Spielejahr 2012

OK, diese Liste war schwierig. Nicht, dass ich im letzten Jahr so wenig gespielt hätte. Nicht, dass ich im letzten Jahr nur Mist gespielt hätte, ganz im Gegenteil. Das Problem ist, ich habe im letzten Jahr große Teile der Jahre 2010 und 2011 nachgeholt, und auch wenn die Titel mir fast durchgehend sehr viel Freude bereitet haben, sie gehören hier nicht rein. Warum mache ich diese Liste dann also? Weil Polyneux nach Listen fragt, ich eine Rampensau bin und dieses Jahr auch mal dabei sein wollte.

Hier geht es nun also einfach um das Beste, was ich 2012 aus 2012 erleben durfte. Dann wollen wir mal…

Die Top 5 aus 2012:

Platz 6: X³ Albion Prelude (PC)

Diesen Platz gibt es aus mehreren Gründen. Erstens: Ich kann nicht zählen. Zweitens: Das Spiel erschien am 15.12.2011 und fällt somit aus dem Raster. Drittens: Es ist ein solider, aber kein überragender Titel. Viertens: Erwähnen muss ich ihn trotzdem.
Seit einem zweiwöchigen Urlaub in der Bretagne, den ich als Schuljunge ohne Zugang zu technischen Geräten, einzig mit einer aktuellen Ausgabe der PC Games, verbringen musste, bin ich den X Titeln verfallen. Je nach Zählweise (wie gesagt, nicht meine Stärke) handelt es sich bei Albion Prelude um den fünften oder sechsten Teil. Erklären lässt sich das Spielprinzip aller X Spiele ganz gut als „Open World ohne World“. Ihr schippert mit einem Raumschiff durchs All und könnt tun und lassen was Ihr wollt. Pirat werden? Waffen ans Schiff schrauben und los. Polizist werden? Polizeilizenz erstehen und los. Großmagnat werden? Frachter kaufen, Waren transportieren, sparen und irgendwann die erste eigene Raumstation bauen, weiter sparen und langsam das eigene Wirtschaftsimperium mit zusätzlichen Stationen vergrößern.
In Albion Prelude befindet sich das X-Universum im Krieg. An dem muss man nicht teilnehmen, sofern man auf die Story pfeift. Für X Veteranen wie mich ist aber gerade die interessant, da das Gameplay kaum Unterschiede zum Vorgänger aufweist, während die Geschichte den Übergang zum großen Relaunch der Reihe namens X: Rebirth bildet. Und so ist Albion Prelude ein netter Fanservice, aufgrund der geringen Unterschiede zu X³: Terran Conflict hat er bei mir jedoch nicht so eingeschlagen, dass er in die Top 5 müsste.

Platz 5: Picross E (3DS)

Bei Picross handelt es sich um ein schon häufiger versoftetes Puzzlespiel. Man sitzt vor einem sudokuähnlichen Spielfeld mit zumeist 15 x 15 Feldern, und diese Felder färbt man nacheinander schwarz… aber natürlich mit System. Am Rand des Spielfeldes steht für jede Reihe und jede Spalte geschrieben, wie viele Felder geschwärzt werden müssen, und vor allem wie viele davon am Stück. Schwer zu erklären, aber einmal verstanden ergibt sich ein ungeheures Suchtpotential. Ich habe in den 3,5 Monaten, die Picross E nun auf dem Markt ist ganze 27 Stunden reingesteckt. Ich bin durch alle gestellten Rätsel durch und dürfte nun meine Zeiten verbessern, oder ich warte einfach auf den zweiten Teil, der noch diesen Monat erscheinen soll. Schätzungsweise werdet Ihr von dem Titel dann nächstes Jahr hier lesen.

Platz 4: Resident Evil – Revelations (3DS)

Teil 6 der Hauptreihe wird wohl dieses Jahr nicht so viele Spiel des Jahres Auszeichnungen entgegen nehmen dürfen, um nicht zu sagen, es besticht eher durch Spiellänge als durch Spieltiefe. Anfang des Jahres 2012 erschien jedoch ein Spiel, dass auch an manchen Stellen ein wenig gestreckt erschien, dabei aber eine klasse Atmosphäre aufzubauen vermochte. Ungefähr 20 Stunden hielt mich Resident Evil – Revelations fest, bevor ich überhaupt noch mal auf die Idee kam ein anderes Modul in den Schacht des 3DS zu stecken. Dank (unsagbar hässlichem) Zubehör ließ sich der Titel gut steuern, die Grafik gehört mit zum Besten auf dem 3DS und sogar der Sound wusste zu gefallen. Die Story war zwar nicht preisverdächtig, aber als Grundlage für ein Zombie/Mutanten Actionballerspiel durchaus in Ordnung. Ich würde mich sehr über einen Nachfolger freuen, dann vielleicht mit ein wenig weniger Backtracking…

