Videospiel A – Anachronox

Hierum geht’s:

2001 gab es viele Spiele, die für Spieler bis heute Meilensteine darstellen, Max Payne, GTA3 und Gothic zum Beispiel. Anachronox ist dazwischen gnadenlos untergegangen. Schade und verständlich zugleich.

Ein Sci-Fi-Rollenspiel zu veröffentlichen ist abseits der bekannten Marken schon risikoreich. Ihm dann einen westlichen Look zu verpassen, das Kampfsystem jedoch japanisch (jawohl im Stil alter Final Fantasys) zu gestalten war leider finanzieller Selbstmord. Erschwerend kam hinzu, dass die Grafik auf Basis einer modifizierten Quake II Engine schon zum Erscheinungsdatum hoffnungslos veraltet wirkte. Was dem Spiel dennoch zu einer kleinen Gemeinde an nostalgisch zurückblickenden Fans verhalf war und ist seine Story. Man nimmt Teil am verpfuschten Leben des Privatdetektivs Sylvester „Sly Boots“ Bucelli. Er hält sich mit kleinen Gelegenheitsjobs mit viel Glück über Wasser, aber eigentlich handelt es sich bei ihm um eine gescheiterte Existenz. Zu Beginn des Spiels sehen wir Sly in seinem Büro (eigentlich ein besserer Abstellraum im oberen Bereich einer Bar), wie er am Boden liegend Schläge kassiert. Einen unfreiwilligen Ausflug durch das Bürofenster später scheint die Nachricht bei Sly angekommen zu sein. Er braucht Geld. Zusammen mit seiner kürzlich verstorbenen Partnerin, deren Geist nun in einem kleinen pfeilförmigen Gleiter gefangen ist, begibt er sich an die Lösung eines Brot und Butter Auftrags. Dieser startet natürlich Ereignisse, die Sly und zahlreiche andere absurde Charaktere auf ein weltenumspannendes Abenteuer führen.

Gespielt wird dabei aus einer Third-Person Perspektive bei der der bereits erwähnte Gleiter Eurer Partnerin Fatima als Mauscurser dient. Anachronox erinnert dadurch bewusst an Navi aus Ocarina of Time, allerding ohne das ständige „Hey listen“. Fatima schlug ihr Ableben (und die Unfähigkeit ihres Partners) heftig auf’s Gemüt, so dass sie sich Höflichkeitsfloskeln spart und direkt ihrem beißenden Sarkasmus freien Lauf lässt. Generell sind die Unterhaltungen der Figuren für den einen oder anderen Lacher gut.

Die Alienwelt Anachronox, die über weite Strecken des Titels als Schauplatz dient, reiht sich wunderbar ein in die Riege der Absurditäten. Der Planet ist in Sektoren eingeteilt, die sich gegeneinander verschieben, gut vergleichbar mit einem Rubikwürfel. Zudem wirkt die Schwerkraft des Planeten nicht immer in die gleiche Richtung, die RPG-typische Dungeongestaltung kann also auch gerne mehrmals durch einen Raum führen, nur halt mal an Wänden und Decken.

Darum erwähne ich es:

Grummelige und verquere Charaktere bringen mein Herz zum Hüpfen, vor allem in Spielen. Eine schöne Science Fiction Geschichte tut ihr übriges. Ich kann Anachronox weder die altbackene Grafik vorwerfen, noch das östlich inspirierte Kampfsystem. Denn beides erledigt seine Aufgabe. Die Welt, die auf dem Bildschirm landet ist nicht wirklich schön, aber glaubhaft, verständlich und in sich kohärent. In meiner Erinnerung ist der Planet Anachronox ein glaubwürdiger Schauplatz für eine abgedrehte Story rund um faszinierende Charaktere. Allerdings erinnere ich mich auch noch an nervige Minispielchen und unnötige Längen im Kampfsystem. Diese haben den Spielspaß nicht dauerhaft getrübt, so dass das gesprochene Wort “Anachronox“ bis heute ein wohliges Gefühl in meinem Brustbereich auslöst. Und ich finde, Ihr solltet den Namen zumindest mal gelesen haben.

