Zuhause im X Universum

7 lange Jahre hat Egosoft am neuen Teil der X Reihe gewerkelt. 7 Jahre, in denen sie das Prinzip und den Status Quo der drei bis sechs (je nach Zählweise) Vorgänger auf den Prüfstand stellten. Es sollte keine Fortsetzung werden, es sollte ein Neuanfang werden. Nun ist X Rebirth erschienen und irgendwie fühlt sich eine halbe Stunde schon an wie die Rückkehr nach Hause. Nur leider nicht wegen dem Inhalt des Spiels.

Ich treibe mich schon seit vielen, vielen Jahren im X Universum rum. 1999 verschlang mich der erste Teil, der (mitsamt Add-on) gespielt wurde bis 2003 Teil 2 erschien. Kompliziert wurde es, als die nächsten Fortsetzungen alle X3 hießen, aber noch heute ist irgendein Teil der X3 Trilogie grundsätzlich auf meiner Festplatte. Dazu kommen fünf Romane und ein 25 stündiges Hörbuch. Ich verbinde mit diesen Spielen Anekdoten aus meiner Schulzeit und verschlafene Vorlesungen, weil man die Brücke seines Schleppers ja nicht verlassen kann, während dieser per Autopilot (!) durch’s All gleitet.

Und nun haben die Entwickler nichts mehr so gelassen, wie es die bisherigen 15 Jahre war. Das generelle Spielprinzip, umschrieben mit “Trade – Fight – Build – Think” ist unangetastet geblieben, aber davon abgesehen haben sie fast alles umgeworfen. Durch einen Zeitsprung in die Zukunft sind neue Charaktere im Mittelpunkt, eine Supernova hat den Aufbau und die Struktur des Universums umgeworfen und überhaupt funktioniert jetzt alles ganz anders. Keine Stargate-ähnlichen Sprungtore mehr um sauber getrennte Systeme anzufliegen, nein, jetzt gibt es Hochgeschwindigkeits-Highways. Nichts mehr mit fleißigem Schiffshopping, je nachdem was man gerade machen will, man ist nun an ein Schiff gebunden. Man bleibt trotzdem nicht nur im Sessel sitzen, man darf jetzt in Egoperspektive Raumstationen erkunden.

OK, ich sehe es ein, Veränderungen waren an der Zeit. Böse Zungen behaupten schon länger, Egosoft hätte seit 15 Jahren nur ein Spiel mit immer neuen Packungen auf den Markt gebracht. Zudem habe ich noch nicht lange genug an X Rebirth gesessen um die neuen Spielelemente wirklich zu bewerten. Eine Konstante ist jedoch geblieben, die bemerkenswerten technischen Probleme der X Titel. Es ist ein Bugfest.

1999 habe ich mich mit Bugs arrangiert. Sie trafen mich nicht hart und ich war leidensfähig. Teil 2 hat mich größtenteils verschont, da konnte ich die Probleme nur in Foren mitlesen. Die X3 Trilogie musste ich gut abgehangen genießen, die Verkaufsversionen hatten noch zu viele Probleme. Trotz dieser Erfahrungen blieb ich der X Reihe treu. Egosoft hat bisher noch jedes Mal die Technik gepatcht und als Entschädigung neue kostenlose Inhalte nachgeschoben. Den Deal mache ich nicht bei jedem mit, die Jungs haben bei mir jedoch eine gewisse Narrenfreiheit, die auch noch nie überstrapaziert wurde. Die Steam Foren sagen, es hat sich nichts geändert. Das neue Spiel stürzt beim Laden der Kampagne sofort wieder ab, Workarounds mit seltsamen Soundeinstellungen in den Tiefen von Windows existieren. Charaktere sprechen nicht, obwohl sie laut (zuschaltbaren) Untertiteln durchaus was mitzuteilen haben. Die Steuerung lässt sich nicht frei belegen, weil das Spiel beschlossen hat meine Controllertasten 1 & 2 für Bestätigen und Abbrechen zu nutzen. Wenn ich in der Steuerungskonfiguration nun also Button 2 betätige bricht das Menü ab anstatt den Button neu zu belegen. Die Charakteranimationen erinnern entfernt an die Geschmeidigkeit von Tekken 2 Begegnungen. Die Grafiken der Innenräume meines Schiffes stehen im krassen Gegensatz zur Schönheit des Alls. Der Weltraum lässt mich von der Zukunft träumen, die Innenräume wecken mich mit Erinnerungen an Deus Ex 2.

Alles in Allem ist dieses Spiel noch nicht fertig, und das wissen auch die Entwickler. 1,5GB Day-One Patch sprechen für sich. Dass an eben diesem Day-One nur wenige Stunden nach Freischaltung schon der nächste Patch da war, sagt noch mehr. Heute, quasi an Day-Two, wurden erneut 120 MB auf meine Festplatte geschaufelt. Und so werde ich meinen nächsten Ausflug ins X Universum wohl um ein Wochenende verlegen.

Ich wundere mich über mich selbst, aber ich bin deswegen in keiner und keinster Weise angefressen. Es ist schließlich nicht so, als hätte ich wirklich mit etwas anderem gerechnet. Und so ein paar Konstanten braucht der Mensch ja auch.

 

Alles wird buggy