Besuch auf der MS Wissenschaft

Ende letzter Woche lag in Würzburg die MS Wissenschaft vor Anker und bot jedem interessierten Besucher die Möglichkeit, die aktuelle Forschung im Bereich der digitalen Welten zu bestaunen. Zumindest am Sonntag wurde diese Chance auch rege genutzt. Mit anderen Worten, es war voll.

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Die MS Wissenschaft ist ein umgebautes Frachtschiff, dass den kompletten Sommer durch Deutschland schippert. Dieses Jahr wird es noch bis Ende September unterwegs sein. Bezahlt wird die schwimmende Ausstellung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Eintritt ist kostenlos. Der Ausstellungsinhalt wird von diversen Forschungsgesellschaften gestellt, Max-Plank-Gesellschaft, Fraunhofer Institut, Helmholz und Leibniz Gemeinschaft um ein paar zu nennen.

Wie gesagt, das Angebot fand regen Zuspruch. Das Thema lautete „Digital unterwegs“. Um jedem Beißreflex der digital natives vorzubeugen, sei direkt gesagt, dass keine Schreckgespenster vorgeschoben wurden, sondern neben den allseits bekannten Risiken für unseren Datenschutz vor allem die Chancen der Vernetzung aufgezeigt wurden. Beginnend mit einem kurzen zeitlichen Überblick über die Entwicklung der digitalen Welt und einem nett präsentierten Glossar der wichtigsten Begriffe schlängelte ich mich gemeinsam mit Interessenten aller Altersklassen durch die nett präsentierte Ausstellungsfläche.

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Das Wort „Ausstellung“ trifft die Sache jedoch nicht zu 100%. Die passiven Ausstellungsstücke waren nämlich in der Minderheit, viel häufiger sollte selber probiert werden. Was für Vorteile hat zum Beispiel eine ärztliche Betreuung per SMS für unerfahrene Diabetes-Erkrankte? Und kann der Besucher anhand solcher Kurznachrichten den waren Zustand des Patienten herausfiltern? Wie könnte das Schwarze Brett einer Schule in ein paar Jahren aussehen? Aushänge zum Durchscrollen per Touchscreen? Abruf des Stundenplans jeder Klasse per Klick?

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Ein „intelligenter“ Tisch, Beispiele von beruflichen Einsatzbereichen für Datenbrillen, eine manipulierbare Computersimulation von der Evakuierung größerer Areale, der dargebotene Wissenschaftsbereich war riesig. Schade, dass manche spannenden Mitmachexponate von Jugendlichen dauerbesetzt waren, die an Wissensgewinn nur bedingt Interessiert waren, aber auch so gab es mehr als genug zu tun. Jedes Ausstellungsstück war mit einer kurzen Beschreibung versehen, die die wichtigsten Stichpunkte aufführte (die Mitmachstationen entsprechend mit kurzen Erläuterungen). Ersetzt kein Studium, hilft aber bei der Einordnung des gesehenen.

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Ich empfand meinen kurzen Rundgang als gut genutzte Zeit, ich habe einige Denkanstösse bekommen, und vor allem hat sich der bei mir eh schon gute Ruf von Wissenschaftlern nochmal gebessert. Menschen, die einfach mal aufprobieren dürfen, was geht. Gibt es was cooleres? Aber dazu in einem anderen Blogpost die Tage mal mehr.

Alles wird erforscht.

Schifffahrtsfreuden

Eines Tages beschloss die vierköpfige Urlaubsgesellschaft einen Ausflug in den Süden zu unternehmen. Baltimore wurde anvisiert. Rasch befanden sich alle in unserem motorisierten Gefährt und waren startklar. Nachdem die richtig wichtigen Dinge bereits in Skibbereen geklärt wurden (boah, hier gehen wir aber hinterher essen), suchten wir uns in Baltimore nicht unweit der Schiffsanlegestellen einen Parkplatz und begaben uns kurz entschlossen auf einen Kahn nach “Cape Clear Island”, eine kleine Insel vor der Küste Irlands mit ungefähr 140 durchgehenden Bewohnern.

