Zuhause im X Universum

7 lange Jahre hat Egosoft am neuen Teil der X Reihe gewerkelt. 7 Jahre, in denen sie das Prinzip und den Status Quo der drei bis sechs (je nach Zählweise) Vorgänger auf den Prüfstand stellten. Es sollte keine Fortsetzung werden, es sollte ein Neuanfang werden. Nun ist X Rebirth erschienen und irgendwie fühlt sich eine halbe Stunde schon an wie die Rückkehr nach Hause. Nur leider nicht wegen dem Inhalt des Spiels.

Ich treibe mich schon seit vielen, vielen Jahren im X Universum rum. 1999 verschlang mich der erste Teil, der (mitsamt Add-on) gespielt wurde bis 2003 Teil 2 erschien. Kompliziert wurde es, als die nächsten Fortsetzungen alle X3 hießen, aber noch heute ist irgendein Teil der X3 Trilogie grundsätzlich auf meiner Festplatte. Dazu kommen fünf Romane und ein 25 stündiges Hörbuch. Ich verbinde mit diesen Spielen Anekdoten aus meiner Schulzeit und verschlafene Vorlesungen, weil man die Brücke seines Schleppers ja nicht verlassen kann, während dieser per Autopilot (!) durch’s All gleitet.

Und nun haben die Entwickler nichts mehr so gelassen, wie es die bisherigen 15 Jahre war. Das generelle Spielprinzip, umschrieben mit “Trade – Fight – Build – Think” ist unangetastet geblieben, aber davon abgesehen haben sie fast alles umgeworfen. Durch einen Zeitsprung in die Zukunft sind neue Charaktere im Mittelpunkt, eine Supernova hat den Aufbau und die Struktur des Universums umgeworfen und überhaupt funktioniert jetzt alles ganz anders. Keine Stargate-ähnlichen Sprungtore mehr um sauber getrennte Systeme anzufliegen, nein, jetzt gibt es Hochgeschwindigkeits-Highways. Nichts mehr mit fleißigem Schiffshopping, je nachdem was man gerade machen will, man ist nun an ein Schiff gebunden. Man bleibt trotzdem nicht nur im Sessel sitzen, man darf jetzt in Egoperspektive Raumstationen erkunden.

OK, ich sehe es ein, Veränderungen waren an der Zeit. Böse Zungen behaupten schon länger, Egosoft hätte seit 15 Jahren nur ein Spiel mit immer neuen Packungen auf den Markt gebracht. Zudem habe ich noch nicht lange genug an X Rebirth gesessen um die neuen Spielelemente wirklich zu bewerten. Eine Konstante ist jedoch geblieben, die bemerkenswerten technischen Probleme der X Titel. Es ist ein Bugfest.

1999 habe ich mich mit Bugs arrangiert. Sie trafen mich nicht hart und ich war leidensfähig. Teil 2 hat mich größtenteils verschont, da konnte ich die Probleme nur in Foren mitlesen. Die X3 Trilogie musste ich gut abgehangen genießen, die Verkaufsversionen hatten noch zu viele Probleme. Trotz dieser Erfahrungen blieb ich der X Reihe treu. Egosoft hat bisher noch jedes Mal die Technik gepatcht und als Entschädigung neue kostenlose Inhalte nachgeschoben. Den Deal mache ich nicht bei jedem mit, die Jungs haben bei mir jedoch eine gewisse Narrenfreiheit, die auch noch nie überstrapaziert wurde. Die Steam Foren sagen, es hat sich nichts geändert. Das neue Spiel stürzt beim Laden der Kampagne sofort wieder ab, Workarounds mit seltsamen Soundeinstellungen in den Tiefen von Windows existieren. Charaktere sprechen nicht, obwohl sie laut (zuschaltbaren) Untertiteln durchaus was mitzuteilen haben. Die Steuerung lässt sich nicht frei belegen, weil das Spiel beschlossen hat meine Controllertasten 1 & 2 für Bestätigen und Abbrechen zu nutzen. Wenn ich in der Steuerungskonfiguration nun also Button 2 betätige bricht das Menü ab anstatt den Button neu zu belegen. Die Charakteranimationen erinnern entfernt an die Geschmeidigkeit von Tekken 2 Begegnungen. Die Grafiken der Innenräume meines Schiffes stehen im krassen Gegensatz zur Schönheit des Alls. Der Weltraum lässt mich von der Zukunft träumen, die Innenräume wecken mich mit Erinnerungen an Deus Ex 2.

