier grenzt an den berühmten Schuss auf’s offene Scheunentor. Wenn die Anzahl der Kacheln zu groß für einen Bildschirm wird geht es nicht wie gewohnt unten weiter, sondern rechts. Horizontales scrollen ist generell unbeliebt, um an die gewünschten Programme zu kommen erst recht.

Zudem bekommt nicht jedes Programm die Möglichkeit die Vorteile zu nutzen. Nur die neu programmierten Metroapps bekommen Zugang zu den erweiterten Möglichkeiten. Ja, genau, Apps. Stilecht mit eigenem von Microsoft geführten Store, ganz nach Appstore Vorbild von Apple.

Store

Bislang sind alle Apps in diesem Store kostenlos, ein Umstand, der sich mit Launch des finalen Systems ändern wird. Natürlich laufen auf Windows 8 nicht nur die neuen Apps, sondern auch nahezu alle anderen, mit Windows 7 kompatiblen Programme. Diese landen zwar auch mit einer Kachel auf dem Startbildschirm, mehr als ihr Icon und ihren Namen dürfen sie dort jedoch nicht anzeigen. Da sich Programme auf dem Startbildschirm beliebig bewegen und sogar entfernen lassen gibt es auch noch eine Appübersicht, die die Menüstruktur des alten Startmenüs zumindest wieder erahnen lässt.

Apps

Sobald ein normales Windowsprogramm gestartet wird, verschwindet der Startbildschirm und es erscheint der altbekannte Desktop, dessen Design jedoch noch nicht final ist. Leichte Anpassungen werden da noch folgen (wie zum Beispiel der Verzicht auf die Transparenzeffekte).

Desktop

Irgendwie ist also doch alles da, was man kannte, aber doch wieder ganz anders. Es wird viel Einarbeitung in Windows 8 erforderlich sein, vor allem da ich noch lange nicht auf alle Änderungen an der Oberfläche eingegangen bin. Wofür das Ganze? Riesige Klickbereiche und bildschirmfüllende Ansichten wann immer möglich, die meisten werden es wohl erkannt haben, Microsoft will auf den Markt der Touchdevices. Gerade Tablets sind das Ziel, aber auch Touchscreens an einen normalen PC zu bekommen. Nun sind das aber nicht nur vom Handling, sondern vor allem von der Technik zwei Welten. Die x86 kompatiblen Intel und AMD CPUs auf der einen Seite, und die ARM Plattform auf der anderen. Da die ARM Prozessoren zwar extrem energieeffizient sind, aber dafür bei der Performance nicht gegen die alteingesessene x86 Technik ankommen, musste Microsoft hier doch etwas trennen. Es wird Tablets mit Intel und AMD Prozessoren geben, auf denen Windows 8 läuft, auf der bisher bekannten Tablettechnik wird hingegen nur eine eingeschränkte Fassung namens Windows RT laufen. Windows RT bringt keinen Desktop mit und wird einzig und alleine Metroapps unterstützen. Wie die potentielle Käuferschaft auf die Fragmentierung des Windowstabletmarktes reagieren wird ist schwer zu sagen, aber der ein oder andere wird sich wohl wundern, dass auf seinem Schnäppchen leider nicht das gewünschte Steuersparprogramm ausgeführt werden kann, sondern er alles neu kaufen soll.

Damit wären wir bei den Änderungen unter der Oberfläche. Während bei Windows RT vieles neu ist, wird Windows 8 auf den bewährten NT Kernel zurückgreifen, natürlich eine aktualisierte Version. Windows 8 ist schnell. Auch ohne den Einsatz einer SSD ist der Bootvorgang durch etliche Tricks deutlich beschleunigt worden. Der Wechsel zwischen Desktop und Startbildschirm verläuft sehr schnell und absolut flüssig. Der Kopiervorgang von Dateien hat nun neue Anzeigen bekommen und vor allem lange erwartete Pausebuttons zum Unterbrechen von Dateioperationen. Der neue Taskmanager zeigt sinnvoll weitere Informationen zu den laufenden Programmen und generellen Systemwerten an.