Die Fahrt durch die Buchten vor Irland war malerisch. Links und rechts flankierten kleinste Inseln unseren Weg, alle mit dem typischen hiesigen Gesteinsmusterversehen, das so erscheint, als hätte man die Inseln mit dem Pinsel aus dem Wasser geschoben. Ich stand einsam am Bug des ca. 15 Meter langen Schiffes, das ruhig vor sich hin gleitete. Und dann waren die Inseln auf einmal weg und es war nicht mehr viel mit Bucht, ab jetzt war es Atlantik.

Die erste Welle, die meine Füße benetzte, lachte ich noch freundlich an, die zweite war schon nicht mehr so nett. Die dritte wurde vom Bug nach oben katapultiert, zahllose einzelne, Jelly-Bean-große Tropfen funkelten eine halbe Sekunde vor mir im diffusen Sonnenlicht, bevor sie mir mit aller Macht in die wenige Stunden zuvor geduschte Fresse schlugen. Genug Salz für eine Woche. Ich war nass, also so richtig. Aber jetzt den Rückweg antreten und an der besser ausgestatteten Crew (ich sag nur Regenhose) vorbei marschieren? Sicher nicht. Zudem kann es ja jetzt eh nicht mehr schlimmer werden. Dachte ich.

Der Bug eines Schiffes bewegt sich gerne sehr ausladend. Wie bei einem Linienbus ist die Drehachse weiter hinten. Im Gegensatz zum Linienbus bewegte ich mich aber vertikal auf und ab, bei unruhiger See. Solange Wellenberge und -täler weit genug auseinander waren hatte ich Spaß. Ein bisschen Achterbahn mit Wahnsinnsaussicht. Waren sie näher bei einander, und wir trafen unsanft darauf, wurde ich nass. Das Salzwasser verklebte meine Haare, sprang über meine Regenjacke und tränkte mein darunter liegendes Fleece samt T-Shirt, es drang in jede Ritze meiner Wanderstiefel, machte sie noch einige Kilos schwerer, drang durch meine Hose wie durch Küchenpapier und pökelte meine Haut. Nach der zwölften vollen Breitseite entschied ich mich doch langsam den Rest meiner Spiel und Spaß Gesellschafft aufzusuchen. Diese befanden sich eine Etage höher auf dem “Sonnendeck”, direkt hinter der Brücke. Er erklang schallendes Gelächter bei meiner Ankunft.

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Die Hinweise des Captains, dass die See unnormal rau wäre für diese Jahreszeit halfen nicht mehr, als die ersten Leute seltsam bleich um die Nase wurden. Der Wellengang setzte uns Süßwasserpiraten zu. Ein irisches Pärchen, deren Tochter auf Cape Clear als Gälischlehrerin arbeitet, war mehr damit beschäftigt ihren mitgebrachten Kuchen trocken zu halten als sich über den Wellengang Gedanken zu machen. Beruhigend. Kurz vor Point Vomit erreichten wir glücklicherweise den Hafen dieser schwach besiedelten Insel. Unsere ersten Blicke fixierten zwei Dinge: Ein Café mit Kuchenbar und die kaum noch fahrtüchtigen KfZs der Einheimischen. Panzertape und viel katholisches Gottvertrauen hielt diese Autos noch zusammen, Blech und Schweißnähte schafften es alleine nicht mehr. So sieht also eine Welt ohne TÜV aus.

Der Himmel brach auf, die Sonne wärmte unsere (meine) nassen Gliedmaßen und der Wind ließ nach. So trauten wir uns an einen kleinen Marsch zu einem angeblich malerischen Lookout Point. Uns wurde nicht zu viel versprochen.

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Die Strapazen der Hinfahrt waren jedoch nur so lange vergessen, bis wir wieder am Hafen ankamen. Ohne Stärkung an der Kuchenbar begaben wir uns wieder an Bord. Erfreulicherweise erwies sich dann jedoch die Rückfahrt als Piece of Cake. Und trocken wurde ich auch wieder. Mit lustigen weißen Salzspuren. Laut meiner kleinen Stichprobe und einer unsachgemäßen Verallgemeinerung sind übrigens tragbare Nintendo Konsolen und Lumia Smartphones absolut wasserdicht.

