Gesprächskultur

Das Internet ist toll.

Und wenn ich einen Beitrag so beginne, dann kann das „aber“ nicht weit sein. Ich bin vor ca. 13 Jahren auf das Internet als Medium gestoßen. Auf einmal hieß es nach den Nachrichten immer, dass man weitere Infos im Internet unter folgender Adresse bekommt. Schön vorgelesen mit hatetepe Doppelpunkt Doppelslash. Und dann war ich auch drin. Eigentlich nicht nur drin, sondern vor allem dabei. Ich konnte meine Meinung in die Welt hinaustragen, ohne mich dafür irgendwo bewerben zu müssen, oder dass jemand meinen Leserbrief überprüfen und bearbeiten muss/kann. Super Sache, eigentlich. Dummerweise überforderte mich die damit verknüpfte Verantwortung auch. Mir war es nicht bewusst, aber ich wurde ein Troll.

Außer mir hatte keiner eine Ahnung, und sowieso war jeder blöd. In dem noch jungen Medium war das egal, jeder war auf dem gleichen Stand und wir lernten zusammen. Heute jedoch kommen abertausende Jugendliche in die gleiche Situation. Und ich befürchte, dass sie kaum noch die Chance haben zu lernen.

Unerfahren in einem neuen Feld zu sein ist nicht leicht. Selbst mit besten Absichten trifft man so einige Fettnäpfchen. Ein freundliches Umfeld und eine gewisse eigene Souveränität können viel entschärfen, im Netz mangelt es aber häufig an beidem. Die allein schriftliche Kommunikation frisst zudem einiges an Nebeninformation. Im direkten Gespräch lässt sich an einer unklaren Stelle sofort nachhaken, im schriftlichen Austausch liefere ich sofort meine komplette Sicht der Dinge, ein Missverständnis zu Beginn führt zu Folgefehlern, Frust, Blockade. Von den Informationen der Körpersprache will ich gar nicht erst anfangen.

SuddenGrey ist Piratin in NRW. Ich bin kein Pirat, ich kenne mich bei ihnen auch nur rudimentär aus. Aber auch ich habe mitbekommen, dass die Gesprächskultur dort nicht immer perfekt ist. Sie hat deshalb diesen Blogbeitrag mit einem Vorschlag zur konstruktiven Kritik verfasst. Ich finde er besitzt eine allgemeine Gültigkeit. Aber das Problem geht meiner Meinung nach noch weiter.

Wenn mich jemand verbal anfährt, dann werde ich automatisch in Verteidigungshaltung gehen und die Ohren/Augen schließen. Das ist nicht nützlich, ist nicht zielbringend, aber eine natürliche Reaktion. Zu dieser Verteidigungshaltung gehört es auch, den Angreifer im eigenen Bild klein zu machen. Er hat keine Ahnung, keine Informationen, ist dumm. Das bringt einen aber auch nicht weiter. Neben der gescheiten Umgangsform ist es auch wichtig das Gegenüber ernst zu nehmen.

Das klingt nach Basics, ist aber erheblich schwieriger als vermutet. Wie oft liest man eine Nachricht aus der Politik und zweifelt an der geistigen Kompetenz der handelnden Personen. Da fängt es aber leider schon an. Es ist extrem selten, dass ein Mensch wirklich unfähig ist seine Aufgabe zu bewältigen (und ja, ich kenne das Peter-Prinzip). Kommt vor, aber nicht oft. Viel wahrscheinlicher ist, dass er a) andere Prioritäten hat, b) über andere Informationen verfügt oder c) seinen Arsch retten/absichern will. Die Punkte a) und b) sind sicher die angenehmeren Gründe, Punkt c) erklärt aber leider viele sonst höchst fragwürdige Entscheidungen. Aber egal aus welchem Grund jemand handelt, wie er es tut, mangelnde Intelligenz und Unfähigkeit sind es selten. Diese „Intelligenzvermutung“ hilft dabei zu einer gescheiten Gesprächs- und auch Streitkultur zu kommen. Darum eine ganz einfache Checkliste wenn man eine unfreundlich formulierte Antwort bekommt:

1. Der Mensch ist nicht dumm.

2. Der Mensch will mir nichts Böses.

3. Der Mensch hat sicher irgendwo Argumente in der Nachricht versteckt.

4. Der Mensch hat eine freundliche und ernsthafte Antwort verdient.

Natürlich muss man dieses Spiel nicht ewig treiben, es gibt wirklich sogenannte Trolle, aber das Trollschild wird zu oft herausgeholt um Diskussionen zu beenden und als Sieger da zu stehen. Leider ein schaler Sieg. Dieses Phänomen gab es zu meiner Sturm und Drang Zeit im Netz nicht, und das half mir. Die „Neuen“ sollten auch diese Chance bekommen. So schwer es manchmal auch fällt.

Mal ganz was anderes, wann seid Ihr das letzte Mal hinter einem Fahrschulauto hergefahren?

Alles wird freundlicher

Tanke und bis bald

Ich denke, ich muss mal über einen Bereich meines Lebens sprechen, der den meisten Menschen nicht in voller Tiefe geläufig ist. Viele werden es wissen, ich arbeite nebenher als Verkäufer an einer Tankstelle. Nicht mehr sehr oft, statistisch gesehen wohl grob einmal in der Woche, zumeist ungleichmäßig verteilt.

Und gleich vorweg, nein, mit den Preisen haben wir nichts am Hut, die kommen per Datenleitung direkt aus der Zentrale. Und wir haben auch kein gesteigertes Interesse an hohen Benzinpreisen, denn wir verdienen pro Liter eh so wenig, dass uns als einzelne Tankstelle Preisschwankungen kaum betreffen.

Nun bin ich als Abend- und Wochenendaushilfe wohl wirklich das kleinste Rädchen in der Energieversorgungsbranche. Ich habe das Glück einen Chef zu haben, der mich dies nicht spüren lässt, ihm sind alle Angestellten wichtig, egal wie viele Stunden sie “ableisten”. Leider nicht selbstverständlich. Auch die Gesellschaft ist noch nicht so weit die Verkäufer derart zu degradieren, dass sie, wie bei mancher Konkurrenz, nur noch Geldscheine in eine Maschine schieben dürfen und die aktuellen Angebote an den Mann bringen müssen.

Obwohl wir sie sicher nicht gerne Besuchen, so sind wir doch früher oder später alle mal an einer Tankstelle und kaufen ein. Sei es nun das Sixpack als Biernachschub für den Filmabend oder die Tankfüllung für das Kraftgefährt. In der Grundausbildung der Bundeswehr sagte man mir, durch die Wehrpflicht wäre die Bundeswehr ein Querschnitt durch die gesamte Bevölkerung. Auf die Kunden einer Tankstelle mag dies fast noch mehr zutreffen. Und die zahlenmäßige Zunahme der sozialen Extreme, salopp gesagt “Flaschensammler und Porschefahrer”, ist gerade vor diesem Hintergrund bedenklich.

Ich möchte den Job ganz gewiss nicht glorifizieren, sehr viele Schichten sind entweder einfach nur stressig oder sterbenslangweilig. Die meisten Kunden wollen auch nur so schnell wie möglich wieder raus. Manche wollen sich endlich einmal unterhalten, weil sie sonst niemanden dazu haben. So erfährt man von verstorbenen Katzen, nach Übersee verzogenen Kindern und leidenschaftlichen Hobby-Autorestaurateuren. Nicht immer kommen solche Unterhaltungen zur rechten Zeit, manchmal behindern sie den Arbeitsablauf abseits der Kasse, aber auch mit falschem Timing geben sie intime Einblicke in das Leben von Mitmenschen, die ich sonst vermutlich nie getroffen hätte.