Taskmanager

Verschiedene Benchmarks lassen auch schon vermuten, dass Windows 8 mit finalen Treibern ein gutes System für Spiele bildet. Das liegt sicher nicht am mitgelieferten Direct X 11.1, da die Release Preview noch mit Direct X 11 arbeitet. Der überarbeitete Scheduler soll noch besser mit vielen Kernen zurecht kommen, wovon vor allem die neuesten AMD Prozessoren profitieren sollten. Unterm Strich hat sich am Unterbau nichts gigantisches getan, aber viele kleine positive Änderungen haben Einzug gehalten.

Ich werde recht bald nach dem Erscheinen auf Windows 8 umsteigen. Mein aktuelles Windows 7 wird dann auf einen zweiten PC oder in eine VM ausgelagert, wo es dann mein altes Windows Vista ersetzen wird. Dabei ist diese Anschaffungsabsicht gar nicht wertend zu verstehen. Ich kaufe das System nicht, weil ich es so unsagbar genial finde, sondern einfach, weil ich zuhause an meinem PC gerne herumspiele und auch gerne neue Konzepte austeste. Die Vorversionen haben mir bisher nur zu verstehen gegeben, dass das System kein Totalausfall ist. Ich glaube, dass sich mit Windows 8 genauso schnell arbeiten lässt, wie mit dem Vorgänger, ich glaube aber nicht, dass ein Umstieg wirklich von Nöten sein wird, dafür ich Windows 7 zu ausgereift und zu stabil. Für mich als Bastler aber nach zwei Jahren im Einsatz auch zu langweilig.

tl;dr

Es gibt sehr viel Neues im Bedienkonzept von Windows 8, so neu, dass es viele Menschen zuerst einmal abschrecken wird. Unter der Haube hat sich nicht so viel getan, die Änderungen, die eingeflossen sind machen die Arbeit mit dem System jedoch angenehmer. Letztlich ist der Erfolg aber mindestens so fraglich, wie beim ungerechtfertigt verschrienen Windows Vista.

Alles wird tl;dr

E³ 2012 Nintendo PK

Schwarz oder weiß?

Ich dachte das wäre für mich die interessante Frage nach dieser PK. Will ich die Konsole in schwarz oder in weiß unter meinen immer noch zu erstehenden Flachbildschirm packen? Tja, und nun? Mein ganzer Eindruck der WiiU ist irgendwie grau.

Die Konsole als solche sah man auch heute wieder nicht. aber gut, es sollte ja um die Spiele gehen. Etwas über 20 Stück haben sie vorgestellt. Manche mit kurzen Videoschnipseln, manche auf der Bühne. Darunter die üblichen Verdächtigen: New Super Mario Bros. U, WiiFitU, Assassin’s Creed 3, Darksiders 2, Alien Colonial Marines. Alles keine großen Überraschungen. Überraschend war vor allem die Portierungsdichte. Trine 2 und Mass Effect 3 waren für mich dabei die größeren Überraschungen.

Batman Arkham City ist auch so ein Titel, der schon lange für alle anderen Systeme erschienen ist. Da wurde aber wenigstens gezeigt, was man mit dem WiiU GamePad anstellen kann. Außer Menüaufgaben (Waffenwechsel etc.) und ein paar Minispielen zum Schlösser knacken waren da noch die üblichen Scanvorgänge, bei denen der Touchscreen quasi als zweiter Layer über dem Fernseher dient. Alles nichts weltbewegendes, aber in Kombination sah es überraschend nett aus.