Alles in Allem ist dieses Spiel noch nicht fertig, und das wissen auch die Entwickler. 1,5GB Day-One Patch sprechen für sich. Dass an eben diesem Day-One nur wenige Stunden nach Freischaltung schon der nächste Patch da war, sagt noch mehr. Heute, quasi an Day-Two, wurden erneut 120 MB auf meine Festplatte geschaufelt. Und so werde ich meinen nächsten Ausflug ins X Universum wohl um ein Wochenende verlegen.

Ich wundere mich über mich selbst, aber ich bin deswegen in keiner und keinster Weise angefressen. Es ist schließlich nicht so, als hätte ich wirklich mit etwas anderem gerechnet. Und so ein paar Konstanten braucht der Mensch ja auch.

 

Alles wird buggy

I-War

Ich spiele nun schon was länger mit elektronischen Zeitverschwendern. Der Zeitraum lässt sich mittlerweile ganz gut in Jahrzehnten rechnen. Neben vielen Spielen, die „ganz nett“ oder „richtig in Ordnung“ waren, gibt es auch noch drei Typen von Spielen, die eine Sonderstellung in meinem Gedächtnis einnehmen.

1) Spiele, die so begeisternd waren, dass man sie auf einen Thron erhoben hat, den man heute (vielleicht ungerechtfertigt) nur noch aus der Distanz bestaunt.

2) Spiele, die so enttäuschend und schlecht waren, dass man sich bei einem Bier in geneigter Runde über sich selbst lustig macht. Wie konnte man sich da nur rein steigern?

3) Spiele, die so besonders waren, dass man sie entweder nicht verstand, oder zu der Zeit des Erscheinens noch nicht die Fähigkeiten besaß sie angemessen zu spielen.

Die Titel aus Kategorie drei umgibt eine besondere Aura, die höchst subjektiv ist und für sich genommen keine Wertung über die Güte des Spiel zulässt. Ein Beispiel:

I-War

I-War erschien 1997 für den PC. Es handelt sich um eine Weltraumsimulation mit (damals) guter Grafik, guten Soundeffekten, einer bemerkenswerten Story und einer unnachgiebigen Physik Engine. Dieses Spiel wollte eine mögliche Zukunft wirklich simulieren. Jedes Objekt im All hat eine spezifische Trägheit, die Bewegungsabläufe erinnern somit eher an die heutige Schifffahrt als an Star Trek. Der Spieler befehligt ein mittelgroßes Kampfschiff, das einen guten Kompromiss aus Beweglichkeit, Defensiv- und Angriffssystemen mit sich bringt. Und genau diese drei Bereiche funktionieren anders als sonst üblich.

Beweglichkeit

Wenn Ihr in der Realität mit Eurem Auto auf der Landstraße in Richtung X unterwegs seid, und Euch eine Kurve dazu nötigt Euren Kurs auf Richtung Y zu korrigieren, dann tut Ihr das indem Ihr einfach die Nase des Kraftfahrzeugs mittels Lenkrad in die entsprechende Richtung zieht. Die Reibung, und der Schlupf der Reifen auf der Straße sorgen dafür, dass Euer Auto brav folgt. Was passiert, wenn die Anforderung der Kurskorrektur die Fähigkeiten der Reifen übersteigt steht jeden Montag in der jeweiligen Regionalpresse. Im Weltall ist aber nicht viel mit Reibung. Die Nase lässt sich mit kleinstem Energieaufwand zwar drehen, die Flugrichtung beeinflusst das aber nicht merklich. Zu vergleichen mit dem kurzen Augenblick, wenn die Autobahn nur noch ca. 10 Meter lang, dafür aber viele hundert Kilometer breit ist. Meist steht man danach sogar in der überregionalen Presse. Also, was machen wir mit dem Raumschiff im All? Wir brauchen mehr Schubdüsen! Die Designer von I-War haben dem Schiff einen starken Hauptantrieb gegeben, mittelprächtige Düsen auf der Unterseite und relativ schwache Düsen an der Ober-, Vorder-, Backbord- und Steuerbordseite. Möchte man nun also seinen Flug von Richtung X um 90° in Richtung Y korrigieren, dann dreht man die Nase, wartet bis der Hauptantrieb die gewünschte Geschwindigkeit in Richtung Y hinbekommen hat, und wartet noch länger bis die seitlichen Düsen das “Schlittern” in X Richtung beendet haben. Hinzu kommen noch so Spielereien wie empfohlene Geschwindigkeitsbegrenzungen zu ignorieren, oder die Möglichkeit alle(!) Düsen manuell zu steuern. Die akkurate Physik des Titels macht schon einen simplen Übungsflug durch einen Ringparcours zum Abenteuer, nun ist man aber zumeist nicht alleine auf weiter Flur.

