Schifffahrtsfreuden

Eines Tages beschloss die vierköpfige Urlaubsgesellschaft einen Ausflug in den Süden zu unternehmen. Baltimore wurde anvisiert. Rasch befanden sich alle in unserem motorisierten Gefährt und waren startklar. Nachdem die richtig wichtigen Dinge bereits in Skibbereen geklärt wurden (boah, hier gehen wir aber hinterher essen), suchten wir uns in Baltimore nicht unweit der Schiffsanlegestellen einen Parkplatz und begaben uns kurz entschlossen auf einen Kahn nach “Cape Clear Island”, eine kleine Insel vor der Küste Irlands mit ungefähr 140 durchgehenden Bewohnern.

Die Fahrt durch die Buchten vor Irland war malerisch. Links und rechts flankierten kleinste Inseln unseren Weg, alle mit dem typischen hiesigen Gesteinsmusterversehen, das so erscheint, als hätte man die Inseln mit dem Pinsel aus dem Wasser geschoben. Ich stand einsam am Bug des ca. 15 Meter langen Schiffes, das ruhig vor sich hin gleitete. Und dann waren die Inseln auf einmal weg und es war nicht mehr viel mit Bucht, ab jetzt war es Atlantik.

Die erste Welle, die meine Füße benetzte, lachte ich noch freundlich an, die zweite war schon nicht mehr so nett. Die dritte wurde vom Bug nach oben katapultiert, zahllose einzelne, Jelly-Bean-große Tropfen funkelten eine halbe Sekunde vor mir im diffusen Sonnenlicht, bevor sie mir mit aller Macht in die wenige Stunden zuvor geduschte Fresse schlugen. Genug Salz für eine Woche. Ich war nass, also so richtig. Aber jetzt den Rückweg antreten und an der besser ausgestatteten Crew (ich sag nur Regenhose) vorbei marschieren? Sicher nicht. Zudem kann es ja jetzt eh nicht mehr schlimmer werden. Dachte ich.

Der Bug eines Schiffes bewegt sich gerne sehr ausladend. Wie bei einem Linienbus ist die Drehachse weiter hinten. Im Gegensatz zum Linienbus bewegte ich mich aber vertikal auf und ab, bei unruhiger See. Solange Wellenberge und -täler weit genug auseinander waren hatte ich Spaß. Ein bisschen Achterbahn mit Wahnsinnsaussicht. Waren sie näher bei einander, und wir trafen unsanft darauf, wurde ich nass. Das Salzwasser verklebte meine Haare, sprang über meine Regenjacke und tränkte mein darunter liegendes Fleece samt T-Shirt, es drang in jede Ritze meiner Wanderstiefel, machte sie noch einige Kilos schwerer, drang durch meine Hose wie durch Küchenpapier und pökelte meine Haut. Nach der zwölften vollen Breitseite entschied ich mich doch langsam den Rest meiner Spiel und Spaß Gesellschafft aufzusuchen. Diese befanden sich eine Etage höher auf dem “Sonnendeck”, direkt hinter der Brücke. Er erklang schallendes Gelächter bei meiner Ankunft.

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Die Hinweise des Captains, dass die See unnormal rau wäre für diese Jahreszeit halfen nicht mehr, als die ersten Leute seltsam bleich um die Nase wurden. Der Wellengang setzte uns Süßwasserpiraten zu. Ein irisches Pärchen, deren Tochter auf Cape Clear als Gälischlehrerin arbeitet, war mehr damit beschäftigt ihren mitgebrachten Kuchen trocken zu halten als sich über den Wellengang Gedanken zu machen. Beruhigend. Kurz vor Point Vomit erreichten wir glücklicherweise den Hafen dieser schwach besiedelten Insel. Unsere ersten Blicke fixierten zwei Dinge: Ein Café mit Kuchenbar und die kaum noch fahrtüchtigen KfZs der Einheimischen. Panzertape und viel katholisches Gottvertrauen hielt diese Autos noch zusammen, Blech und Schweißnähte schafften es alleine nicht mehr. So sieht also eine Welt ohne TÜV aus.