Alles wird überlebt.

Prioritätsverschiebung

Ich habe gestern in einem Café einen Zugang zum Internet gefunden. Gibt es hier häufiger. Vermutlich habe ich auch noch einen in einem weiteren Café aufgetan, sonst könntet Ihr das hier gar nicht lesen.

Das aufgespannte WLAN reichte vollkommen um mal kurz das Smartphone raus zu holen, Emails, Wettervorhersage und Navi-Updates zu checken, ein Lebenszeichen per Twitter und Facebook zu verteilen, und das Telefon dann wieder weg zu stecken. Ein paar Stunden später hatte ich dann Zeit meine Emails auch anzusehen. Es waren grob 40 Stück auf 5 Accounts verteilt, und nicht eine davon war auch nur im Entferntesten wichtig. Es ist eine bittere Erkenntnis, aber diese durchgehende Internetdurchdringung, die mein Leben bisweilen hat, ist nicht wichtig.

Ich habe noch nicht eine Nachricht von der heute endenden E³ gelesen. Ich habe keine Ahnung von aktueller deutscher Politik oder Hochwasserproblemen. Alles was ich weiß ist, dass hier jeden Tag die Sonne scheint, es jeden Tag regnet, und dass es jeden Tag stürmt. Und das reicht. Die Abgeschiedenheit in diesem grünen Nirgendwo führt dazu, dass man auf sich reduziert ist. Sich selbst und das, was man mitgebracht hat.

Und damit Ihr nicht denkt, ich hätte hier die Erleuchtung gefunden und wäre nun ein ganz anderer Mensch geworden: Diese Abgeschiedenheit führt auch dazu, dass ich ein Adventure spielen muss ohne ab und an in eine Komplettlösung zu spicken. Ja, das ist, anders als die Emails, immer noch wirklich wichtig.

(Und ich denke, in 1,5 Wochen wird es mir dann auch endgültig reichen. Dann will ich wieder alle Freunde, all das Internet und gescheites Brot. Kuchen können die Iren, Brot nicht)

Alles wird relativ.

PS.: Alle Zeitangaben hier sind natürlich relativ zum Zeitpunkt des Schreibens und nicht zur Veröffentlichung dieses Artikels, die für mich momentan noch nicht absehbar ist.

Mein schönstes Ferienerlebnis

Ich durfte Auto fahren. Einen Mitsubishi Lancer. Ja, das Ding, dass sie lange Zeit in er WRC eingesetzt haben. Es hat ausreichen Power unter der Haube und bleibt gut in der Spur. Und das ist wichtig.

Mein Gott sind hier die Straßen eng. Zwei Autos an einander vorbei zu bringen ist je nach Straße echt eine Herausforderung. Und dann führte unsere heutige Tour an einer Touristenstrecke entlang. Reisebusse über Reisebusse.

Zum Glück gab es aber auch Gründe warum die Touristen da alle hin wollten (oder mussten): Tolle Landschaft:

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Sollte ich nochmal ein Päckchen Internet finden gibt es mehr Bilder.

Alles wird offline

Spielejahr 2012

OK, diese Liste war schwierig. Nicht, dass ich im letzten Jahr so wenig gespielt hätte. Nicht, dass ich im letzten Jahr nur Mist gespielt hätte, ganz im Gegenteil. Das Problem ist, ich habe im letzten Jahr große Teile der Jahre 2010 und 2011 nachgeholt, und auch wenn die Titel mir fast durchgehend sehr viel Freude bereitet haben, sie gehören hier nicht rein. Warum mache ich diese Liste dann also? Weil Polyneux nach Listen fragt, ich eine Rampensau bin und dieses Jahr auch mal dabei sein wollte.

