Ich gebe Linux noch ne Chance. Teil 26

Wieder einmal hat es mich in die Welt der Linux Distributionen* geführt. Wieder einmal bin ich nicht zufrieden. Wieder einmal liegt es nicht an Linux selbst.

Während ein Windows für gut 95% aller Privat-PCs funktionieren muss und entsprechend allgemein gehalten ist, gibt es Linux Distributionen für alle Geschmäcker. Es gibt unterschiedliche Bedienkonzepte, aus denen man sich einfach das raussuchen kann, was einem am besten gefällt. Lieber eine Multimediastation mit möglichst vielen Media Playern? Kein Problem. Einen Server aufziehen? Kein Problem. Ein Rettungssystem direkt von der CD? Kein Problem. Mal eben ne neue Soundkarte installieren. Hmm, naja, ähhh, wird schwierig.

Meine alte Soundkarte war vor allem das, alt. Sie hat mir viele Jahre gute Dienste erwiesen, spätestens mit dem nächsten Hardwareupgrade meines PC wäre sie aber sowieso raus geflogen. Ich denke nicht, dass mein nächstes Mainboard noch einen passenden PCI Steckplatz (ja, soooo alt) bieten wird. Jedenfalls kam nun eine neue Creative Recon 3D zu mir ins Haus. Die Karte ist günstig in der Anschaffung, hat gute Soundeigenschaften beim Spielen am PC und (Creative untypisch) brauchbare Treiber. Hinzu kommen noch ein paar Features, die sich erst unter Windows 8 zeigen werden. Hier soll es aber nicht um die Karte oder Microsofts seltsame Sound-API Politik gehen, sondern um meine jüngste Linuxerfahrung.

Und die ist halt nicht besonders positiv. Die Linuxunterstützung seitens Creative ist nämlich quasi nicht existent. Kein Treiber, keine Infos an Entwickler, kein gar nichts. Bei der gerade ausgemusterten Soundkarte dauerte es Jahre bis es Linuxprogrammierer ohne Hilfe des Herstellers geschafft haben aus der Karte ein paar Töne herauszuquetschen. Diesmal ging es schneller. Bereits ein halbes Jahr nach Veröffentlichung sind (nicht perfekte) Treiber in den aktuellen 3.5er Kernel eingezogen. Also alles super? Nein, das Problem besteht nun darin diesen Kernel mit meiner bevorzugten Distribution zu verheiraten.

Linux Mint 13 in der KDE Edition basiert auf einem Ubuntu, dass bereits im April erschien. In der Linuxwelt haben sich neue Hauptversionen im 6 bis 12 Monatsrhythmus eingebürgert, somit steht die April Version kurz vor der Ablöse. Nach dem Erscheinen des neuen Ubuntus braucht Linux Mint vermutlich wieder grobe 2 bis 3 Monate, bis auch sie eine neue KDE Edition anbieten (andere Editionen kommen erheblich früher). Das dauert mir alles etwas zu lange. Also heißt es selber Hand anlegen. Zum Glück sind Ubuntu und Linux Mint mit die beliebtesten Linux Distributionen, somit sind Anleitungen für Deppen auch bei heiklen Änderungen am System gut dokumentiert im Netz zu finden.

Also habe ich meinen Grafikkartentreiber deinstalliert (der muss immer auf die aktuelle Kernel Version zugeschnitten sein, sonst macht er ärger und zerhaut mir alles), nach Anleitung den Kernel von der mitgebrachten Version 3.2 auf die aktuelle 3.5.4 aktualisiert, nach Anleitung nen passenden neuen Grafikkartentreiber installiert, bei der Gelegenheit noch KDE, nach Anleitung, auf Version 4.9.1 gebracht und buff: Nichts. Kein Ton aus den Boxen, nix. Die ganze Geschichte hat mich ein paar Stunden Arbeit gekostet, was an und für sich kein Problem ist, wenn am Ende wenigstens ein positives Ergebnis gestanden hätte. Meine einzige Errungenschaft war es nun, dass das System der Karte, auf der es keine Musik spielt, den richtigen Namen zuordnet. Dafür habe ich ein instabiles System riskiert. Tolle Wurst.

Und auf Linux kann ich deswegen nicht sauer sein. Das System hat an sich nichts falsch gemacht, würde Creative selber Treiber liefern wäre sowieso alles überhaupt kein Problem, aber als Nutzer nervt mich einfach, dass es nicht funktioniert. Natürlich hat das alles was mit einem Kosten/Nutzen Verhältnis zu tun. Die Marktdurchdringung von Linux im Desktopbereich liegt irgendwo um die 2%, die Treiberentwicklung ist aber sicher nicht sehr viel günstiger als bei Windows Versionen. Doch was bringt mir das Wissen über die Gründe? Ich kann entweder weiter an meinem Linux Mint rumdoktern bis es funktioniert (bzw. gar nichts mehr funktioniert), oder ich kann auf eine andere Distribution umsteigen, die den neuen Kernel direkt ins System integriert, ohne dass ich etwas tun muss (Fedora zum Beispiel). Ich möchte nicht wieder umsteigen, Fedora hat nämlich wieder andere Probleme, die ich nicht mehr tolerieren mag. Weiter rumdoktern möchte ich eigentlich auch nicht mehr, ich weiß zwar, dass in der Linuxwelt jedes Problem gelöst werden kann, mein Kenntnisstand und mein prognostizierter Zeiteinsatz dafür aber einfach nicht reichen.

Am 26. Oktober erscheint Windows 8 offiziell für Endkunden. An dem Tag werde ich alle Betriebssysteme meines PC neu aufsetzen und die Festplattenbelegung wild durchwechseln. Bis dahin kann ich ja noch ein paar weitere Distributionen durchprobieren, oder natürlich die alte kaputtkonfigurieren. Glücklich bin ich mit dem Umstand aber nicht. Hach, Linux, es könnte so schön mit uns sein.

 

*) Extrem vereinfacht ausgedrückt:  Der Name „Linux“ beschreibt eigentlich nur den immer gleichen, kostenlosen, Unterbau (Kernel). Firmen nehmen diesen Kernel, packen unterschiedliche Softwarepakete oben drauf und veröffentlichen das Ganze auf CD/DVD (nicht immer kostenlos), die sogenannten Distributionen.

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