Der Himmel brach auf, die Sonne wärmte unsere (meine) nassen Gliedmaßen und der Wind ließ nach. So trauten wir uns an einen kleinen Marsch zu einem angeblich malerischen Lookout Point. Uns wurde nicht zu viel versprochen.

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Die Strapazen der Hinfahrt waren jedoch nur so lange vergessen, bis wir wieder am Hafen ankamen. Ohne Stärkung an der Kuchenbar begaben wir uns wieder an Bord. Erfreulicherweise erwies sich dann jedoch die Rückfahrt als Piece of Cake. Und trocken wurde ich auch wieder. Mit lustigen weißen Salzspuren. Laut meiner kleinen Stichprobe und einer unsachgemäßen Verallgemeinerung sind übrigens tragbare Nintendo Konsolen und Lumia Smartphones absolut wasserdicht.

Alles wird überlebt.

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Prioritätsverschiebung

Ich habe gestern in einem Café einen Zugang zum Internet gefunden. Gibt es hier häufiger. Vermutlich habe ich auch noch einen in einem weiteren Café aufgetan, sonst könntet Ihr das hier gar nicht lesen.

Das aufgespannte WLAN reichte vollkommen um mal kurz das Smartphone raus zu holen, Emails, Wettervorhersage und Navi-Updates zu checken, ein Lebenszeichen per Twitter und Facebook zu verteilen, und das Telefon dann wieder weg zu stecken. Ein paar Stunden später hatte ich dann Zeit meine Emails auch anzusehen. Es waren grob 40 Stück auf 5 Accounts verteilt, und nicht eine davon war auch nur im Entferntesten wichtig. Es ist eine bittere Erkenntnis, aber diese durchgehende Internetdurchdringung, die mein Leben bisweilen hat, ist nicht wichtig.

Ich habe noch nicht eine Nachricht von der heute endenden E³ gelesen. Ich habe keine Ahnung von aktueller deutscher Politik oder Hochwasserproblemen. Alles was ich weiß ist, dass hier jeden Tag die Sonne scheint, es jeden Tag regnet, und dass es jeden Tag stürmt. Und das reicht. Die Abgeschiedenheit in diesem grünen Nirgendwo führt dazu, dass man auf sich reduziert ist. Sich selbst und das, was man mitgebracht hat.

Und damit Ihr nicht denkt, ich hätte hier die Erleuchtung gefunden und wäre nun ein ganz anderer Mensch geworden: Diese Abgeschiedenheit führt auch dazu, dass ich ein Adventure spielen muss ohne ab und an in eine Komplettlösung zu spicken. Ja, das ist, anders als die Emails, immer noch wirklich wichtig.

(Und ich denke, in 1,5 Wochen wird es mir dann auch endgültig reichen. Dann will ich wieder alle Freunde, all das Internet und gescheites Brot. Kuchen können die Iren, Brot nicht)

Alles wird relativ.

PS.: Alle Zeitangaben hier sind natürlich relativ zum Zeitpunkt des Schreibens und nicht zur Veröffentlichung dieses Artikels, die für mich momentan noch nicht absehbar ist.

Mein schönstes Ferienerlebnis

Ich durfte Auto fahren. Einen Mitsubishi Lancer. Ja, das Ding, dass sie lange Zeit in er WRC eingesetzt haben. Es hat ausreichen Power unter der Haube und bleibt gut in der Spur. Und das ist wichtig.

Mein Gott sind hier die Straßen eng. Zwei Autos an einander vorbei zu bringen ist je nach Straße echt eine Herausforderung. Und dann führte unsere heutige Tour an einer Touristenstrecke entlang. Reisebusse über Reisebusse.

Zum Glück gab es aber auch Gründe warum die Touristen da alle hin wollten (oder mussten): Tolle Landschaft:

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Sollte ich nochmal ein Päckchen Internet finden gibt es mehr Bilder.

Alles wird offline