Hier geht es nun also einfach um das Beste, was ich 2012 aus 2012 erleben durfte. Dann wollen wir mal…

Die Top 5 aus 2012:

Platz 6: X³ Albion Prelude (PC)

Diesen Platz gibt es aus mehreren Gründen. Erstens: Ich kann nicht zählen. Zweitens: Das Spiel erschien am 15.12.2011 und fällt somit aus dem Raster. Drittens: Es ist ein solider, aber kein überragender Titel. Viertens: Erwähnen muss ich ihn trotzdem.
Seit einem zweiwöchigen Urlaub in der Bretagne, den ich als Schuljunge ohne Zugang zu technischen Geräten, einzig mit einer aktuellen Ausgabe der PC Games, verbringen musste, bin ich den X Titeln verfallen. Je nach Zählweise (wie gesagt, nicht meine Stärke) handelt es sich bei Albion Prelude um den fünften oder sechsten Teil. Erklären lässt sich das Spielprinzip aller X Spiele ganz gut als „Open World ohne World“. Ihr schippert mit einem Raumschiff durchs All und könnt tun und lassen was Ihr wollt. Pirat werden? Waffen ans Schiff schrauben und los. Polizist werden? Polizeilizenz erstehen und los. Großmagnat werden? Frachter kaufen, Waren transportieren, sparen und irgendwann die erste eigene Raumstation bauen, weiter sparen und langsam das eigene Wirtschaftsimperium mit zusätzlichen Stationen vergrößern.
In Albion Prelude befindet sich das X-Universum im Krieg. An dem muss man nicht teilnehmen, sofern man auf die Story pfeift. Für X Veteranen wie mich ist aber gerade die interessant, da das Gameplay kaum Unterschiede zum Vorgänger aufweist, während die Geschichte den Übergang zum großen Relaunch der Reihe namens X: Rebirth bildet. Und so ist Albion Prelude ein netter Fanservice, aufgrund der geringen Unterschiede zu X³: Terran Conflict hat er bei mir jedoch nicht so eingeschlagen, dass er in die Top 5 müsste.

Platz 5: Picross E (3DS)

Bei Picross handelt es sich um ein schon häufiger versoftetes Puzzlespiel. Man sitzt vor einem sudokuähnlichen Spielfeld mit zumeist 15 x 15 Feldern, und diese Felder färbt man nacheinander schwarz… aber natürlich mit System. Am Rand des Spielfeldes steht für jede Reihe und jede Spalte geschrieben, wie viele Felder geschwärzt werden müssen, und vor allem wie viele davon am Stück. Schwer zu erklären, aber einmal verstanden ergibt sich ein ungeheures Suchtpotential. Ich habe in den 3,5 Monaten, die Picross E nun auf dem Markt ist ganze 27 Stunden reingesteckt. Ich bin durch alle gestellten Rätsel durch und dürfte nun meine Zeiten verbessern, oder ich warte einfach auf den zweiten Teil, der noch diesen Monat erscheinen soll. Schätzungsweise werdet Ihr von dem Titel dann nächstes Jahr hier lesen.

Platz 4: Resident Evil – Revelations (3DS)

Teil 6 der Hauptreihe wird wohl dieses Jahr nicht so viele Spiel des Jahres Auszeichnungen entgegen nehmen dürfen, um nicht zu sagen, es besticht eher durch Spiellänge als durch Spieltiefe. Anfang des Jahres 2012 erschien jedoch ein Spiel, dass auch an manchen Stellen ein wenig gestreckt erschien, dabei aber eine klasse Atmosphäre aufzubauen vermochte. Ungefähr 20 Stunden hielt mich Resident Evil – Revelations fest, bevor ich überhaupt noch mal auf die Idee kam ein anderes Modul in den Schacht des 3DS zu stecken. Dank (unsagbar hässlichem) Zubehör ließ sich der Titel gut steuern, die Grafik gehört mit zum Besten auf dem 3DS und sogar der Sound wusste zu gefallen. Die Story war zwar nicht preisverdächtig, aber als Grundlage für ein Zombie/Mutanten Actionballerspiel durchaus in Ordnung. Ich würde mich sehr über einen Nachfolger freuen, dann vielleicht mit ein wenig weniger Backtracking…

Platz 3: Catherine (Xbox360)