Platz 3: Catherine (Xbox360)

An meinem Geburtstag erschien eine Genremixtur, die für mich so unpassend klang, dass ich sie unbedingt ausprobieren musste. Kurz (viel zu kurz) durfte ich bereits auf der Gamescom 2011 reinschnuppern, doch wirklich gefesselt hat mich das Spiel erst daheim. Die Geschichte handelt von Vincent, ein Kerl irgendwo zwischen ewigem Kind und verantwortungsbewusstem Mann. Seine Freundin Katherine findet er wäre jetzt lange genug Kind gewesen und drängt darauf, dass ihre Beziehung den nächsten Level erreicht. Natürlich weiß sie nichts davon, dass Vincent gerade die junge, verrückte und rattenscharfe Catherine getroffen hat. Dumm nur, dass just zu dieser Zeit nahezu alle untreuen Männer des Landes seltsame Albträume haben, von denen etliche auch nicht mehr aufwachen. Ihr habt also zwei Baustellen, Ihr müsst tagsüber die Herausforderungen eines Doppellebens meistern, Euch währenddessen für eine der Frauen entscheiden, und nachts habt Ihr im Gegenzug knüppelharte Puzzles zu lösen um Eure Albträume zu überleben. Die Mechanik des Puzzleteils ist dabei recht einfach erklärt. Ihr müsst eine Wand erklimmen (teilweise unter Zeitdruck), dazu dürft Ihr Blöcke aus dieser Wand ziehen um auf sie drauf zu steigen und Euch Treppen zu bauen, oder aber um Teile der Wand einzureißen. Natürlich gibt es auch dabei Techniken für Fortgeschrittene. Catherine hat mein Hirn genauso gefordert, wie mein Verständnis für die dämlichen Entscheidungen, die Vincent ohne mein Zutun trifft. Aber gut, irgendwie muss die Geschichte ja am Laufen gehalten werden. Je nachdem wie Ihr Euch während des Spiels verhaltet seht Ihr eine von mehreren grundlegend verschiedenen Endsequenzen. Ganz spoilerfrei mag ich nur sagen, ich habe nicht das Ende gesehen, das ich haben wollte, aber sicher das, welches ich verdiente. Klingt deprimierend und schreit nach einem zweiten Durchspielen.

Platz 2: Theatrhythm Final Fantasy (3DS)

Der 3DS hat mich ganz schön auf Trab gehalten, so auch mit diesem wunderbaren Titel. Es handelt sich um eine Mischung aus Rollen- und Musikspiel. Durch präzise getimte Tipp- und Streichbewegungen werden Monster bekämpft oder Wege zurück gelegt. Dabei werden Erfahrungspunkte gesammelt, die meine Figuren stärker werden lassen um schwerere Monster zu besiegen oder weitere Strecken zu laufen. Spaßig, aber eigentlich recht banal. Was diesen Titel so weit in meiner Gunst hat steigen lassen war die Musikauswahl. Aus den 13 Titeln der Final Fantasy Hauptreihe (Teil 14 wird verleugnet) wurden mindestens 5 Titel gewählt, die nun in Theatrhythm bespielt werden dürfen. Über die Final Fantasy Rollenspiele darf man sagen was man will, die Musik war und ist jedoch bisher in jedem Teil grandios gewesen. Diese meisterhaft komponierten Stücke, die alleine für sich genommen den Hörer bereits auf eine Reise in ferne Länder schicken, nun auch noch mit einem spaßigen und gut umgesetzten Rhythmusspiel zu kombinieren war äußerst geschickt. Wir kombinieren Material, das eh noch im Archiv rumgammelt mit ein wenig Arbeit und verkaufen es erneut. Dieses Mal nehme ich es ihnen aber nicht übel. Für mich war der Titel die Überraschung 2012, alleine schon, weil ich nicht wusste, dass mich ein Musikspiel fesseln kann.