Empfehlung:

Ich kann nicht pauschal empfehlen das Anachronox zu spielen. Man muss schon eine Retro-Ader (und zu viel Zeit) haben um sich in ein normal langes Rollenspiel zu vertiefen. Habt Ihr beides, dann gibt es keinen Grund es nicht auszuprobieren. Eine voll funktionsfähige Version verkauft GoG.com, einen Patch für deutsche Untertitel gibt es auf Nachfrage gerne bei mir (oder Onkel Google).

Bildmaterial:

Official Game Trailer

 

Weitere Nominierungen:

Alan Wake:
Tolle Thriller mit fantastischer Atmosphäre. Allerdings wissen das wohl die Meisten schon. Ach ja, geile Mukke!

American McGee’s Alice:
Noch abgedrehtere Charaktere frei nach Lewis Carroll. Wunderbare Geschichte und geniales Leveldesign, dabei aber spielerisch nicht sehr gehaltvoll.

Audiosurf:
Mein persönlicher Lebenszeitdieb Nummer 1. Zu vergleichen mit einem Puzzlespiel: Leicht erlernbar, schwer zu meistern. Nur meine Lust darüber zu schreiben hielt sich in Grenzen.

Asura’s Wrath:
Schöne Geschichte und tolle Aufmachung für alle Anime-Fans. Aber auch nur für die.

Videospiele von A bis Z

Es nervt mich Perlen zu verpassen.

Immer mal wieder kommt ein Spiel, dass nur für mich gemacht ist. Es hat Ecken und Kanten, die mich nicht stören, und es hat Stärken, die mich exakt ansprechen. Oni war so ein Titel. Als ich die ersten bewegten Bilder im Jahre 2001(!) im Fernsehen(!!) in Giga Games(!!!) sah wusste ich, da werde ich viele, viele Stunden mit verbringen. Es ist immer noch das Spiel, das ich am häufigsten durchgespielt habe. Und das behaupte ich ohne mitgezählt zu haben. Objektiv betrachtet konnte ich den Titel aber bereits damals niemandem blind empfehlen.

Vor kurzem dann ein neuer Fall: Binary Domain erschien vor ziemlich genau einem Jahr auf der Bildfläche. Durch die Bank weg als solider 70er Titel bewertet, und das passt soweit auch… wenn da nicht diese fantastische Geschichte und diese eine herzerwärmende KI-Mitstreiterin wäre. Ich bin absolut geflashed von dem Titel. Warum habe ich erst jetzt etwas von dieser Spieleperle mitbekommen, zu einem Zeitpunkt, in dem es für den Publisher wegen miserabler Verkäufe schon um eine Drittverwertung geht (<hint> zum Beispiel auf der Cover DVD einer PC Spielezeitschrift ab dem 24.4. </hint>)?

In dem einen Fall geht es mir wenigstens nicht nur alleine so. Der gute Herr Andreas von Polygamia nahm Binary Domain im Juni 2012 sogar zum Anlass um einen sehr lesenswerten Kommentar über die PR Abteilungen von Spielepublishern zu schreiben. Ich könnte mich jetzt auch in allgemeine Erzählungen verlieren, oder versuchen Euch ein wenig aus meiner Spielewelt zu berichten, von den paar (meiner Meinung nach) unterschätzten Titeln, die ich trotz aller Widrigkeiten entdecken konnte. Von den Titeln, die mir nach vielen Jahren noch im Gedächtnis geblieben sind. Nicht neu angefasst, sondern mit der kompletten Ladung Verklärung, die diese Jahre so mit sich brachten.

Unser Würzburger Blogopa Hazamel, durchgehend Garant für gute Ideen, hatte nun sein neues Projekt vorgestellt (und bereits begonnen). Die Videospielewelt erklärt anhand von schmissigen Begriffen, einmal durch’s Alphabet. Den Stress, zu jedem Buchstaben ein erwähnenswertes Spiel zu suchen, wollte er sich nicht geben. Tja, da komme ich kleine Schreibschlampe ins Spiel. Bei einem ersten Brainstorming habe ich 45 Titel zusammengetragen, die sich auf 26 Buchstaben verteilen. Ich denke, ich werde nur Stress haben die Liste erbarmungslos zusammen zu kürzen. Dennoch, das wäre eine schöne Aufgabe für meine zahlreichen Zugfahrten im Moment. Ihr könnt hier also in den nächsten Monaten/Jahren eine (für meine Verhältnisse gigantische) Contentflut erwarten. Hell yeah!

Alles wird schreibwütig