Ähnlich ZombiU von Ubisoft. Wie es der Name vermuten lässt, Zombieapokalypse und man ist mal wieder einer der wenigen überlebenden Menschen. Was für ein Glück, so kann man sich durch dunkle Korridore schleichen und Zombies meucheln. Das Gamepad als Tastenfeld um Türcodes einzugeben, das Pad als Zoom für das Schafschützengewehr, das Pad als Scanner. Nette Sachen, könnte was werden.

Seltsamerweise war das interessanteste Spiel für mich Lego City Undercover. Ein Lego Spiel ohne Filmlizenz in einer Lego Welt. Es wirkte als hätte man das Gangstersetting eines GTA mit dem üblichen Legohumor gekreuzt und Teile der Bewegungselemente von Assassin’s Creed hineingestreut. Sehr absurd und vermutlich genau deshalb interessant.

Zu guter Letzt noch zwei Dinge: Pikmin 3 war zu sehen. Es gibt also ein Lebenszeichen. Gerade in diesem Titel, der sich seit vielen Jahren in Entwicklung befindet, halte ich die GamePad Einbindung für sehr dürftig. Gesteuert wird mit WiiMote und Nunchuck, auf dem GamePad ist nur eine Übersichtskarte des Levels zu sehen. Wenn gewünscht kann man auch mit dem GamePad auf einzelne Pikmin ranzoomen. Mal sehen ob das einen spielerischen Wert bekommt, kann mir aber kaum vorstellen, dass man wirklich zwischen den Controllern wechseln soll.

Zweitens: Nintendoland. Eine Minispielsammlung bestehend aus 12 Spielen, die hoffentlich nicht mehr als das WiiPlay der neuen Konsole ist. Eine Techdemo, die zeigt was möglich ist und wie sich Nintendo grob das Konzept der Konsole vorstellt. Auf die gezeigten Minispiele möchte ich gar nicht eingehen, nur soviel, asymmetrisches Gameplay (einer mit dem GamePad gegen alle anderen mit WiiMotes) steht ganz weit vorne. Und damit endete die PK. Ja, mit einer Minispielsammlung. Kein “und eine Kleinigkeit hätte ich da noch: Zelda!” oder “und eine Kleinigkeit hätte ich da noch: Metroid!” oder “und eine Kleinigkeit hätte ich da noch: F-Zero!”. Einfach Ende. Der Applaus war nicht umsonst eher verhalten.

Ne Leute, auch diese PK war nichts. Ziemlich dürftige Präsentation auf der Bühne (Telepromtermadness) und eine wenig überraschende Spieleauswahl. So wird das nichts mit dem Hype. Dabei hätte es durchaus noch was gegeben. Platinum Games (die Bayonetta Macher) arbeiten im Moment an einem WiiU Launch Titel. Hat man nicht ein Bild gesehen. Dazu kommt kein Releasedatum, kein Preis, keine Techspecs. Nur wegen Reggies angenehm sülziger Stimme und Yves Guillemonts abgelesenen Lobpreisungen kauf ich mir das Gerät nicht. Nintendo muss Hausaufgaben machen, und dass sie nicht auf der Gamescom sind macht es nicht leichter.

PS: Zum 3DS wurde gesagt, dass sie heute nichts zum 3DS sagen. Der kommt morgen dran, an weniger prominenter Stelle. Schade eigentlich, hätte was retten können.

E³ 2012 Microsoft PK

@diePixelmacher: Sagt diese PK mehr über den Zustand des Mediums aus, die Zielgruppe oder Microsoft? Fragen über Fragen. #E3

Ich finde diesen Tweet der Pixelmacher für unangenehm passend. Es gibt ja so einen wunderbaren Leitsatz, wenn man nichts gutes sagen kann, soll man einfach gar nichts sagen. OK…Halo 4 hatte endlich mal eine zeitgemäße Optik, sehr nett. Das neue South Park Spiel könnte was werden, Potential ist da, leider wurde recht wenig Material gezeigt. So, das war es. Alles positive aus 90 Minuten sind gesagt. Etwas wenig, oder?