Defensivsysteme

Euer Schiff verfügt über 2 Energieschilde zur Abwehr feindlichen Beschusses. Eins für die obere Hälfte der Hülle, eins für die untere. Somit ist es schon einigen anderen Raumschiffen im I-War Universum überlegen, doch trotzdem bieten sie eher geringen Schutz. Die Schilde bilden nicht einfach eine Blase um das Schiff, sie müssen Gegner anvisieren und schützen dann auch nur gegen Beschuss eben dieses Feindes. Somit lassen sich nur die Angriffe von zwei Gegnern abfangen, ein Gegner über Euch, einer unter Euch. Am Heck seid Ihr generell verwundbar, den Hauptantrieb schützt kein Schild. Das sorgt nicht nur dafür, dass Ihr jederzeit sehen solltet, dass Ihr Eure Gegner auf’s Korn nehmen könnt, sondern auch, dass niemand hinter Euch ist. Oder alle über Euch, niemand unter Euch. Oder, oder, oder. In größeren Schlachten artet es in Arbeit aus.

Angriffssysteme

Ihr habt zwei Hauptwaffensysteme: Raketen und Plasmastrahlen. Das Ganze in doppelter Ausführung, einmal nach vorne, einmal nach hinten. Die Waffen sind jedoch nicht mittig angebracht, sondern der vordere Plasmastrahl hängt an der rechten Seite des Schiffes, und er kann (zum Glück) nicht durch Euer Cockpit feuern. Zusätzlich zu der richtigen Positionierung der Schilde sollte nun also der Gegner auch noch auf Eurer rechten Seite fliegen, damit Ihr auch zurückfeuern könnt. Um es nicht zu leicht zu machen, starten Raketen natürlich auf der jeweils anderen Seite.

1997 war ich 14 Jahre alt. Ich war komplett überfordert. Es ist seltsam, dass mir das Spiel nicht in negativer Erinnerung blieb. Aber die Spielmechanik war nicht gemein, sondern realistisch. Ich wusste durchgehend, dass ich zu schlecht bin, nicht das Spiel zu schwer. Dieses Wissen war schmerzhaft (ich hatte zu dem Zeitpunkt schon eine große Menge an Mega Man Spielen erfolgreich beendet, und die schulen schon den Charakter), aber auch motivierend. Heute zeigt ein Spiel gerne über die komplette Spielzeit an, dass man sich an der Kiste, die man soeben passierte, per Knopfdruck hinhocken könnte. Jedes Mal. Jede Kiste. Acht Stunden lang. Damals musste man für solche Geheimnisse noch das Handbuch wälzen. Am liebsten abends vor dem Gang zu Bett. Oder danach im Bett. Oder unter der Bettdecke. Ja, es gehörte Leidenschaft dazu. Aber egal wie ich es anfing, spätestens bei der vierten Mission war Schluss für mich. Zu wenig taktisches Verständnis beim Spieler, soviel war mir klar. Die SpielCDs bekamen einen Ehrenplatz im Schrank, verstaubten da jedoch trotzdem.

Und nun ist alles viel besser. Das Spiel wurde auf aktuellen Systemen lauffähig gemacht und für grobe 2€ auf gog.comverkauft (Angebotspreis, mittlerweile sind es grobe 4€). Ich habe natürlich sofort zugeschlagen, meinen Joystick wieder in Betrieb genommen und scheitere nun an Mission 3. Ob meine Freundin etwas dagegen hat, wenn ich mit dem Handbuch im Bett…

 

Alles wird intergalaktisch

Living Things – Linkin Park

Ich mag es nicht Musikempfehlungen nach einer eigentlich zu kurzen Reinhörzeit abgeben zu müssen, aber diesmal möchte ich dies mit aller gebotenen Vorsicht tun. Wenn ich schon mal die Gelegenheit habe einen Tag früher als alle anderen eine CD hören zu dürfen, dann soll auch was bei rausspringen. Heute also erscheint Living Things offiziell, das bislang fünfte Linkin Park Studioalbum.