Dazu kommen Augenblicke, die nie positiv sind, und deren Nichterleben ich nicht bedauert hätte. Zum Beispiel eine gebrochenen Nase, weil es eine Dame eiliger hatte als unsere automatische Schiebetüre am Eingang. Die Diagnose folgte übrigens erst nach drei Wochen, da man ja gerade auf dem Weg in den Urlaub war. Zum Richten des Riechorgans musste eben jenes dann vom Arzt natürlich erneut gebrochen werden. Oder ein gerade volljähriger Mann, für den die vielbefahrende, kerzengerade Straße vor der Tankstelle (50 ist da mehr so eine freundliche Geschwindigkeitsempfehlung) als Bettersatz gerade gut genug war. Danke an dieser Stelle an die Bundeswehr, die mir beibrachte, wie man leblose Menschen richtig transportiert. Oder die Schlägerei knapp außerhalb des Tankstellengeländes, bei der sich (wie so oft) um ein Mädchen gestritten wurde, dass nur schreiend daneben stand als das erste Messer gezückt wurde. Und nein, es ist nichts passiert. Vielleicht setzte doch noch so etwas wie Vernunft ein, vielleicht war das Geschrei aber auch nur zu ohrenbetäubend, jedenfalls reichte die Drohgebärde um die Männer getrennte Wege gehen zu lassen. Oder sicher der tragischste Fall, eine junge Frau, kaum 20 Jahre alt, bleich, stammelt sichtlich angestrengt Worte vor sich hin, versucht sich eine Strähne zur Seite zu streichen, verschmiert damit aber nur das tropfende Blut, das sich den Weg von ihren getränkten Ärmeln zum Boden suchte, in ihrem Gesicht. Nach einer ewigen Schrecksekunde, die kein noch so blutrünstiges Computerspiel/Actionfilmchen/Comic weg zu trainieren vermag, ist wohl der letzte Gedanke, dass man nun den verdammten Fußboden ein weiteres Mal wischen darf.

Ich weiß selber wie schwierig es manchmal ist, nach einem anstrengenden Arbeitstag den/die KassiererIn im Supermarkt oder eben an der Tankstelle noch mit einem Lächeln zu begrüßen, aber wer weiß, vielleicht war sein/ihr Tag heute auch nicht ganz normal.

Alles wird getankt

Bist Du sauer auf mich?

“Äh… also… bist Du sauer auf mich? So… richtig sauer, meine ich?”

“Hmmmphh… weiß nich’. Bin müde.”

“Ich bin mir sicher, dass ich Dich morgen früh wieder mag.”

(aus Scott Pilgrim – Drama ohne Ende)

Merkt Euch diesen letzten Satz. Er kann Welten zusammen halten und unnötiges Leid ersparen. Ein wahrlich mächtiger Satz.

Alles wird friedfertiger

I-War

Ich spiele nun schon was länger mit elektronischen Zeitverschwendern. Der Zeitraum lässt sich mittlerweile ganz gut in Jahrzehnten rechnen. Neben vielen Spielen, die „ganz nett“ oder „richtig in Ordnung“ waren, gibt es auch noch drei Typen von Spielen, die eine Sonderstellung in meinem Gedächtnis einnehmen.

1) Spiele, die so begeisternd waren, dass man sie auf einen Thron erhoben hat, den man heute (vielleicht ungerechtfertigt) nur noch aus der Distanz bestaunt.

2) Spiele, die so enttäuschend und schlecht waren, dass man sich bei einem Bier in geneigter Runde über sich selbst lustig macht. Wie konnte man sich da nur rein steigern?

3) Spiele, die so besonders waren, dass man sie entweder nicht verstand, oder zu der Zeit des Erscheinens noch nicht die Fähigkeiten besaß sie angemessen zu spielen.

Die Titel aus Kategorie drei umgibt eine besondere Aura, die höchst subjektiv ist und für sich genommen keine Wertung über die Güte des Spiel zulässt. Ein Beispiel:

I-War

I-War erschien 1997 für den PC. Es handelt sich um eine Weltraumsimulation mit (damals) guter Grafik, guten Soundeffekten, einer bemerkenswerten Story und einer unnachgiebigen Physik Engine. Dieses Spiel wollte eine mögliche Zukunft wirklich simulieren. Jedes Objekt im All hat eine spezifische Trägheit, die Bewegungsabläufe erinnern somit eher an die heutige Schifffahrt als an Star Trek. Der Spieler befehligt ein mittelgroßes Kampfschiff, das einen guten Kompromiss aus Beweglichkeit, Defensiv- und Angriffssystemen mit sich bringt. Und genau diese drei Bereiche funktionieren anders als sonst üblich.