An meinem Geburtstag erschien eine Genremixtur, die für mich so unpassend klang, dass ich sie unbedingt ausprobieren musste. Kurz (viel zu kurz) durfte ich bereits auf der Gamescom 2011 reinschnuppern, doch wirklich gefesselt hat mich das Spiel erst daheim. Die Geschichte handelt von Vincent, ein Kerl irgendwo zwischen ewigem Kind und verantwortungsbewusstem Mann. Seine Freundin Katherine findet er wäre jetzt lange genug Kind gewesen und drängt darauf, dass ihre Beziehung den nächsten Level erreicht. Natürlich weiß sie nichts davon, dass Vincent gerade die junge, verrückte und rattenscharfe Catherine getroffen hat. Dumm nur, dass just zu dieser Zeit nahezu alle untreuen Männer des Landes seltsame Albträume haben, von denen etliche auch nicht mehr aufwachen. Ihr habt also zwei Baustellen, Ihr müsst tagsüber die Herausforderungen eines Doppellebens meistern, Euch währenddessen für eine der Frauen entscheiden, und nachts habt Ihr im Gegenzug knüppelharte Puzzles zu lösen um Eure Albträume zu überleben. Die Mechanik des Puzzleteils ist dabei recht einfach erklärt. Ihr müsst eine Wand erklimmen (teilweise unter Zeitdruck), dazu dürft Ihr Blöcke aus dieser Wand ziehen um auf sie drauf zu steigen und Euch Treppen zu bauen, oder aber um Teile der Wand einzureißen. Natürlich gibt es auch dabei Techniken für Fortgeschrittene. Catherine hat mein Hirn genauso gefordert, wie mein Verständnis für die dämlichen Entscheidungen, die Vincent ohne mein Zutun trifft. Aber gut, irgendwie muss die Geschichte ja am Laufen gehalten werden. Je nachdem wie Ihr Euch während des Spiels verhaltet seht Ihr eine von mehreren grundlegend verschiedenen Endsequenzen. Ganz spoilerfrei mag ich nur sagen, ich habe nicht das Ende gesehen, das ich haben wollte, aber sicher das, welches ich verdiente. Klingt deprimierend und schreit nach einem zweiten Durchspielen.

Platz 2: Theatrhythm Final Fantasy (3DS)

Der 3DS hat mich ganz schön auf Trab gehalten, so auch mit diesem wunderbaren Titel. Es handelt sich um eine Mischung aus Rollen- und Musikspiel. Durch präzise getimte Tipp- und Streichbewegungen werden Monster bekämpft oder Wege zurück gelegt. Dabei werden Erfahrungspunkte gesammelt, die meine Figuren stärker werden lassen um schwerere Monster zu besiegen oder weitere Strecken zu laufen. Spaßig, aber eigentlich recht banal. Was diesen Titel so weit in meiner Gunst hat steigen lassen war die Musikauswahl. Aus den 13 Titeln der Final Fantasy Hauptreihe (Teil 14 wird verleugnet) wurden mindestens 5 Titel gewählt, die nun in Theatrhythm bespielt werden dürfen. Über die Final Fantasy Rollenspiele darf man sagen was man will, die Musik war und ist jedoch bisher in jedem Teil grandios gewesen. Diese meisterhaft komponierten Stücke, die alleine für sich genommen den Hörer bereits auf eine Reise in ferne Länder schicken, nun auch noch mit einem spaßigen und gut umgesetzten Rhythmusspiel zu kombinieren war äußerst geschickt. Wir kombinieren Material, das eh noch im Archiv rumgammelt mit ein wenig Arbeit und verkaufen es erneut. Dieses Mal nehme ich es ihnen aber nicht übel. Für mich war der Titel die Überraschung 2012, alleine schon, weil ich nicht wusste, dass mich ein Musikspiel fesseln kann.

Platz 1: The Walking Dead (PC)

Über dieses Spiel wurde wohl schon alles gesagt. Zu Eurem Leidwesen halte ich trotzdem nicht den Rand. Ich werde in dieses Spiel hineingezogen, ich werde zu einem Teil der Welt und bin verantwortlich für meine computergesteuerten Freund und Rivalen. Ich treffe Entscheidungen, und wenn die nicht optimal waren, dann stirbt mit großer Wahrscheinlichkeit jemand, der mir wichtig war oder mir zumindest hätte helfen können. Es ist diese Geschichte und deren zahlreiche Verwinkelungen, die diesen Titel zum für mich besten im Jahr 2012 macht. Und das, obwohl es sich bei dem Titel eigentlich um das handelt, was uns allen Ende der 90er unter dem Namen „interaktiver Film“ versprochen wurde. Leichte Rätsel ohne Kopfnüsse, spielerisch anspruchslose Actionsequenzen und zeitweilige Verwirrung was eigentlich zu tun ist. Alles egal. Anders als zum Beispiel Grafikblender lassen sich mit Geschichte und Atmosphäre wirklich Makel aufheben. The Walking Dead ist der Beweis.