Platz 1: The Walking Dead (PC)

Über dieses Spiel wurde wohl schon alles gesagt. Zu Eurem Leidwesen halte ich trotzdem nicht den Rand. Ich werde in dieses Spiel hineingezogen, ich werde zu einem Teil der Welt und bin verantwortlich für meine computergesteuerten Freund und Rivalen. Ich treffe Entscheidungen, und wenn die nicht optimal waren, dann stirbt mit großer Wahrscheinlichkeit jemand, der mir wichtig war oder mir zumindest hätte helfen können. Es ist diese Geschichte und deren zahlreiche Verwinkelungen, die diesen Titel zum für mich besten im Jahr 2012 macht. Und das, obwohl es sich bei dem Titel eigentlich um das handelt, was uns allen Ende der 90er unter dem Namen „interaktiver Film“ versprochen wurde. Leichte Rätsel ohne Kopfnüsse, spielerisch anspruchslose Actionsequenzen und zeitweilige Verwirrung was eigentlich zu tun ist. Alles egal. Anders als zum Beispiel Grafikblender lassen sich mit Geschichte und Atmosphäre wirklich Makel aufheben. The Walking Dead ist der Beweis.

Soweit meine Zusammenfassung des letzten Jahres. Aber es sieht so aus, als ob 2013 bei mir nicht „aktueller“ laufen würde. Als nächstes gehe ich El Shaddai an, danach sind die Wii Highlights der letzten Jahre dran. Der Schattenläufer, Skyward Sword, Conduit 2 und No more heroes 2 warten auf ihre Chance. Und Skyrim dürfte mir auch noch viele weitere Stunden stehlen…

Eine Nische, nur für mich

Manchmal entdeckt man durch Zufall eine CD, ein Buch, ein Spiel, das den Eindruck vermittelt, es sollte nie erfolgreich werden. Objektiv betrachtet ist alles Quatsch, alles dämlich und vor allem ist es nicht gut. Doch subjektiv ist das alles scheißegal, die Musik, so primitiv sie auch sein mag, spricht genau Dich an! Das Buch ist stupide mit unkreativen Worten geschrieben, aber die Geschichte spricht genau Dich an! Die Steuerung des Spiels kommt direkt aus der Hölle, aber das Setting spricht genau Dich an! Ich habe in meiner Vergangenheit einige dieser nur-für-mich-Perlen gefunden. Medien, bei deren Konsum ich definitiv alleine sein möchte.

Gestern bekam ich endlich meinen neuesten 3DS Titel: Theatrhythm – Final Fantasy. Ein Musikspiel mit Rollenspielelementen, dessen Titel einzig und alleine aus dem Final Fantasy Franchise kommen. Ich hatte noch nicht genug Zeit für eine komplette Analyse, aber im Moment scheint es, es gibt fünf Songs für jeden der 13 Haupttitel der Reihe (warum Final Fantasy 14 nicht berücksichtigt wurde ist mir jedoch schleierhaft). Gespielt wird in vier verschiedenen Varianten, welche Variante bei welchem Lied genutzt wird ist vorgegeben. Das hier soll kein Review werden (dafür hätte ich auch noch nicht genug Spielzeit gesammelt), darum verweise ich nun einfach auf den Trailer von der diesjährigen E³, da werden drei Spielvarianten vorgestellt.

Nun ist die Musik der Final Fantasy Titel wohl über jede Kritik erhaben. Egal ob als Midigedudel zu Beginn der Reihe vor 25 Jahren, oder als Orchesterwerke bei den jüngeren Spielen, die Melodien sind eingängig und mitreißend. Da ich bislang nur die Teile 1, 4, 7, 8 und 13 gespielt habe, und das teilweise schon ewig her ist, habe ich mich ein wenig davor gefürchtet, mit den mir unbekannten Titeln nicht zurecht zu kommen, doch auch wenn die Verknüpfung von Storyelementen aus den Spielen mit den jeweiligen Liedern mein Herz schon mal kurz aussetzen lassen kann, es geht auch sehr gut ohne.

Nun sitze ich hier also in meiner Privatsauna bei komplett verdunkelten Fenstern um bloß keinen wärmenden Sonnenstrahl zu viel herein zu lassen, klebe an der Couch fest und habe meinen 3DS in der Hand, tippe leicht unrhythmisch (ich bin dafür halt nicht geboren) auf dem Touchscreen des Gerätes herum, während ich meine vier Mann Party im SD Look gegen SD Monster antreten lasse. Dazu diese meisterhaft komponierte Musik, die meine Stimmung mit sich trägt wie einst die berühmte American Beauty Tüte vom Wind getragen wurde. Nein, dabei soll mir bitte niemand zusehen, aber es ist wie für mich gemacht.

P.S.: Und es erweckt in mir den Wunsch nach Beendigung von Final Fantasy 13 und 13-2 mal alle Titel von 1 bis 9 chronologisch durchzuspielen. Auch wenn jeder Teil eigene Charaktere und eine eigene Welt besitzt, so machen einem doch gerade die Titel dieser Serie die sagenhafte Entwicklung des Mediums “Videospiele” klar.

Alles wird nur meins