Beweglichkeit

Wenn Ihr in der Realität mit Eurem Auto auf der Landstraße in Richtung X unterwegs seid, und Euch eine Kurve dazu nötigt Euren Kurs auf Richtung Y zu korrigieren, dann tut Ihr das indem Ihr einfach die Nase des Kraftfahrzeugs mittels Lenkrad in die entsprechende Richtung zieht. Die Reibung, und der Schlupf der Reifen auf der Straße sorgen dafür, dass Euer Auto brav folgt. Was passiert, wenn die Anforderung der Kurskorrektur die Fähigkeiten der Reifen übersteigt steht jeden Montag in der jeweiligen Regionalpresse. Im Weltall ist aber nicht viel mit Reibung. Die Nase lässt sich mit kleinstem Energieaufwand zwar drehen, die Flugrichtung beeinflusst das aber nicht merklich. Zu vergleichen mit dem kurzen Augenblick, wenn die Autobahn nur noch ca. 10 Meter lang, dafür aber viele hundert Kilometer breit ist. Meist steht man danach sogar in der überregionalen Presse. Also, was machen wir mit dem Raumschiff im All? Wir brauchen mehr Schubdüsen! Die Designer von I-War haben dem Schiff einen starken Hauptantrieb gegeben, mittelprächtige Düsen auf der Unterseite und relativ schwache Düsen an der Ober-, Vorder-, Backbord- und Steuerbordseite. Möchte man nun also seinen Flug von Richtung X um 90° in Richtung Y korrigieren, dann dreht man die Nase, wartet bis der Hauptantrieb die gewünschte Geschwindigkeit in Richtung Y hinbekommen hat, und wartet noch länger bis die seitlichen Düsen das “Schlittern” in X Richtung beendet haben. Hinzu kommen noch so Spielereien wie empfohlene Geschwindigkeitsbegrenzungen zu ignorieren, oder die Möglichkeit alle(!) Düsen manuell zu steuern. Die akkurate Physik des Titels macht schon einen simplen Übungsflug durch einen Ringparcours zum Abenteuer, nun ist man aber zumeist nicht alleine auf weiter Flur.

Defensivsysteme

Euer Schiff verfügt über 2 Energieschilde zur Abwehr feindlichen Beschusses. Eins für die obere Hälfte der Hülle, eins für die untere. Somit ist es schon einigen anderen Raumschiffen im I-War Universum überlegen, doch trotzdem bieten sie eher geringen Schutz. Die Schilde bilden nicht einfach eine Blase um das Schiff, sie müssen Gegner anvisieren und schützen dann auch nur gegen Beschuss eben dieses Feindes. Somit lassen sich nur die Angriffe von zwei Gegnern abfangen, ein Gegner über Euch, einer unter Euch. Am Heck seid Ihr generell verwundbar, den Hauptantrieb schützt kein Schild. Das sorgt nicht nur dafür, dass Ihr jederzeit sehen solltet, dass Ihr Eure Gegner auf’s Korn nehmen könnt, sondern auch, dass niemand hinter Euch ist. Oder alle über Euch, niemand unter Euch. Oder, oder, oder. In größeren Schlachten artet es in Arbeit aus.

Angriffssysteme

Ihr habt zwei Hauptwaffensysteme: Raketen und Plasmastrahlen. Das Ganze in doppelter Ausführung, einmal nach vorne, einmal nach hinten. Die Waffen sind jedoch nicht mittig angebracht, sondern der vordere Plasmastrahl hängt an der rechten Seite des Schiffes, und er kann (zum Glück) nicht durch Euer Cockpit feuern. Zusätzlich zu der richtigen Positionierung der Schilde sollte nun also der Gegner auch noch auf Eurer rechten Seite fliegen, damit Ihr auch zurückfeuern könnt. Um es nicht zu leicht zu machen, starten Raketen natürlich auf der jeweils anderen Seite.