Ich möchte nicht auf die bisherige Bandgeschichte eingehen. Sagen wir einfach, nicht alle Fans der ersten Stunde sind mit den letzten beiden Alben zufrieden. Gerade das letzte, A thousend Suns, wurde eher kontrovers aufgenommen. Für mich ist es eine fantastisches Werk. Ich musste mich etliche Monate reinhören, aber mittlerweile ist es eine klare 10/10. Dementsprechend vorsichtig sollte ich nun sein, denn Monate Zeit hatte ich noch nicht mit Living Things.

Zuerst einmal beginnt das Album wie es sich wohl die alte Fanriege gewünscht hat. Rockig. Nicht ganz so deftig wie zu Hybrid Theory Tagen, aber schon ganz ordentlich. Und dann, ja dann wird es immer elektronischer. Den Musikstil möchte ich mal vorsichtig mit Industrial beschreiben. Phoenix und Brad treten zurück, Joe Hahn kommt in den Vordergrund. Wer dachte die erste Auskopplung, Burn it down, hätte schon recht zahlreiche elektronische Akzente, der wird sich später im Album wundern. In einem Song wird es für mich sogar schwierig eine Melodie, abseits von Mikes rapping sogar einen Takt zu finden.

Wieder einmal ist das Album also anders als alles zuvor, jedoch nicht mehr so radikal wie zuletzt. Etliche klassische LP Elemente sind wieder zu finden: Die kurze Gesamtspieldauer von 37 Minuten und der vorletzte Track ist wieder instrumental. Scherz bei Seite, es sind viele klassische Elemente wieder vorhanden, jedoch durchweg neu gemixt. Grob die Hälfte der Tracks sind rockige Linkin Park Songs, die die Handschrift der Band klar erkennen lassen und nicht mehr unbedingt so radiokompatibel sind wie die letzten Auskopplungen ihrer CDs.

Mir fällt eine endgültige Beurteilung des Albums noch sehr schwer, seit dem dritten durchhören macht es Spaß und der Fuß wippt rhythmisch mit, ab und an reißt sich auch mal eine Faust in die Luft. Obwohl die Band wieder anders klingt als zuvor könnten diesmal mehr alte Fans zufrieden sein. Kaufen oder nicht? Wer die Reise der Band bisher durchgehend mochte, der wird auch hier zufrieden sein. Ohne Zweifel, einfach kaufen. Wer seinen Geschmack nach Meteora nicht mehr getroffen sah, der könnte jetzt wieder glücklich werden, muss jedoch unbedingt reinhören.

Alles wird ersteindrücklich

Windows 8 Release Preview

Seit etwas über einer Woche ist nun die letzte Vorabversion von Microsofts kommenden Betriebssystem Windows 8 verfügbar. Die sogenannte Release Preview hat nun einen fast fertigen Stand, steht kostenlos auf Microsofts Servern zur Verfügung, kann von jedem heruntergeladen und ausprobiert werden, ist aber immer noch nicht fertig und kann auch schwerwiegende Fehler enthalten. Soviel zu den langweiligen Dingen, die gesagt werden mussten.

Nun zu den erstaunlichen Dingen: Microsoft traut sich was. Während die alten Rebellen von Apple seit einiger Zeit nur noch Updates zur Pflege des Systems herausbringen und die Änderung der Standardscrollrichtung des Mausrades das (an der Anzahl der Userkommentare gemessene) größte Feature in vielen Jahren war, traut sich Microsoft Dinge über den Haufen zu werfen, die man über mittlerweile 17 Jahre eingeimpft bekam.

Start

Das Startmenü, dass sich seit Windows 95 unten links hinter einem Startknopf, einem Ball oder sonst was mit einem Windowslogo verbarg ist nun weg. Neu ist dafür der oben zu sehende Startbildschirm mit den von Windows Phone 7 bekannten Livetiles. Hinter jeder dieser Kacheln befindet sich ein Programm, das durch anklicken gestartet wird. Der Vorteil gegenüber einem simplen Desktopicon liegt darin, dass die Programme Infos direkt auf der Kachel darstellen können. Da zeigt die Mail Kachel schon den Absender und den Betreff der zuletzt empfangenen eMail, der Kalender zeigt den nächsten Termin, die Nachrichtenkachel präsentiert die neueste Headline und und und. Dafür müssen die Kacheln aber leider eine gewisse Mindestgröße aufweisen, und die führt uns zum Nachteil dieser (Metro getauften) Oberfläche: Sie nimmt Platz weg. Mit einer Maus lässt sich ein nur wenige Pixel großer Bereich schnell und zuverlässig treffen, das hier grenzt an den berühmten Schuss auf’s offene Scheunentor. Wenn die Anzahl der Kacheln zu groß für einen Bildschirm wird geht es nicht wie gewohnt unten weiter, sondern rechts. Horizontales scrollen ist generell unbeliebt, um an die gewünschten Programme zu kommen erst recht.