Soweit meine Zusammenfassung des letzten Jahres. Aber es sieht so aus, als ob 2013 bei mir nicht „aktueller“ laufen würde. Als nächstes gehe ich El Shaddai an, danach sind die Wii Highlights der letzten Jahre dran. Der Schattenläufer, Skyward Sword, Conduit 2 und No more heroes 2 warten auf ihre Chance. Und Skyrim dürfte mir auch noch viele weitere Stunden stehlen…

Poets of the Fall – Temple of Thought Tour Germany 2012

Am letzten Sonntag fand in Mannheim das letzte Konzert der Poets of the Fall – Temple of Thought Tour 2012 durch Deutschland statt.

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Es waren nur sechs Konzerte, und trotzdem waren die schon eine halbe Sensation. Die Poets of the Fall (kurz: PotF) sind eine finnische Rockband ohne großes Label im Hintergrund. Die sechs Bandmitglieder Marko, Olli, Captain, Jaska, Jani und Jari machen alle großen Bereiche ihres Jobs selbst, finanzieren ihre Arbeit selbst vor und kümmern sich selbst um die Tourtermine. Sicher alles mit Hilfe, aber dennoch selbstverantwortlich. Eine Herangehensweise, die für eine Band, deren Alben (in Finnland) ein Abonnement auf die oberste Chartplatzierung haben, eher ungewöhnlich ist. Leider führt diese Selbstfinanzierung auch dazu, dass nicht immer genügend Geld da ist um international vertreten zu sein. So sah man sich als PotF Fan schon in einem Flieger um die Band mal in Moskau live zu sehen, eine Stadt in der sie schon häufiger zu Gast waren. Nun haben die Jungs jedoch mit Remote Music ein deutsches Label gefunden, das ihnen bei der Vermarktung in Deutschland unter die Arme greift. In Zukunft werden die Alben wohl nicht mehr mit mehreren Monaten Verspätung hier im Laden stehen, die Auskopplungen werden auch mal im Radio landen, und vor allem sind Liveauftritte nun möglich.

So fuhren also drei wackere Helden unter meiner Führung (sprich: ich war Fahrer) nach Mannheim in die Alte Seilerei. Doch wir waren nicht wie das gewöhnliche Fußvolk, nein, wir waren V.I.P.s! Zusammen mit grob 30 anderen V.I.P.s durften wir schon drei Stunden vor Konzertbeginn die Halle stürmen, uns am Merchandising Stand austoben (was ich mit großem Einsatz tat), dem Soundcheck beiwohnen, uns auch ein Probelied wünschen, sowie bei einem kleinen Meet and Greet Autogramme erhaschen, und der Band mal von Mann zu Mann sagen, wie toll sie doch sind.

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OK, das ganze war in etwas über einer Stunde abgehandelt und im Anschluss war zwei Stunden Warten angesagt, aber die Zeit konnte genutzt werden um sich mit anderen Fans auszutauschen wie sie auf die PotF aufmerksam wurden, schließlich ist es in Deutschland ja schon außergewöhnlich ihren Namen mal gehört zu haben (Gratulation, Ihr seid jetzt etwas besonderes!). Zudem resultierte der frühe Einlass auch in einer tollen Position knapp vor der Bühne. Ich konnte meinen Platz in Reihe Zwei zwar nicht verteidigen, Reihe Vier war aber auch hervorragend.