Auf der Spieleseite ist bedrückend, dass die Amerikaner immer noch auf der Schiene “erwachsene Unterhaltung ist blutige Unterhaltung” laufen. Ja, ab und an kann so ein Blutfest ja mal ganz lustig sein, vor allem wenn es ins lächerliche Überzogen ist, aber muss man es so übertreiben. Das ehemalige Horrorflakschiff Resident Evil hatte bei der Präsentation von Teil 6 noch den geringsten Blut pro Spielminute Wert der ganzen PK (ok, mal von Madden und Forza abgesehen). Apropos, es kommt ein neues Forza. Der Trailer ließ den Verdacht aufkommen es ginge um ein Need for Forza. Sonst alles beim alten. Sam Fisher tötet möglichst effizient das, was sich der Durchschnittsamerikaner unter einem bösen Terroristen vorstellt. Im nächsten Call of Duty tötet man möglichst actionlastig das, was sich der Durchschnittsamerikaner unter einem bösen Terroristen vorstellt. Ach, lassen wir das.

Das Tomb Raider Reboot wäre noch ein schönes Thema. Gute Grafik und nettes Setting. Leider aber auch etwas, was man am besten mit dem Wort „Gewaltporno“ beschreibt. Die lassen die junge Lara Croft durch dermaßen viele schmerzvolle Strapazen gehen, dass der  Guardian schrieb: „If watching girls heaving for breath while having their bones broken is your thing then this is the game for you“.

Nett war, dass endlich mal wieder neue IPs vorgestellt wurden. Es landet trotzdem auf der negativen Seite, weil jede IP gefühlte 10 Sekunden bekam um sich vorzustellen. In der Zeit blieb noch nicht einmal der Name hängen (und der war die teilweise die einzige Information, die vorkam).

Wichtig für Microsoft scheint nun endlich ihr Ökosystem zu werden. Smartphone, Tablet, Xbox, PC, alles wollen sie nun vernetzen und ein “flüssiges Erlebnis” schaffen. Da Windows 8 in Microsofts Vorstellung einen zentralen Platz einnimmt, hängt wohl alles davon ab wie schnell sich das Betriebssystem verbreitet (Werbung in eigener Sache: Diese Woche gibt es noch ein paar Zeilen von mir über Windows 8). Ohne auf Details eingehen zu wollen, die Fragen die sich mir stellen sind “Warum erst jetzt?” und “Was bringt es mir?”. Super, ich kann einen Film über die Xbox schauen, müde werden und ihn dann auf dem Tablet im Bett beenden. Ich kann mir einen Film ansehen, und bekomme auf den Handy angezeigt, wer in dem Film mitspielt. Ja und? Ich will beim Film gucken auf den Fernseher glotzen, nicht auf’s Handy. Außerdem befürchte ich, dass das eh nur mit geliehenen und gekauften Filmen aus deren Marktplatz funktioniert. Danke nein.

Dazu kam dann das ganze Zeug , dass außerhalb Amerikas niemanden interessiert, weil es dort niemand nutzen kann/darf. Netflix, Hulu, die verschiedenen Sportligen. Skippen wir das.

Eine letzte Nachricht dürfen wir aber noch aus der PK ziehen. Die Entwickler haben endlich herausgefunden wofür Kinect verwendbar ist. Als 150€ teures Mikrofon. Kaum ein Blockbuster ohne „Voice Command“. Bei Mass Effect 3 wurde es belächelt, nun kommt es auf breiter Front. Naja, wer sonst nichts und niemanden zum anschreien hat…

Ich bin gespannt auf die morgige Nintendo PK. Nintendo hat schon häufiger gute E³ Shows geliefert. Morgen müssen sie. Ich will endlich wissen, was sie sich für die WiiU vorgestellt haben, und außer mir warten darauf auch ein Sack voll nervöser Aktionäre. Die heutige Vorlage von Microsoft hätte schwächer kaum sein können. Bitte Reggie, ihre Bühne.