Zudem bekommt nicht jedes Programm die Möglichkeit die Vorteile zu nutzen. Nur die neu programmierten Metroapps bekommen Zugang zu den erweiterten Möglichkeiten. Ja, genau, Apps. Stilecht mit eigenem von Microsoft geführten Store, ganz nach Appstore Vorbild von Apple.

Store

Bislang sind alle Apps in diesem Store kostenlos, ein Umstand, der sich mit Launch des finalen Systems ändern wird. Natürlich laufen auf Windows 8 nicht nur die neuen Apps, sondern auch nahezu alle anderen, mit Windows 7 kompatiblen Programme. Diese landen zwar auch mit einer Kachel auf dem Startbildschirm, mehr als ihr Icon und ihren Namen dürfen sie dort jedoch nicht anzeigen. Da sich Programme auf dem Startbildschirm beliebig bewegen und sogar entfernen lassen gibt es auch noch eine Appübersicht, die die Menüstruktur des alten Startmenüs zumindest wieder erahnen lässt.

Apps

Sobald ein normales Windowsprogramm gestartet wird, verschwindet der Startbildschirm und es erscheint der altbekannte Desktop, dessen Design jedoch noch nicht final ist. Leichte Anpassungen werden da noch folgen (wie zum Beispiel der Verzicht auf die Transparenzeffekte).

Desktop

Irgendwie ist also doch alles da, was man kannte, aber doch wieder ganz anders. Es wird viel Einarbeitung in Windows 8 erforderlich sein, vor allem da ich noch lange nicht auf alle Änderungen an der Oberfläche eingegangen bin. Wofür das Ganze? Riesige Klickbereiche und bildschirmfüllende Ansichten wann immer möglich, die meisten werden es wohl erkannt haben, Microsoft will auf den Markt der Touchdevices. Gerade Tablets sind das Ziel, aber auch Touchscreens an einen normalen PC zu bekommen. Nun sind das aber nicht nur vom Handling, sondern vor allem von der Technik zwei Welten. Die x86 kompatiblen Intel und AMD CPUs auf der einen Seite, und die ARM Plattform auf der anderen. Da die ARM Prozessoren zwar extrem energieeffizient sind, aber dafür bei der Performance nicht gegen die alteingesessene x86 Technik ankommen, musste Microsoft hier doch etwas trennen. Es wird Tablets mit Intel und AMD Prozessoren geben, auf denen Windows 8 läuft, auf der bisher bekannten Tablettechnik wird hingegen nur eine eingeschränkte Fassung namens Windows RT laufen. Windows RT bringt keinen Desktop mit und wird einzig und alleine Metroapps unterstützen. Wie die potentielle Käuferschaft auf die Fragmentierung des Windowstabletmarktes reagieren wird ist schwer zu sagen, aber der ein oder andere wird sich wohl wundern, dass auf seinem Schnäppchen leider nicht das gewünschte Steuersparprogramm ausgeführt werden kann, sondern er alles neu kaufen soll.

Damit wären wir bei den Änderungen unter der Oberfläche. Während bei Windows RT vieles neu ist, wird Windows 8 auf den bewährten NT Kernel zurückgreifen, natürlich eine aktualisierte Version. Windows 8 ist schnell. Auch ohne den Einsatz einer SSD ist der Bootvorgang durch etliche Tricks deutlich beschleunigt worden. Der Wechsel zwischen Desktop und Startbildschirm verläuft sehr schnell und absolut flüssig. Der Kopiervorgang von Dateien hat nun neue Anzeigen bekommen und vor allem lange erwartete Pausebuttons zum Unterbrechen von Dateioperationen. Der neue Taskmanager zeigt sinnvoll weitere Informationen zu den laufenden Programmen und generellen Systemwerten an.