Mit leichter Verspätung begann dann kurz nach 20 Uhr das eigentliche Konzert, ohne Vorband, ohne zu viel Zirkus, ohne Schnörkel kamen sechs Musiker auf die Bühne, bereit zu rocken. Und genau das taten sie dann auch. Wie auf den bisher erschienenen fünf Alben wechselten sich auch hier kraftstrotzende Rocktracks und gefühlvolle Balladen ab, immer versehen mit den feingeschliffenen Wörtern, die dem geneigten Zuhörer Interpretationsspielraum lassen, ihm die Deutungshoheit über die vor ihm ausgebreiteten Geschichten geben, und in Union mit Gesang und Musik, sich mehr als ein Gefühl in das Herz einbrennen, als wirklich im Gedächtnis Spuren zu hinterlassen. Eines meiner Lieblingslieder handelt von Leidenschaft. Der Art von Leidenschaft, die jede Aufgabe, jede Tat, jeden Job zu etwas besonderem macht. Es ist nicht die Geschichte, die mich in dem Song fasziniert, es ist das Gefühl, das verständlich transportiert wird, das einfach mitgefühlt werden kann. Um so erstaunter war ich von anderen zu hören, dass sie einfach nur die Musik cool finden. Auch schön, wenn es so verschiedene Herangehensweisen geben kann.

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Kurz nach 22 Uhr war das Konzert vorbei. In den zwei Stunden hörte ich viele bekannte Lieder, teilweise etwas neu interpretiert, und zwei mir unbekannte Titel (darunter auch die Weltpremiere eines Songs auf Suomi). Ich habe einen fantastischen Abend verbracht, der die insgesamt vier Stunden Fahrt absolut wert war. Ich habe einen Sänger erlebt, der sich für Blödsinn nicht zu schade ist, Musiker, die ihre Instrumente hervorragend beherrschen, und insgesamt einen Auftritt, der den Spaß der sechs Jungs auf der Bühne verlustfrei zum Publikum transportierte. Sie wollten die Menge zum ausflippen bringen, und sie schafften es.

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Danke an alle beteiligten Menschen für den rundum gelungenen Tag, bei der nächsten Tour werde ich wieder mit dabei sein.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf Die offizielle Bandpage und den noch recht übersichtlichen offiziellen Youtube Kanal. Ich möchte auch nicht unterschlagen, dass es noch bis zum 30.11. eine Aktion im Digistore gibt, bei dem alle Werke der Band 50% günstiger zu bekommen sind.

Alle Bilder sind von mir geknipst worden mit meinem Lumia 800. Selbstredend können sie von Interessenten, die sich an der durchwachsenen Bildqualität nicht stören, frei genutzt werden.

Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me.

Da bloggen ja auch immer so ein wenig Selbsttherapie ist, muss ich mir gerade etwas Frust von der Seele schreiben.

Microsoft hatte ne tolle Woche. Sie scheinen mit Windows 8 wieder cool zu werden. Im Tablet und Convertible Segment war das ja auch keine so große Frage. Mit den beiden Surface Tablets haben sie am Montag sogar richtig nette Geräte aus Eigenherstellung präsentiert. Die Mindestpreise von 600$ für das RT Tablet und 800$ für das Ivy-Bridge Tablet sind auch gar nicht so aus der Luft gegriffen. Schöne Geräte aus interessanten Materialien (Magnesium für’s Gehäuse) und ein paar netten Details (Tastatur in der Schutzklappe, “Standfuß” an der Rückseite für den beidhändigen Onanierer) mit einem relativ realistischen Preis und einer guten Software, auch wenn Windows RT laut aktueller c’t wohl noch nicht ganz so rund laufen soll.

Nun war gestern das Windows Phone Summit. Von langer Hand angekündigt war wohl jedem klar, was kommen wird: Die Ankündigung von Windows Phone 8. Ja, so war das dann auch, und das System ist gut geworden. Die wohl wichtigste Änderung: Es basiert nun auf dem NT Kernel von Windows 8. Man könnte somit gut von einer kompletten Neuentwicklung des Smartphone Betriebssystems sprechen. Und da beginnen die Probleme.