1997 war ich 14 Jahre alt. Ich war komplett überfordert. Es ist seltsam, dass mir das Spiel nicht in negativer Erinnerung blieb. Aber die Spielmechanik war nicht gemein, sondern realistisch. Ich wusste durchgehend, dass ich zu schlecht bin, nicht das Spiel zu schwer. Dieses Wissen war schmerzhaft (ich hatte zu dem Zeitpunkt schon eine große Menge an Mega Man Spielen erfolgreich beendet, und die schulen schon den Charakter), aber auch motivierend. Heute zeigt ein Spiel gerne über die komplette Spielzeit an, dass man sich an der Kiste, die man soeben passierte, per Knopfdruck hinhocken könnte. Jedes Mal. Jede Kiste. Acht Stunden lang. Damals musste man für solche Geheimnisse noch das Handbuch wälzen. Am liebsten abends vor dem Gang zu Bett. Oder danach im Bett. Oder unter der Bettdecke. Ja, es gehörte Leidenschaft dazu. Aber egal wie ich es anfing, spätestens bei der vierten Mission war Schluss für mich. Zu wenig taktisches Verständnis beim Spieler, soviel war mir klar. Die SpielCDs bekamen einen Ehrenplatz im Schrank, verstaubten da jedoch trotzdem.

Und nun ist alles viel besser. Das Spiel wurde auf aktuellen Systemen lauffähig gemacht und für grobe 2€ auf gog.comverkauft (Angebotspreis, mittlerweile sind es grobe 4€). Ich habe natürlich sofort zugeschlagen, meinen Joystick wieder in Betrieb genommen und scheitere nun an Mission 3. Ob meine Freundin etwas dagegen hat, wenn ich mit dem Handbuch im Bett…

 

Alles wird intergalaktisch

Ich gebe Linux noch ne Chance. Teil 26

Wieder einmal hat es mich in die Welt der Linux Distributionen* geführt. Wieder einmal bin ich nicht zufrieden. Wieder einmal liegt es nicht an Linux selbst.

Während ein Windows für gut 95% aller Privat-PCs funktionieren muss und entsprechend allgemein gehalten ist, gibt es Linux Distributionen für alle Geschmäcker. Es gibt unterschiedliche Bedienkonzepte, aus denen man sich einfach das raussuchen kann, was einem am besten gefällt. Lieber eine Multimediastation mit möglichst vielen Media Playern? Kein Problem. Einen Server aufziehen? Kein Problem. Ein Rettungssystem direkt von der CD? Kein Problem. Mal eben ne neue Soundkarte installieren. Hmm, naja, ähhh, wird schwierig.

Meine alte Soundkarte war vor allem das, alt. Sie hat mir viele Jahre gute Dienste erwiesen, spätestens mit dem nächsten Hardwareupgrade meines PC wäre sie aber sowieso raus geflogen. Ich denke nicht, dass mein nächstes Mainboard noch einen passenden PCI Steckplatz (ja, soooo alt) bieten wird. Jedenfalls kam nun eine neue Creative Recon 3D zu mir ins Haus. Die Karte ist günstig in der Anschaffung, hat gute Soundeigenschaften beim Spielen am PC und (Creative untypisch) brauchbare Treiber. Hinzu kommen noch ein paar Features, die sich erst unter Windows 8 zeigen werden. Hier soll es aber nicht um die Karte oder Microsofts seltsame Sound-API Politik gehen, sondern um meine jüngste Linuxerfahrung.

Und die ist halt nicht besonders positiv. Die Linuxunterstützung seitens Creative ist nämlich quasi nicht existent. Kein Treiber, keine Infos an Entwickler, kein gar nichts. Bei der gerade ausgemusterten Soundkarte dauerte es Jahre bis es Linuxprogrammierer ohne Hilfe des Herstellers geschafft haben aus der Karte ein paar Töne herauszuquetschen. Diesmal ging es schneller. Bereits ein halbes Jahr nach Veröffentlichung sind (nicht perfekte) Treiber in den aktuellen 3.5er Kernel eingezogen. Also alles super? Nein, das Problem besteht nun darin diesen Kernel mit meiner bevorzugten Distribution zu verheiraten.

