Von Metal und Menschen

Meine Lebenserfahrung zeigt: Die nettesten und zuvorkommendsten Menschen hören übles Geschrubb.

Jetzt ist natürlich nicht jeder Metal-Liebhaber ein sanftmütiger Brummbär, die Chance so jemanden zu treffen ist aber nicht gering. Ein gutes Beispiel bin ich. Gut aussehend, kompetent in nahezu jedem Bereich des Wissensspektrums, humorvoll und niemals überheblich. Sagen wir es doch ganz einfach: Ich bin toll.

Toll sind auch noch zwei andere Dinge, zum einen meine Überleitungen, zum anderen das neue Stratovarius Album „Nemesis“. Es läuft bei mir zu jeder möglichen Zeit, lässt grundsätzlich mindestens einen Fuß wippen und hellt meine Stimmung auch morgens auf dem Weg zum Bahnhof auf. Nach Jahren „okeyer“ bis guter Platten haben sie nun hoffentlich das Ende der personellen Umstrukturierungsmaßnahmen erreicht. Nemesis knüpft qualitativ an Visions, Destiny, Episode, Infinite und alle anderen Meisterwerke der Band aus den 90ern an. Warum, warum bitte sehr, muss ich mich dann immer noch schämen Musikvideos der Band irgendjemandem zu zeigen. Das Video zur neuen Auskopplung Halcyon Days funktioniert immer noch nach den gleichen Prinzipien, die in den 80er peinlich waren. Langhaarige Zottel klampfen in unbequemen Posen auf ihren Instrumenten rum, Feuer im Hintergrund, ab und an ein Funkenregen aus einem Griffbrett… es hat sich nichts getan. Ich erwarten kein Geräckel wie es die weiblichen R’n’B Sternchen abliefern müssen, auch kein pseudo gefährliches Aufspielen ala Hip Hop Gangsta, aber ein bisschen Weiterentwicklung wäre schon nett.

So richtig unangenehm wird es, wenn sich eine Band auch noch nach einem selbstgewählten Image richten muss. Es ist furchtbar simpel gestrickte Musik, dennoch mag ich die Latexliebhaber von der finnischen Halloweenkapelle Lordi sehr gerne. Die Stimme des Frontsängers hat es mir angetan. Die Idee einen Abend lang alle Lordi Musikvideos hintereinander weg zu gucken musste ich rasch wieder verwerfen. Spätestens nach drei Exemplaren nimmt das Fremdschämen überhand. Die, dank der ausufernden Kostüme bewegungseingeschränkten, Protagonisten können kaum noch was anderes als bedrohlich die Arme zu heben. Beziehungsweise sie zeigen in den Videos nicht mehr. Ob sie mehr können werde ich Anfang April auf einem Konzert überprüfen. Dazu noch die anscheinend notwendigen Zombies und halbnackte Frauen, fertig ist das 08/15 Video. Bähh. (Das aktuelle Lied ist übrigens ziemlich gut. Der Text erinnert an Tribute von Tenacious D. Macht das Video aber nicht besser.)

Ich weiß, die Hochzeit der Musikvideos ist vorbei. Anfang bis Mitte der 90er haben sich die Kreativen nur so auf die drei bis vier Minuten Schnipsel eines Filmchens gestürzt. Es konnte ordentlich Geld ausgegeben werden um bloß aufzufallen. Mit sinkenden Einnahmen der Plattenfirmen (und vor allem die Flucht des Publikums vor Klingeltonwerbung hin ins Internet) hat die Attraktivität der Musikvideos stark reduziert. Auch jetzt kommen noch großartige Werke zum Vorschein, aber sie bilden die Ausnahme. Es scheint sich noch nicht zu lohnen viel Geld einzusetzen, um den handelsüblichen Youtube Zuschauer zu erreichen.

Zwei Dinge lassen mir aber wenigstens noch einen Funken Hoffnung auf Besserung. Zum einen das Wissen, dass es keine großen Budgets braucht um etwas großartiges zu erschaffen. Zum anderen die kleinen Events, die mir beweisen, dass das Musikvideo als künstlerische Ausdrucksform noch nicht ganz vergessen ist.

Alles wird hard’n’heavy

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