Bei diesem Neustart scheint man sich einen Dreck um die Bestandskunden zu kümmern. Wiedermal. Microsoft hat mit dem Sprung von Windows Mobile 6.5 auf Windows Phone 7, bei dem es keine Updates von Geräten wie dem HD2 (was technisch durchaus möglich war, wie die XDA Developers bewiesen) gab, viele Kunden vergrault. Windows Mobile 6 hatte zum Schluss trotz all seiner zahlreichen Schwächen einen erheblich größeren Marktanteil als es WP7 heute hat. Die Kunden mussten sowieso einen Hard- und Softwarewechsel machen, warum dann nicht auch zur Konkurrenz? Und genau diesen Fehler macht Microsoft exakt zwei Jahre später wieder.

Ich halte Windows Phone 7 immer noch für ein gutes System. Ich nutze es sehr gerne und mein Lumia 800 ist wohl das angenehmste Smartphone, das ich je hatte. Es wird auch noch mindestens ein Update der 7er Schiene geben, das einige der oberflächlichen Neuerungen von Windows Phone 8 mitbringt. Den neuen Startscreen zum Beispiel. Allein die Präsentation dieses Zugeständnisses lässt aber nicht unbedingt Gutes für weitere Features hoffen. Doppelt ärgerlich, da das WP7 Flaggschiff Lumia 900 vor gerade mal einer Woche in Deutschland auf den Markt kam und es seit gestern Abend quasi zum alten Eisen gehört.

Aber worüber ärgere ich mich hier eigentlich? Ich habe ein Betriebssystem, mit dem ich gerne umgehe, mit dem ich zufrieden bin. Ich habe mich bisher über nichts beklagt und bekomme nun sogar noch eine überarbeitete UI, von der ich noch gar nicht wusste, dass ich sie wollte. Zudem brauche ich viele Windows Phone 8 Features ala SD Karten Support (ja, das gibt es jetzt, die Programmierer müssen 24/7 durchgearbeitet haben), Multicore Support, NFC, Business Hub und Skypeintegration nicht. Alles Zeug, was mir bislang nicht fehlt und in den nächsten 2 Jahren wohl auch nicht fehlen wird. Der einzige Punkt, der mich richtig enttäuscht ist die Inkompatibilität der WP8 Apps zu WP7 Geräten.

Die bisher für WP7 programmierten Apps werden auch auf den neuen Geräten laufen, umgekehrt hat man aber keine Chance. Warum sollte dann ein Programmierer seine Zielgruppe beschneiden und nur für WP8 programmieren? Weil es einfacher ist. Microsoft hat viel für Entwickler getan, vor allem können die aber den größten Teil ihres Codes einfach von einer Windows 8/RT App zu einer Windows Phone 8 App mitnehmen. Warum sollte dann für WP7 nochmal komplett neu programmiert  werden? Genau, es gibt keinen vernünftigen Grund.

Microsoft hat  zu Beginn seiner WP7 Zeit über Google hergezogen, dass die die Fragmentierung in der Androidwelt nicht verhindern würden. Nun machen sie es nicht besser, eher sogar schlimmer, durch die ganz klare technische Trennung in zwei unterschiedliche Bereiche. Ich begrüße den Schritt weg vom uralten Windows CE Kern hin zum aktuellen und ausgereiften Windows NT Kernel, das Zurücklassen der bisherigen Kunden ist aber eine furchtbare Entscheidung. Apple gab seinem Iphone 4 auch keine Siri, und das Ipad 1 bekommt kein IOS6, aber sie haben nicht dafür gesorgt, dass die alten Geräte austrocknen wie ein Gamecube im Dezember 2006.

Also, zweimal habe ich mir kurz vor einem radikalen Systemwechsel ein Smartphone mit Windows gekauft, zweimal bekam ich nach wenigen Monaten von Microsoft die Nachricht, ‘danke für Dein Geld, wir brauchen Dich nicht mehr’. Mein Verständnis ist mittlerweile relativ begrenzt. In der Googlewelt sieht es zwar nicht so viel besser aus, aber die haben damit auch keine Werbung gemacht. Ich sage nicht “nie”, aber im Moment sehe ich mich in naher Zukunft nicht mit einem WP8 Gerät rumrennen, in dem Segment hat Microsoft sehr viel Vertrauensvorschuss wieder rein zu holen. Zum Glück geht es letztlich nur um ein dämliches und unwichtiges Handy.

Alles wird wütender