Taskmanager

Verschiedene Benchmarks lassen auch schon vermuten, dass Windows 8 mit finalen Treibern ein gutes System für Spiele bildet. Das liegt sicher nicht am mitgelieferten Direct X 11.1, da die Release Preview noch mit Direct X 11 arbeitet. Der überarbeitete Scheduler soll noch besser mit vielen Kernen zurecht kommen, wovon vor allem die neuesten AMD Prozessoren profitieren sollten. Unterm Strich hat sich am Unterbau nichts gigantisches getan, aber viele kleine positive Änderungen haben Einzug gehalten.

Ich werde recht bald nach dem Erscheinen auf Windows 8 umsteigen. Mein aktuelles Windows 7 wird dann auf einen zweiten PC oder in eine VM ausgelagert, wo es dann mein altes Windows Vista ersetzen wird. Dabei ist diese Anschaffungsabsicht gar nicht wertend zu verstehen. Ich kaufe das System nicht, weil ich es so unsagbar genial finde, sondern einfach, weil ich zuhause an meinem PC gerne herumspiele und auch gerne neue Konzepte austeste. Die Vorversionen haben mir bisher nur zu verstehen gegeben, dass das System kein Totalausfall ist. Ich glaube, dass sich mit Windows 8 genauso schnell arbeiten lässt, wie mit dem Vorgänger, ich glaube aber nicht, dass ein Umstieg wirklich von Nöten sein wird, dafür ich Windows 7 zu ausgereift und zu stabil. Für mich als Bastler aber nach zwei Jahren im Einsatz auch zu langweilig.

tl;dr

Es gibt sehr viel Neues im Bedienkonzept von Windows 8, so neu, dass es viele Menschen zuerst einmal abschrecken wird. Unter der Haube hat sich nicht so viel getan, die Änderungen, die eingeflossen sind machen die Arbeit mit dem System jedoch angenehmer. Letztlich ist der Erfolg aber mindestens so fraglich, wie beim ungerechtfertigt verschrienen Windows Vista.

Alles wird tl;dr

Rächer

Ich komme mir mal wieder verarscht vor. Diesmal vermutlich unberechtigt, aber ich befürchte, das ist mittlerweile die Ausnahme.

Ich war Anfang der Woche in The Avengers*. Den Streifen gibt es anscheinend nur in 3D, und so saß auch ich mit Brille im Kino und freute mich darauf ein wenig Action entgegen geworfen zu bekommen. Bereits während des ersten Trailers begann mein Hirn zu schmerzen und irgendwie bemerkte ich, da stimmt was nicht. Nun habe ich ja genug Physikvorlesungen besucht um zu bemerken, das richtige Bild erreichte das falsche Auge. Die Polarisationsfilter auf meiner Brille gehörten vertauscht. Nun wollte ich aber nicht anfangen an dieser fragilen Plastikkonstruktion im dunkeln Raum herum zu doktern, und entschied mich geistesgegenwärtig dafür die Brille einfach umzudrehen. Es war unbequem und störte die Immersion vehement, aber das Bild war gut und die Kopfschmerzen hörten auf.

Was soll der Quatsch? Warum kommt man auf die Idee mal eben die Polarisation der Bilder zu tauschen? Ich denke nicht, dass es nur gemacht wurde um neue Brillen zu verkaufen, aber es war schon mein erster Gedanke. Vermutlich haben sie einfach die Technik erneuert und dann war es halt so, aber ich bin schon so weit den Betreibern zuerst einmal Absicht zu unterstellen. Zu oft wurde mir schon ohne Grund ein neuer “Standard” vorgesetzt, ohne, dass es plausible Gründe gab. Da hatte das Handy einfach mal eben einen neuen Stecker, damit man das alte Zubehör bloß nicht weiter verwenden konnte. Da musste mal eben ein neues Speicherkartenformat erfunden werden, damit ich bloß kein kostengünstiges Standardmodell erwerben kann. Da müssen Druckerpatronen mal eben einen Chip aufgelötet bekommen, damit bloß kein Drittanbieter die Preise in etwas realistischere Gegenden drücken kann.

