<schlechtes Wortspiel rund um “Haare” hier einfügen>

Ich war die Woche beim Frisör. Ich mache so etwas häufiger, also zum Frisör gehen. Nicht wirklich jeden Monat, aber doch so alle sechs Wochen. Ich war nach grob 20 Minuten wieder draußen und der Spaß kostete mich 21€.

Wenn ich anderen Leuten davon erzähle, was ich aufgrund der mangelnden Brisanz und Spannung eher selten tue, dann geben sie oftmals zum Besten, dass der Preis doch ganz schon deftig sei. Zumindest für so einen pflegeleichten Männerkopf, wie ich ihn tagtäglich zur Schau trage.

Nun habe ich mal in eben diesem Kopf überschlagen: Auch wenn ich nur 20 Minuten in dem Stuhl sitze, Termine werden nur alle halbe Stunde vergeben. Dafür motzt auch niemand, wenn man mal fünf Minuten zu spät dran ist. Ziemlich selbstverständlich, aber sicher auch ein paar Minuten Zeit schwer, ist, dass hinter mir auch immer brav sauber gemacht wird. Haare zusammen kehren, eventuell Kaffeetasse wegräumen, so ein Zeug halt. Sagen wir also mal ich zahle für 30 Minuten Arbeit. Macht (hoffentlich leicht nachvollziehbar) 42€ die Stunde.

42€ minus Strom (bei den ganzen Föns und Trockenhauben sind die Stromkosten im Mittel sicher nicht zu vernachlässigen), Miete, Personalkosten für die guten Feen, die auch mal die Ladenfassade reinigen, Personalkosten falls mal gerade Flaute an der Frisierfront ist, Personalkosten für die Herren der Buchführung, Wareneinsatz, Anschaffung bzw. Instandhaltung der Arbeitsmittel, Gewinn und so weiter. Halt die übliche Mischkalkulation.

Wenn ich dann noch miteinbeziehe, dass in der Frisörstube ausgebildet wird/wurde (noch mehr Personalkosten teilweise ohne direkte Einnahmen), dann bleibt da nicht mehr so viel übrig für die Dame, die wirklich am Objekt arbeitet. Ich weiß, wie in anderen Berufen die Stundensätze liegen, 42€ ist sicher nicht im Luxus kalkuliert. Und da soll ich mich jetzt in eine Schnibbelbude verziehen, die ihre Fachkräfte vielleicht gerade mal so am Leben hält? Wo ich entweder rumsitze, bis endlich mal was frei wird, oder in den seltenen Fällen der Terminvergabe nach einer verspäteten Minute wieder abzischen darf?

Nö, ganz einfach nö. Ich habe zwar nicht meine Frisörin heranwachsen sehen, aber so doch immerhin ihre Fähigkeiten, da ich eher Stammkunde war als sie Auszubildende. Seit ihrem dritten Ausbildungsjahr kennt ihre Schere nun meine Wirbel, diese Beziehung gefährde ich doch nicht wegen einem billigen Schnitt irgendwo in einer zwielichtigen Wasche-Schneide-Legebatterie.

Deutschland ist nicht eine Servicewüste geworden, weil keiner mehr was bieten wollte, sondern vor allem weil keiner bereit war und ist die zusätzliche Zeit auch zu bezahlen. Ich mag das nicht.