Linux Mint 13 in der KDE Edition basiert auf einem Ubuntu, dass bereits im April erschien. In der Linuxwelt haben sich neue Hauptversionen im 6 bis 12 Monatsrhythmus eingebürgert, somit steht die April Version kurz vor der Ablöse. Nach dem Erscheinen des neuen Ubuntus braucht Linux Mint vermutlich wieder grobe 2 bis 3 Monate, bis auch sie eine neue KDE Edition anbieten (andere Editionen kommen erheblich früher). Das dauert mir alles etwas zu lange. Also heißt es selber Hand anlegen. Zum Glück sind Ubuntu und Linux Mint mit die beliebtesten Linux Distributionen, somit sind Anleitungen für Deppen auch bei heiklen Änderungen am System gut dokumentiert im Netz zu finden.

Also habe ich meinen Grafikkartentreiber deinstalliert (der muss immer auf die aktuelle Kernel Version zugeschnitten sein, sonst macht er ärger und zerhaut mir alles), nach Anleitung den Kernel von der mitgebrachten Version 3.2 auf die aktuelle 3.5.4 aktualisiert, nach Anleitung nen passenden neuen Grafikkartentreiber installiert, bei der Gelegenheit noch KDE, nach Anleitung, auf Version 4.9.1 gebracht und buff: Nichts. Kein Ton aus den Boxen, nix. Die ganze Geschichte hat mich ein paar Stunden Arbeit gekostet, was an und für sich kein Problem ist, wenn am Ende wenigstens ein positives Ergebnis gestanden hätte. Meine einzige Errungenschaft war es nun, dass das System der Karte, auf der es keine Musik spielt, den richtigen Namen zuordnet. Dafür habe ich ein instabiles System riskiert. Tolle Wurst.

Und auf Linux kann ich deswegen nicht sauer sein. Das System hat an sich nichts falsch gemacht, würde Creative selber Treiber liefern wäre sowieso alles überhaupt kein Problem, aber als Nutzer nervt mich einfach, dass es nicht funktioniert. Natürlich hat das alles was mit einem Kosten/Nutzen Verhältnis zu tun. Die Marktdurchdringung von Linux im Desktopbereich liegt irgendwo um die 2%, die Treiberentwicklung ist aber sicher nicht sehr viel günstiger als bei Windows Versionen. Doch was bringt mir das Wissen über die Gründe? Ich kann entweder weiter an meinem Linux Mint rumdoktern bis es funktioniert (bzw. gar nichts mehr funktioniert), oder ich kann auf eine andere Distribution umsteigen, die den neuen Kernel direkt ins System integriert, ohne dass ich etwas tun muss (Fedora zum Beispiel). Ich möchte nicht wieder umsteigen, Fedora hat nämlich wieder andere Probleme, die ich nicht mehr tolerieren mag. Weiter rumdoktern möchte ich eigentlich auch nicht mehr, ich weiß zwar, dass in der Linuxwelt jedes Problem gelöst werden kann, mein Kenntnisstand und mein prognostizierter Zeiteinsatz dafür aber einfach nicht reichen.

Am 26. Oktober erscheint Windows 8 offiziell für Endkunden. An dem Tag werde ich alle Betriebssysteme meines PC neu aufsetzen und die Festplattenbelegung wild durchwechseln. Bis dahin kann ich ja noch ein paar weitere Distributionen durchprobieren, oder natürlich die alte kaputtkonfigurieren. Glücklich bin ich mit dem Umstand aber nicht. Hach, Linux, es könnte so schön mit uns sein.

 

*) Extrem vereinfacht ausgedrückt:  Der Name „Linux“ beschreibt eigentlich nur den immer gleichen, kostenlosen, Unterbau (Kernel). Firmen nehmen diesen Kernel, packen unterschiedliche Softwarepakete oben drauf und veröffentlichen das Ganze auf CD/DVD (nicht immer kostenlos), die sogenannten Distributionen.