Wenn technische Gründe vorliegen nehme ich das alles hin, aber so ist es ja nur sehr selten. Zumeist wollen die Firmen einem einfach nur mehr Geld aus der Tasche leiern. Fertig, keine weiteren Geheimnisse und keine weiteren Gründe. Geld. Mehr Geld. Schluss. Das nervt mich dermaßen, dass ich mittlerweile allen Firmen erst einmal böse Hintergedanken unterstelle. Dabei gibt es doch auch die guten Menschen. Die (zumeist kleinen) Händler, die mich auf solche Späßchen aufmerksam machen, und die mir Alternativen aufzeigen. Die die Rattenschwänze kennen, die ich mit einem Kauf ungewollt und unbeabsichtigt mit erstehe. Vielfach sind es die kleinen Läden, die sich gegen große Mitbewerber (und dank Amazon hat mittlerweile doch JEDER einen großen Mitbewerber) durch Service behaupten müssen. Für Tipps auf der Suche nach den guten Läden wäre ich dankbar.

*) Filmkritik für Leute mit Avengersvorwissen: Der Film funktioniert nach ganz klaren Comicregeln. Große Bedrohung (in Anlehnung an die erste Rächer Storyline geht es auch diesmal gegen Loki), viele Helden werden zusammengeführt, hauen sich gegenseitig auf die Nase, raufen sich zusammen und retten den Tag / die Stadt / die Welt / meine Oma. Die Story hat etliche Logiklücken, welche durchaus in Comicgeschichten so nicht passieren sollten, aber stören kann das den Filmgenuss nicht mal ein bisschen. Ganz wie in den Avengers Comics haben alle Hauptfiguren ihre eigenen (Film-)Reihen um den ganzen ruhigen zwischenmenschlichen Kram zu erledigen, hier kann also gespart werden um die Geschwindigkeit hoch zu halten. Das funktioniert schon dadurch sehr gut, dass zwischen den Figuren hin und her geschaltet wird und man das Gefühl hat gerade die Konferenzschaltung mehrerer Filme zu sehen. Unterschiedliche Fronten, aber nur Highlights. Herausgekommen ist ein wunderbares Actionkino, dass von Anfang bis Ende Spaß macht ohne auch nur einmal die grauen Zellen zu überfordern. Dass sich nun ein paar Comicfans hinstellen und über die Unterschiede zwischen Film und Vorlage (Maria Hill als Nick Furys rechte Hand, Captain America als Gründungsmitglied der Rächer) schimpfen dürfte wohl normal sein und kann getrost ignoriert werden.

Ich kenne jedenfalls zwei Damen, die vermutlich im nächsten Sommer mit einem Joss Whedon Tattoo auf dem Hinterteil herumlaufen werden.

Genommen, Ernst

Rezensionen sind eine Menge Arbeit. Zuerst einmal benötigt es Zeit um das zu rezensierende Objekt ausgiebig zu testen, zu lesen, zu spielen, zu sehen. Dann sollte man noch eine stichhaltige Bewertungsmatrix anwenden, die subjektiven Eindrücke in objektive Fakten überführen, auch nicht ganz ohne. Zu guter Letzt darf man das so entwickelte Rohmaterial noch in eine angenehm zu lesende Form pressen. Ich würde nun gerne über zwei Geschichten sprechen, bei denen ich aber schon am ersten Punkt der Arbeit scheitere. Beide Geschichten habe ich erst zu 20% durch, und dennoch glaube ich viele wichtige Dinge schon jetzt sagen zu können.

Catherine

Bei Catherine handelt es sich um ein Konsolenspiel, das einen ungewöhnlichen Genremix darstellt. Der größte Part besteht aus einem Puzzleteil. Eine Steilwand ist zu erklimmen, dazu lassen sich Blöcke verschieben und zu Treppen zusammenfügen. So weit, so unspektakulär. Viel interessanter ist für mich der Adventureteil des Titels. Protagonist Vincent ist hauptsächlich am Spaß im Leben interessiert. Er hat seit etlichen Jahren eine Beziehung zur erfolgreichen und zielstrebigen Katherine, hat gerade zum wiederholten Male seinen Job gewechselt ohne sich zu verbessern und lebt so vor sich hin. Dieses bequeme Leben nähert sich nun aber dem Ende. Gemeinseme Wohnung mit Katherine, Heirat, eine mögliche Schwangerschaft, Vincent ist überfordert… und erwacht nach einem alkoholreichen Abend neben der 10 Jahre jüngeren Catherine, die seiner Vorstellung einer perfekten Frau schon ziemlich nahe kommt. Vorwärts getrieben wird die Story durch Unterhaltungen mit anderen Menschen in Vincents Stammkneipe. Jeder hat dort seine Probleme. Beziehung, Job, Lebenskrise, alles vertreten, die bekannt gewordenen Todesfälle unter untreuen Männern bilden da nur die Spitze des Problemberges. Und genau da haben wir den Punkt, auf den ich hinaus möchte. Es gibt ein halbes Dutzend verschiedener Endsequenzen der Story, Vincent brennt durch, Vincent bleibt bei seiner Freundin, Vincent endet alleine, alles möglich, und ich kann es beeinflussen. Manchmal durch Entscheidungen, bei denen ich keine Ahnung habe, welche Konsequenzen sie mit sich tragen, manchmal ganz offensiv. Das Spiel nimmt mich ernst und arbeitet mit meinen Entscheidungen um ein Thema zu behandeln, das mir interaktiv bisher noch nicht vorgesetzt wurde. Bücher und Filme behandeln solche menschlichen Begebenheiten gerne als Drama, da bin ich aber verdammt zuzusehen was sich der Drehbuchschreiber ausgedacht hat. Nun habe ich in Spielen schon ganze Universen gerettet, ich habe Drachen erschlagen und Prinzessinnen geehelicht. Alles schön soweit, doch das Thema der realistischen Lebensplanung habe ich noch nicht einmal bei den Sims entdecken können (aber wer 30 Minuten für eine Pinkelpause benötigt, hat vielleicht auch einfach andere Prioritäten). Über die optische Aufbereitung des Spiels lässt sich streiten. Gezeichnete Animesequenzen inklusive aller Klischees mit sprechenden Schafen und mordenden Albtraumbabys empfinden manche sicher als unpassend, aber mich stören sie in keinster Weise.

Catherine oder Katherine?

 

Daemon – Die Welt ist nur ein Spiel

Bei Daemon handelt es sich um ein Buch des Amerikaners Daniel Suarez. Dieser war als Softwareentwickler tätig und scheint nun das Schreiben für sich entdeckt zu haben. Bislang gibt es von ihm die beiden Bücher Daemon und dessen Fortführung Darknet, beide auch schon auf deutsch. Mein Kindle verrät mir, dass ich momentan sogar noch knapp unter der 20% Marke hänge, dies werde ich aber wohl bald ändern. Der Thriller handelt von Morden im Umfeld eines Softwarekonzerns, die recht schnell offenbaren, dass hier kein Mensch einen Auslöser drückt, sondern raffiniert ausgetüftelte Computerprogramme den Menschen das Licht ausblasen. Der Schuldige ist schnell gefunden, die Gefahr durch den von ihm programmierten Daemon aber noch lange nicht aufgehalten. Nicht nur, dass die Schreibweise Herrn Suarezs sehr angenehm ist und die Spannung sehr gut transportiert, nein, er weiß auch noch von was er schreibt. Keine Aneinanderreihung möglichst kompliziert klingenden Technikblablas nur um kompetent zu wirken. Keine Andeutungen, die den Leser verwirren und dem Autor die Arbeit des Nachdenkens ersparen. Nein, seine Ausführungen über die verwendete Technik sind logisch und genau so erklärt, dass der interessierte Laie versteht, und der wissende Profi nachvollzieht. Daniel Suarez nimmt seine erdachte Welt und den Leser ernst. Zu oft passiert eben dies nicht, wenn man ohne Recherche die Hälfte aller Fakten aus einem Galileo Bericht widerlegen kann, wenn man einen Science Fiction Film abschaltet, weil die Fiction nicht reicht um die Löcher in der Science zu kaschieren, immer dann fragt man sich, für wie doof die einen eigentlich halten.

Nochmal, dies hier sollen keine “kauft Euch!”-Rezensionen sein. Zu viel kann sich mir noch in den fehlenden 80% Inhalt  offenbaren, was mir sauer aufstößt und den Spaß auch im Nachhinein verdirbt. Es sollen Rezensionen sein, die aufzeigen, was diese beiden Geschichten in meinen Augen besonders macht (wohl wissend, dass es da draußen vermutlich etliche andere, ähnliche Storys gibt, die mir nur noch nicht bekannt sind). Ich werde ernst genommen, als nicht mehr pubertierender und nicht mehr unwissender Mensch, der ich bin. Mehr davon, auch wenn ich fürchte, dass dieser Weg zielgenau am Mainstream und dem finanziellen Erfolg vorbei führt.

Alles wird erwachsen